Raststätte Walensee

«Wir waren uns mit der Gemeinde einig, bis der Bund kam»

Christoph Thurnherr, 7. November 2019, 19:32 Uhr
Restaurant Walensee
Seit 2003 steht das das Restaurant Walensee leer.
© Tagblatt
Die Raststätte Walensee zerfällt seit 16 Jahren, obwohl ihr die Besitzerin schon lange neues Leben einhauchen möchte. Doch das Astra machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Aufgeben will die Restwal GmbH aber noch nicht.

Zwischen Felswand und Wasser ragt der überdimensionale Betonklotz auf. Wände und Fenster sind mit fabrigen Schriftzügen verunstaltet. Im Inneren herrscht Unordnung: Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, schlugen Vandalen kurz und klein. 

Die Raststätte Walensee ist seit 2003 verlassen. Sie ist ein vergessenes Prunkstück der Ostschweiz, ein einst warmer und geselliger Begegnungsort. Heute begegnet man dort höchstens Ungeziefer. Dabei hätte alles anders kommen sollen. 

Im Jahr 2013 kaufte die Restwal GmbH die Liegenschaft für 800'000 Franken mit der Absicht, das Restaurant dort wieder zu eröffnen. 

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Quelle: TeleZüri

Zerschlagene Träume

Der Schandfleck an der A3 sollte verschwinden. «Wir waren uns mit der Gemeinde einig, bis der Bund kam» sagt ein Sprecher der Besitzerfirma. Die Gemeinde Glarus Nord habe im Vorfeld auch jegliche Unterstützung versprochen.

Nach dem Einspruch gegen das Baugesuch zur Renovierung der Liegenschaft durch das Bundesamt für Strassen Astra, habe sich allerdings auch die Haltung der Gemeinde geändert. 

Das Baugesuch wurde abgelehnt. Aus baulichen und hygienischen Gründen. Das Astra legt nach und erklärt die Zufahrtsstrecken zur Autobahnraststätte für zu kurz. Diese wird damit zu einer Insel aus Beton: Die einzige legale «Brücke» zu dieser Insel führt über einen anspruchsvollen Veloweg. 

Von Seiten der Besitzerfirma wird ein abgekartetes Spiel vermutet. Das Astra wolle das Grundstück für sich, die Raststätte soll abgerissen und stattdessen ein Sicherheitstunnel zum bestehenden Kerenzertunnel angelegt werden. Dass die Gemeinde Glarus Nord Interesse an einem Projekt für mehrere Hundert Millionen Franken auf eigenem Boden habe, sei selbstverständlich.

Eine sanfte Innenrenovierung, für welche eine Baugenehmigung nicht notwendig wäre, schlug fehl. Immer wieder drangen Vandalen ein und schlugen alles kurz und klein. «Wir wussten gar nicht, dass man so viel zerstören kann», heisst es von der Firma. 

Noch nicht ganz aufgegeben 

Was tun mit einem riesigen Monolith, gefüllt mit Dreck und Abfall, der nicht renoviert werden darf? Einem Überbleibsel aus den 1960er Jahren, das man mit dem Auto nicht mal erreichen kann? 

Der Schrei nach einem Verkauf scheint naheliegend. Laut der Restwal GmbH hatte das Astra vor einigen Jahren auch Interesse an der Liegenschaft. Das Angebot sei mit knapp 700'000 Franken aber weit unter dem Kaufpreis gewesen.  

Die Eigentümerin wartet lieber auf einen günstigen Moment. Zum Beispiel, wenn das Projekt «Sicherheitstunnel» konkreter werde. Dann werde der Verkauf aber zu «eigenen Bedingungen» über die Bühne gehen. 

Bis dahin bleibt die Raststätte Walensee wohl eine Insel aus Beton. Eine Erinnerung an goldene Zeiten und was hätte sein können.  

(thc)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. November 2019 19:35
aktualisiert: 7. November 2019 19:32