«Wir haben jede Nacht riesige Angst»

Raphael Rohner, 8. November 2016, 20:28 Uhr
Nach den sechs Bränden in Sargans ist die Angst bei der Bevölkerung gross. Man fürchtet, dass der Täter wieder zuschlägt. Die Angst der Sarganser ist begründet, bestätigt ein Forensiker. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

«Ich habe wirklich grosse Angst», erzählt eine Anwohnerin. Sie wohnt unmittelbar neben dem Brandplatz an der Rheinstrasse. «Ich bin mehr als ein Mal in der Nacht erwacht und habe die Flammen gesehen», sagt sie. Die Frau leidet stark unter den Bränden der vergangenen Tage.

Die Scheune und eine kleine Garage an der Rheinstrasse haben in den letzten Tagen gleich vier Mal gebrannt. Trotz mehreren angebrachten Videokameras habe niemand eine Ahnung, warum es gebrannt hat. Ein Mieter der Parzelle, Herr Good, ist schockiert: «Nach dem ersten Brand dachten wir, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen seien - als es gestern wieder gebrannt hat, hielt ich es für einen schlechten Witz.» Er ist sich sicher, dass hinter dem Brand ein «Zösli» steckt, der ein ernsthaftes Problem hat. Auch auf der Strasse ist man sich da einig: «Da draussen läuft ein kranker Mensch rum, der Häuser anzündet.» Man fürchtet, dass der Unbekannte bald wieder zuschlägt.

«Der Täter könnte jederzeit wieder zuschlagen»

Dies bestätigt auch der erfahrene Forensische Psychiater Thomas Knecht von der Psychiatrischen Klinik in Herisau: «Falls der oder die Unbekannte ein psychisches Problem hat, wird er immer wieder zuschlagen, um sein inneres Verlangen zu stillen.» Enthemmende Drogen wie Alkohol können den Täter dazu bringen, schneller etwas anzuzünden. Verhindern kann man die Brandstiftungen nur mit den richtigen Massnahmen der Ermittler: «Solche Täter lechzen nach Befriedigung und betrachten ihr Werk meist aus einem Hinterhalt. Oder sie begeben sich unter die Helfer und löschen gar den gelegten Brand mit.» Meist seien die Pyromanen auch als Schaulustige vor Ort oder melden den Brand selber.

«Es kann kein Zufall mehr sein»

Die St.Galler Kantonspolizei ermittelt zur Zeit wegen Brandstiftung: «So viele Brände an einem ähnlichen Ort innert kürzester Zeit können kein Zufall mehr sein», sagt Gian Andrea Rezzoli von der Polizei. Genaue Hintergründe zum Verdacht können aber noch nicht bekanntgegeben werden. Im Rahmen der Ermittlungen seien einige Leute befragt worden. Wer etwas gesehen oder gehört hat, soll sich bei der Kantonspolizei St.Gallen melden (058 229 78 00).

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Raphael Rohner
Quelle: rar
veröffentlicht: 8. November 2016 18:53
aktualisiert: 8. November 2016 20:28