Ostschweiz

Zu grosser Andrang: Erster Entsorgungshof schliesst

Noémie Bont, 26. März 2020, 08:28 Uhr
Weil das Coronavirus viele Leute zwingt, zu Hause zu bleiben, entrümpeln viele ihre Wohnungen.
© Tagblatt
Die Zeit zu Hause nutzen viele Ostschweizer, um aufzuräumen und zu entsorgen. Das führt an den Entsorgungsstellen zu Menschenansammlungen, was gegen die Corona-Bestimmungen des Bundesrates verstösst. Einige Sammelstellen ziehen deshalb Konsequenzen.

Wenn das Leben wegen der Corona-Krise schon verlangsamt wird, kann man ja wenigstens den alten Laptop, den kaputten Schrank oder die Kartonsammlung aus dem Keller wegbringen und entsorgen: Ein sinnvoller Zeitvertreib, der aber momentan vielen Leuten gleichzeitig einfällt. Im Kanton Thurgau spricht man gar von Rekordzahlen.

Besucherrekorde im Kanton Thurgau

So steht es in einer Mitteilung des KVA Thurgau: «Seit der Bundesrat die ausserordentliche Lage erklärt hat, sind die Besucherzahlen in den Thurgauer Entsorgungszentren auf Rekordwerte gestiegen. Die Entsorgungszentren können unter diesem grossen Besucherandrang die Pandemievorschriften – und insbesondere die Distanzvorschriften – nicht mehr einhalten.»

Trotzdem bleiben im Thurgau die regionalen Annahmezentren in Weinfelden, Frauenfeld, Hefenhofen und Kreuzlingen «zumindest vorerst noch offen». Nur an Samstagen bleiben die Sammelstellen neu geschlossen.

«Leute halten Abstände nicht ein»

Anders im Kanton St.Gallen. Dort zieht ein Entsorgungshof in Uzwil, als einer der ersten in der Ostschweiz, direkt Konsequenzen. Die Schiess Recycling AG nimmt auch unter der Woche keinen Privatabfall mehr an. «Wir haben es uns wirklich lange überlegt, aber die Leute halten die Abstände nicht ein», so Markus Etter aus der Geschäftsleitung. «Teilweise wollten bis zu 20 Leute gleichzeitig den Abfall entsorgen kommen.» Die Gesundheit der Besucherinnern und Besucher und der rund 17 Mitarbeitenden bewog die Uzwiler zu diesem Entscheid:

Mitteilung der Firma Schiess an ihre Kunden
© Screenshot Entsorgungshof.ch

Konsequenzen zogen auch einzelne Verbände wie der Zweckverband Abfallverwertung ZAB in Bazenheid. «Wir lassen nur noch fünf Fahrzeuge gleichzeitig in die Hallen. Zudem helfen an den drei Easydrive-Standorten, Gossau, Degersheim und Bazenheid die Mitarbeitenden den Kunden nicht mehr, den Abfall aus dem Auto zu tragen, um so die notwendige Distanz einzuhalten», sagt Urs Corrabini, Kommunikationschef des ZAB.

Bevölkerung muss Geduld haben

Die Ostschweizer Entsorgungsbetriebe appellieren an die Bevölkerung, etwas Geduld zu haben. Die Bevölkerung solle nur bei dringendem Bedarf Abfall entsorgen gehen – wie beispielsweise bei Umzügen. Empfohlen wird, sich beispielsweise eine Mulde direkt an den Zügelort zu bestellen, die von den Entsorgern dort wieder abgeholt wird.

Übrigens: In Haushalten, in denen erkrankte oder unter Quarantäne stehende Personen leben, soll zudem auf die Abfalltrennung verzichtet werden. Das heisst, auch die ansonsten separat gesammelten Abfälle wie PET-Getränkeflaschen, Aludosen und Altpapier sollen mit dem normalen Kehricht entsorgt werden. Wie genau die Säcke verschlossen werden müssen, hier eine Anleitung. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 25. März 2020 18:24
aktualisiert: 26. März 2020 08:28