Zu knallig - Wiler will sich nicht bevogten lassen

Angela Mueller, 21. Dezember 2017, 19:43 Uhr
Oben ist die Fassade vom «Schmalzhaus» für den Anstrich  vorbereitet, die untere Hälfte befindet sich im ursprünglichen Zustand.
Oben ist die Fassade vom «Schmalzhaus» für den Anstrich vorbereitet, die untere Hälfte befindet sich im ursprünglichen Zustand.
© Tagblatt/Gianni Amstutz
In der Wiler Innenstadt wurde das «Schmalzhaus» zwar renoviert, aber nicht frisch gestrichen. Grund: Der Eigentümer will eine zu knallige Farbe, die Denkmalpflege hätte es gern etwas diskreter.

Mit einem schönen kräftigen Rotton wollte der Besitzer Ferdi Schlegel das «Schmalzhaus» in der Wiler Altstadt streichen lassen, nachdem es zum ersten Mal seit 1945 renoviert wurde. Doch vor wenigen Tagen mussten die Maler das Gerüst unverrichteter Dinge wieder abbauen, wie die Wiler Zeitung schreibt.

Zuvor gab es eine längere Auseinandersetzung zwischen dem Eigentümer, dem Wiler Departement für Bau, Umwelt und Verkehr (BUV) und der kantonalen Denkmalpflege. Schlegel hatte gemeinsam mit der Familie im letzen Sommer den roten Farbton ausgesucht. «Das Haus sollte sich doch farblich etwas von den anderen abheben.»

Das gewünschte Rot kommt nicht in Frage

Mehrere Monate verstrichen, ehe es am 17. Oktober zu einer Begehung mit dem BUV, und der kantonalen Denkmalpfleger kam. Dabei wurde klar, der Rotton kommt für die Denkmalpflege nicht in Frage, weil die Farbe nicht ins Bild der Altstadt passe. «Zu knallig» lautete das Urteil des Experten.

Für Schlegel völlig unverständlich: «Immerhin befinden sich in der Oberstadt auch ein grünes, zwei lachsfarbene, ein blaues und mehrere gelbe Häuser. Wir wollen mit unserer Farbwahl rechtsgleich behandelt werden», sagt Schlegel in der Wiler Zeitung.

© Pd

Dennoch zeigte er sich kompromissbereit und schlug einen dezenteren Rotton vor. Doch auch diese Farbe stiess auf wenig Gegenliebe bei den Vertretern der Stadt. Das BUV gab danach fünf Farbtöne zur Auswahl, doch diese entsprachen überhaupt nicht den Vorstellungen von Ferdi Schlegel und seiner Familie.

Trotzdem liess Schlegel danach die Arbeiten am Haus beginnen: Das Gerüst wurde aufgebaut, Renovationsarbeiten durchgeführt und die Fassade für das Streichen vorbereitet. Darauf hin griff das BUV ein und drohte in einem Mail mit dem Rückzug der Baubewilligung.

Schlegel lässt das Gerüst abbauen

«Ihre Farbvorschläge sind aus denkmalpflegerischer Sicht zu knallig. Die Baukommission hat deshalb beschlossen, dass die Fassadenfarbe aus einen der fünf von der Farbexpertin vorgeschlagenen Farbtönen ausgewählt werden muss. Andernfalls wird die Baubewilligung widerrufen», zitiert Schlegel das Mail. Ausserdem, sagt Schlegel, habe man ihn dazu aufgefordert, ein neues Baugesuch für das Gerüst einzugeben oder dieses zu demontieren.

Kurzerhand liess Schlegel das Baugerüst am 11. Dezember - mitten in den Fassadenarbeiten - abbauen. «Ich lasse mich doch nicht bevogten, die Behörden spielen sich als Gralshüter der Farben auf», sagt er zu FM1Today. Er wirft der Baubehörde vor, ihre Kompetenzen auszureizen, wenn nicht gar zu überschreiten. Das Resultat des Streites ist nun, dass das «Schmalzhaus» das im 17. Jahrhundert gebaut wurde, vorerst das einzige Haus auf dem Platz ist, dessen Fassade nicht nur nicht frisch gestrichen ist, sondern mit einer halbfertigen Fassade da steht.

«Die Fachmeinung ist eindeutig»

Bei der Stadt gibt man sich gelassen. Die Baubewilligung für die Fassadenrenovation des Hauses an der Marktgasse enthalte die Auflage, dass die Farbgebung abschliessend durch die Altstadtberatung beurteilt werde. Im Streitfall entscheide die Baukommission, erklärt Renato Tamburlini, Leiter Hochbau, gegenüber der Wiler Zeitung. «Die von Ferdi Schlegel gewünschte Farbe entspricht nicht den in der Wiler Altstadt praktizierten denkmalpflegerischen Grundsätzen mit eher dezenten Farbtönen. Die Fachmeinung dazu ist eindeutig».

Wie es nun weiter geht ist unklar, Schlegel hält sich bedeckt. Doch für ihn steht fest: «Das ist eine Geringschätzung von Privaten, die Geld in die Hand nehmen, um die Altstadt schöner zu machen.»

Angela Mueller
Quelle: agm
veröffentlicht: 21. Dezember 2017 19:43
aktualisiert: 21. Dezember 2017 19:43