Zu viel Ammoniak in Ostschweizer Luft

Leila Akbarzada, 15. Juni 2017, 14:00 Uhr
In der Ostschweiz gibt es immer noch zu viele Schadstoffe in der Luft. Das zeigt der Jahresbericht von Ostluft. Nicht nur für die Menschen, sondern auch für die natürliche Vielfalt sind diese gefährlich. Hauptverantwortlich für die schlechte Luft durch Ammoniak ist die Tierhaltung.
Ammoniak entsteht durch die Nutztierhaltung (Archivbild).
© KEYSTONE/DPA/Jörg Sarbach

Während Laien es kaum bemerken, sind Experten alarmiert: Die Pflanzenvielfalt in der Ostschweiz nimmt immer mehr ab. «Wo Landwirtschaft betrieben wird, sehen Wiesen teilweise aus wie Golfplätze», sagt der Lufthygieniker Beat Achermann zur Luftqualität in der Ostschweiz. Bunte Wiesenblumen werden immer seltener, heisst es in einer Mitteilung zum Jahresbericht von Ostluft. Grund dafür ist der Stickstoff, der in den Böden liegt. Er stammt zum einen aus Verkehrs- und Heizungsabgaben, mehrheitlich jedoch aus der Landwirtschaft.

Stinkendes Ammoniak aus Gülle und Harn

Die intensive Tierhaltung  - vor allem von Kühen - produziert laut Ostluft rund zwei Drittel des Stickstoffs, der zur Überdüngung der Böden führt. Denn Mist und Gülle enthalten viel stickstoffhaltiges Ammoniak, das als Gas aus den Ställen und beim Austragen der Gülle in die Luft entweicht. Und das Ammoniak in der Luft gelangt als Gas oder Feinstaub sowie im Regen in die Böden. In solchen Böden wachsen dann vor allem Pflanzen, die viel Stickstoff mögen, und verdrängen andere Blumen und Pflanzen.

Thurgau und Appenzell an der Spitze

Schweizweit gehören die Ostschweizer Kantone Thurgau und Appenzell Innerrhoden/Ausserrhoden zu den Spitzenreitern, was die Ammoniak-Belastung angeht. Das liegt laut Peter Maly, Geschläftsleiter von Ostluft, an der Dichte der Tierhaltung in der Landwirtschaft.

So lagen die Werte des Ammoniak-Jahresmittels im Jahr 2010. Die Karte fürs 2014 ist jetzt in Bearbeitung.
© Bundesamt für Umwelt

«Dabei könnte bereits heute gesamtschweizerisch bis zu 40 Prozent des Ammoniaks in der Luft verhindert werden», sagt er. Wenn Bauern beispielsweise die Stallböden geneigt einbauen, fliesst laut Experte der Urin der Tiere besser ab. Das sei jedoch nicht von heute auf morgen umsetzbar. «Ein positiver Einfluss hätte es schon, wenn der Bauer seinen Stall möglichst sauber hält. Zudem hilft eine rasche Trennung von Kot und Harn», sagt Maly. Bisher waren solche Massnahmen freiwillig. Deshalb seien sie noch zu wenig verbreitet.

Weniger Feinstaub

Während die Ammoniak-Werte in der Ostschweiz noch immer zu hoch sind, hat der Feinstaub-Wert im 2016 abgenommen: Auch wenn die Werte an einzelnen Tagen zu hoch waren, sind sie in den letzten 15 Jahren in der Ostschweiz im Mittel zurückgegangen. Ein Grund dafür ist auch das Wetter: Im vergangenen Jahr hat sich laut Ostluft keine langanhaltende und dichte Hochnebeldecke gebildet, die den Feinstaub für längere Zeit darunter eingeschlossen hätte. Des Weiteren haben technische Massnahmen zu einem tieferen Wert geführt, wie beispielsweise Filter für grössere Holzheizungen, die somit weniger Feinstaub freisetzen.

Zudem müssen Dieselfahrzeuge, Lastwagen und Baumaschinen seit 2009 einen speziellen Partikelfilter haben.

Viel Stickstoffdioxid wegen «Diesel-Bschiss»

Die Stickstoffdoxid-Werte wiederum sind noch nicht wie sie sein sollten. Stickstoffdioxid, das die Atemwege reizt und bei Asthma-Kranken Anfälle auslösen kann, ist vor allem entlang stark befahrener Strassen ein Problem, ob in Städten oder Dörfern. Der Jahresmittel-Grenzwert wurde u.a. am Blumenbergplatz in St.Gallen, in Wil Rudenzburg sowie auf der A13 in Chur überschritten.

Experten gingen ursprünglich davon aus, dass die Werte sinken würden, doch weil Autohersteller die Abgaswerte der Motoren geschönt hätten, und der Verkehr immer mehr zunimmt, belasten Verkehrsabgase die Atemluft nach wie vor. Gerade bei Dieselfahrzeugen besteht laut dem Jahresbericht von Ostluft noch grosser Handlungsbedarf.

Leila Akbarzada
veröffentlicht: 15. Juni 2017 13:26
aktualisiert: 15. Juni 2017 14:00
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