Stossstrasse

Wer oder was ist «LEA»? Strassenmarkierungen verwirren Autofahrer

Sarah Wagner, 15. August 2022, 05:50 Uhr
In grossen Lettern ziert das Wort «LEA» gleich mehrmals die Stossstrasse zwischen Altstätten und Gais. Was hat es mit den Buchstaben auf sich? Eine sportliche Spurensuche.

Leserreporter Sacha wundert sich, als er sich am Donnerstagabend mit seinem Auto auf den Nachhauseweg ins Appenzellerland macht. Auf dem rund sieben Kilometer langen Streckenabschnitt wird jemandem oder etwas besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. «LEA» steht immer wieder in unregelmässigen Abständen auf der Strasse.

Ist das ein Überbleibsel einer aufdringlichen Liebeserklärung, werden bei den Markierungen bald Leitungs-Erweiterungs-Arbeiten durchgeführt oder war es eine künstlerische Ferienbeschäftigung für Kinder?

Die Spurensuche beginnt

Am Tag zeigt sich, es ist keine Kreide. Es scheint, als hätte jemand die Buchstaben mit Schablone und Farbe auf dem Asphalt verewigt. Gut ein Dutzend Markierungen zieren die Passstrasse. Es sieht professionell aus. Da müssen die Behörden doch etwas wissen. Aber das Telefon beim Tiefbauamt der Stadt Altstätten bringt keine Klarheit: «Das ist eine Kantonsstrasse, dafür ist das Baudepartement zuständig oder fragen Sie beim Unterhaltsdienst an.»

Einen Anruf später kann uns auch der Unterhaltsdienst nicht weiterhelfen, bis nochmals der Name «Lea» fällt.

Nur eine von vielen Markierungen auf der Passstrasse.

© Sarah Wagner / FM1Today

Tour de Suisse in der Ostschweiz

Der Unterhaltsdienst vermutet, dass die Markierungen etwas mit der Tour de Suisse der Frauen zu tun haben. Diese fand vom 18. bis 20. Juni in der Region rund ums Fürstentum Liechtenstein statt. Und tatsächlich: Etappe 3 startete in Vaduz, dann ging es für die Sportlerinnen in den Norden via Altstätten und wieder zurück. Und mittendrin die Stossstrasse.

Aber wer ist Lea?

65 Frauen waren mit ihrem Rennvelo am Start und darunter sind zwei Leas. Wobei sich die eine mit einem Accent aigu auf dem E schreibt und Französin ist. Dass der Regen Teile des Namens auf der Strasse weggewaschen hat, ist ziemlich unwahrscheinlich. Und dann wäre da noch Lea Fuchs, 31 Jahre alt, und aus Winterthur. FM1Today kontaktiert die Sportlerin via Social Media, ob sie mehr über die Fan-Aktion weiss. Bis Redaktionsschluss haben wir aber nichts von ihr gehört.

Lea Fuchs auf der Tour de Suisse der Frauen im Juni

© Keystone

Geholfen hat es ihr aber wahrscheinlich, sie erreichte den 25. Platz. Und das, obwohl sie erst seit eineinhalb Jahren professionell bei Radrennen an den Start geht. Vorhin stand sie als Fussballerin für den FC Winterthur auf dem Platz.

Ist sowas überhaupt erlaubt?

Bei der Kantonspolizei St.Gallen ist offiziell nichts von den Schriftzügen bekannt. Auch keine Anzeige ist in den letzten Wochen eingegangen. «Solche Markierungen sind illegal und würden auch nicht bewilligt werden», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei, auf Anfrage. Zu klären ist, gegen welches Gesetz die Unbekannten verstossen haben. Ende Juni ereignete sich in Mörschwil ein ähnlicher Fall. Unbekannte malten in einer Nacht- und Nebelaktion eigenhändig einen Fussgängerstreifen auf die Strasse. Hier würde wohl Artikel 98 Strassenverkehrsgesetzbuch greifen.

Der «LEA»-Fall fällt aber nicht darunter. «Da es sich nicht um eine Verkehrsmarkierung handelt, wird die Aktion als Sachbeschädigung gewertet», so Florian Schneider. Die Höhe der Busse würde durch die Staatsanwaltschaft geprüft werden. Anzeige kann aber nur das Tiefbauamt als Strasseneigentümerin machen. «Erfahrungsgemäss wird auch eine gemacht, da solche Aktionen nicht erlaubt sind», sagt Schneider weiter.

Nett gemeint, ist aber wahrscheinlich Sachbeschädigung.

© Sarah Wagner / FM1Today

Bleiben die «LEAs» für immer?

Das Tiefbauamt wäre auch für die Entfernung von allen Schriftzügen zuständig. Ob das auch gemacht wird, bleibt seitens des Amtes unbeantwortet. Die Kantonspolizei St.Gallen kann sich aber vorstellen, dass angesichts der Hochsaison im Strassenbau andere Baustellen derzeit Vorrang haben. Da die Schriftzeichen nicht sehr gross sind und so den Strassenverkehr nicht gefährden, besteht kein akuter Handlungsbedarf.

Und so werden wohl in nächster Zeit noch mehr Leas auf Velos, Mofas, im Auto oder zu Fuss von den Schriftzeichen angefeuert.

Sarah Wagner
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. August 2022 05:50
aktualisiert: 15. August 2022 05:50
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