«Wer neben der Piste fährt, lebt gefährlich»

Fabienne Engbers, 9. Januar 2017, 18:32 Uhr
Die Lawinenwarnstufe wurde in den letzten Tagen auf «erheblich» gesetzt. Die Bergbahnen Pizol treffen erste Vorkehrungen und haben bereits einen Hang gesprengt, in den Flumserbergen ist dies noch nicht nötig.

Jeden Morgen steht Paul Moser früh auf, und macht sich auf den Weg auf die Pizoler Skipisten. Jede einzelne wird momentan kontrolliert, kleine Hänge direkt neben der Skipiste werden abgefahren, damit mögliche Lawinen bereits von Experten ausgelöst werden und darin nicht ein Laie versinkt. Ausserdem wird regelmässig abgeschätzt, ob eine Sprengung eines grösseren Hanges nötig wird.

Der Wind ist das grosse Problem

Nicht viel Schnee, sondern Windverwehungen machen dem Lawinensprengmeister Paul Moser Sorgen. «Dadurch dass ab etwa 1900 Metern über Meer ein starker Wind weht, wird der Schnee von den Flächen an die Hänge geweht», sagt der Experte. Diese Schneeschicht ist ganz pulvrig und brüchig und kann damit schnell abrutschen. Das macht die Gefahr für Lawinen momentan so gross.

Die Lawinengefahr ist momentan in fast allen Skigebieten erheblich. (Bild: Screenshot slf.ch)
Die Lawinengefahr ist momentan in fast allen Skigebieten erheblich. (Bild: Screenshot slf.ch)
© Die Lawinengefahr ist momentan in fast allen Skigebieten erheblich. (Bild: Screenshot slf.ch)

Schon kleine Hänge sind riskant

Für den Skifahrer ist schon ein zwanzig Meter langer Pulverschnee-Hang eine Gefahr. «Wenn der Wind dort Schnee angeweht hat, dann kann sich dieser sehr schnell lösen und eine Lawine wird bei der kleinsten Erschütterung ausgelöst», sagt Paul Moser. «Das kann sich von Tag zu Tag ändern und Hänge, die am Vortag problemlos befahrbar waren, werden zu einer Gefahr.» Deshalb kontrolliert Paul Moser mit seinem Team jeden Tag alle Pisten. «Kleine Hänge neben der Piste werden immer zu zweit mit den Skis abgefahren, damit wir mögliche Lawinen selbst auslösen und diese Gefahren so beseitigen», erklärt Moser.

Paul Moser ist verantwortlich für die Sicherheit auf den Pisten und die Lawinensprengungen. (Bild: Tagblatt/Michel Canonica)
Paul Moser ist verantwortlich für die Sicherheit auf den Pisten und die Lawinensprengungen. (Bild: Tagblatt/Michel Canonica)
© Paul Moser ist verantwortlich für die Sicherheit auf den Pisten und die Lawinensprengungen. (Bild: Tagblatt/Michel Canonica)

Grosse Hänge werden gesprengt

Letzten Freitag haben die Pizolbahnen zum ersten Mal diesen Winter einen Hang gesprengt. Der Hang befindet sich rechts neben der Bergstation. «Deshalb konnten wir ihn mit Raketenrohren vom Boden aus beschiessen und mussten nicht mit dem Heli sprengen», sagt Jürg Vollmer, Pressesprecher der Pizolbahnen AG. Bei der Sprengung habe man gesehen, wie schnell sich der Schnee momentan von den Hängen löst. «Die Situation ist wirklich ernst und man sollte auf keinen Fall neben der Piste fahren», sagt Sprengleiter Paul Moser.

Die Reportage von TVO - Das Ostschweizer Fernsehen

 

Flumserberg noch ohne Sprengungen

Das Skigebiet Flumserberg liegt weiter unten, deshalb ist man dort weniger alarmiert. «Die Lawinengefahr geht vor allem von Hängen über 2000 Metern über Meer aus, unser Skigebiet liegt knapp darunter», sagt Marketingleiterin Katja Rupf. Die Pisten und Hänge würden täglich kontrolliert und bei Bedarf würden auch Sprengungen vorgenommen, sagt sie weiter. In diesem Winter war dies aber noch nicht nötig.

Situation wird am Samstag neu evaluiert

Laut Meteonews wird es am Freitag wieder schneien. Am Samstag werden die Pisten und Hänge unter anderem im Skigebiet Pizol deshalb nochmals genau untersucht. «Allenfalls werden wir dann wieder sprengen müssen», sagt Paul Moser. Die Situation könnte durch den vielen Neuschnee noch prekärer werden als momentan, wird der Wind allerdings verschwinden, könnte sich die Lage auch wieder etwas entspannen.

TVO berichtet heute Abend ab 18 Uhr ebenfalls über die Lawinengefahr in der Ostschweiz.

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 9. Januar 2017 15:31
aktualisiert: 9. Januar 2017 18:32