Maskenpflicht

Weshalb die Ostschweizer Spitäler trotz steigender Coronazahlen auf eine generelle Maskenpflicht verzichten

19. Juli 2022, 21:50 Uhr
In den vergangenen Wochen sind die Coronazahlen landesweit stark angestiegen. In mehreren Kantonen führen Spitäler gar wieder eine generelle Maskenpflicht ein. Wie ist die Lage in der Ostschweiz?
Die steigenden Coronazahlen werfen die Frage auf, ob eine generelle Maskenpflicht in Ostschweizer Spitälern sinnvoll ist. (Symbolbild)
© Keystone
Anzeige

Seit Anfang Juni steigen die Coronazahlen in der Schweiz wieder stark an. Etwa in Luzern hat die Luks-Spitalgruppe bereits darauf reagiert und an den Standorten Luzern, Sursee und Wolhusen sowie am Spital Nidwalden in Stans eine generelle Maskenpflicht eingeführt. Auch in der Ostschweiz sind die Ansteckungszahlen zuletzt nach oben geklettert, schreibt das "St.Galler Tagblatt". Während sie sich allerdings in der vergangenen Woche fast verdoppelt haben, scheinen sie nun zu stagnieren. Dennoch liegen die Coronafälle in diesem Jahr um ein Vielfaches höher als noch 2021. Während der Sieben-Tages-Schnitt im vergangenen Jahr zwischen dem 11. und 17. Juli bei rund 40 bestätigten Fällen lag, ist er heute bei rund 400 – also zehnmal höher.

Noch immer jeder zweite Test in der Ostschweiz positiv

Die Positivitätsrate liegt immer noch bei rund 46 Prozent, somit fällt jeder zweite PCR-Test positiv aus. Bedeuten dürfte dies auch, dass ein grosser Teil der Infektionen im Dunkeln liegt und in den offiziellen Zahlen nicht abgebildet ist.

Im Kanton St.Gallen ist die Zahl der Ansteckungen im Vergleich zur vergangenen Woche leicht zurückgegangen von 2309 auf 2224. Dagegen sind die Spitaleinweisungen um einen Viertel, von 16 auf 20 gestiegen. Der Kanton Thurgau verzeichnet einen leichten Anstieg von 1477 in der Vorwoche auf 1509.

St.Gallen verzichtet vorerst

Trotz der noch immer sehr hohen Zahlen gibt es im Kantonsspital St.Gallen und der Spitalregion Rheintal, Werdenberg, Sarganserland zurzeit keine generelle Maskenpflicht. «Massgebend ist, dass sich die etablierten Massnahmen primär auch aus infektiologischer Sicht bewähren», sagt Philipp Lutz, Kommunikationsbeauftragter Kantonsspital St.Gallen. Dies sei momentan der Fall. Daher sei keine Ausweitung auf eine allgemeine Maskenpflicht vorgesehen.

An Thurgauer Spitälern wird ähnlich verfahren: «Eine schärfere Pflicht ist aus unserer aktuellen Sicht weder nötig noch sinnvoll», sagt Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG. «Wir beobachten die Entwicklung aber laufend und behalten uns bei weiter erhöhten Risiken und steigenden Fallzahlen vor, diese Regelungen zu verschärfen.»

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Die Zahlen sind im Vergleich zur vergangenen Woche von 216 auf 198 gesunken. Auch im Kanton Appenzell Innerrhoden sind die Ansteckungen von 40 auf 37 zurückgegangen.

Auch im Spital Herisau ist aktuell keine Wiedereinführung der generellen Maskenpflicht vorgesehen. «Obschon aktuell die Corona-Infektionszahlen auch in der Schweiz wieder zugenommen haben, bewegen sich die Hospitalisationen insgesamt auf einem vergleichsweise tiefen Niveau», sagt Alain Kohler, Leiter Marketing und Kommunikation Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden.

In einigen Bereichen gilt die Maskenpflicht immer noch

An den meisten Ostschweizer Spitälern gilt zurzeit keine generelle Maskenpflicht. Jedoch wird je nach Situation das Tragen von Masken immer noch vorausgesetzt. So etwa in den Kantonsspitälern Frauenfeld und Münsterlingen. «Ausnahmen sind besonders sensible Bereiche wie die Notfallstation, die Intensivpflegestation, die Isolationsstationen, die Onkologie und gewisse Diagnostikbereiche mit Aerosolbildung», sagt Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG. «Dort gilt Maskenpflicht für alle. Unsere Mitarbeitenden haben zudem immer Maskenpflicht, wenn sie Kontakt mit Patienten haben.»

Ein fast identisches Vorgehen zeigt sich bei den Kantonsspitälern St.Gallen, Herisau und der Spitalregion Rheintal, Werdenberg, Sarganserland. Eine Maskenpflicht für Mitarbeitende mit Patientenkontakt und Besuchende werde gezielt bei Auftreten von im Spital erworbenen Infektionen auf der betroffenen Station umgesetzt, sagen beide Medienverantwortlichen. Mitarbeitende mit respiratorischen Symptomen würden zudem immer eine Maske tragen.

Während im Kantonsspital Herisau ein Besuchsverbot gilt für Personen mit respiratorischen Symptomen, ist dies im Kantonsspital St.Gallen und der Spitalregion Rheintal, Werdenberg, Sarganserland in Ausnahmefällen möglich. «Das KSSG überwacht und evaluiert zudem die aktuelle Situation laufend und engmaschig», sagt Philipp Lutz, Kommunikationsbeauftragter Kantonsspital St.Gallen.

Quelle: St.Galler Tagblatt/Valentina Thurnherr
veröffentlicht: 19. Juli 2022 21:50
aktualisiert: 19. Juli 2022 21:50