Plastiksammlung für helfende Vierbeiner

Von Angela Müller
Mit der Deckelsammlung unterstützen die Aarts die Ausbildung von Blindenhunden wie Ruby.
Mit der Deckelsammlung unterstützen die Aarts die Ausbildung von Blindenhunden wie Ruby. © FM1Today/Angela Müller
Flaschendeckel landen vielfach achtlos im Abfall – immer öfter werden sie jedoch für einen guten Zweck gesammelt: Zum Beispiel von der Familie Aarts aus Herisau für die Ausbildung von Blindenführhunden.

Die kleine Ruby schnuppert neugierig am gelben Plastikdeckel-Sammelsack, der in der Stube der Familie Aarts in Herisau steht. Das Labrador-Weibchen ist gerade zwölf Wochen alt geworden und befindet sich sich in der Patenzeit zur Ausbildung zum Blindenführhund. Heute ist sie mit ihrer Welpenmutter bei den Aarts zu Gast. Bald entdeckt der kleine Hund den Ausgang zum Garten und erkundet dort die Umgebung.

Ruby steht noch ganz am Anfang ihres Ausbildungsweges, der lange und auch kostspielig ist. Martinus Aarts (52) und sein Sohn Robin (19) organisieren deshalb eine Plastikdeckelsammlung. «Auf die Idee hat mich meine Schwester gebracht, die in den Niederlanden lebt. Dort ist das inzwischen üblich», sagt Martinus Aarts.

Umweltfreundlich und sozial

Die Idee ist einleuchtend: Plastikdeckel sammeln, statt sie wegwerfen und den Erlös des Verkaufs an eine gemeinnützige Stiftung spenden. So schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, man tut Gutes und schützt die Umwelt, denn der gesammelte Plastik wird recycelt.

Doch bis sich eine solche Sammlung lohnt, braucht es massenhaft Plastikdeckel. Für ein Kilo erhält man bei einem Recyclingunternehmen gerade mal 30 Rappen. Aarts wollen aber mindestens 5000 Franken zusammenbekommen, um die ersten zwölf Wochen einer Welpen-Blindenführhund-Ausbildung bezahlen zu können. Das Geld geht an die Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde in Allschwil.

Es braucht sechs Millionen Plastikdeckel

Dazu sind rund sechs Millionen Plastikdeckel – 16 Tonnen – nötig. Rund acht Kilogramm haben die Aarts innerhalb von ein paar Wochen gesammelt. Dabei wurden sie tatkräftig von Freunden und Bekannten unterstützt. Um ihr Ziel zu erreichen, brauchen sie aber noch viel mehr Hilfe.

«Würde jeder Einwohner in der Schweiz einen Plastikdeckel pro Woche beisteuern, hätte man schon in einem Jahr 52 Welpenausbildungen finanziert», sagt Martinus Aarts. «Wichtig ist einfach, dass es für die Sammler nicht zu kompliziert wird.»

Recycling-Firma in Eschlikon kauft die Deckel

Eine einfache Möglichkeit, die Deckel-Sammlung in Wohnortnähe abgeben zu können, ist deshalb von Nöten. «Ideal wäre eine Ladenkette, die schweizweit Filialen hat. Dann wären keine Extrafahrten nötig», sagt Aarts. Entsprechende Anfragen bei Grossverteilern hat er bereits getätigt. «Leider hat die Migros gerade abgesagt.»

Einen Abnehmer für die Plastikdeckel hat er hingegen bereits gefunden. Die Firma Inno-Recycling in Eschlikon im Thurgau kauft die Deckel und verarbeitet sie zu Elektrokabel-Schienen.

Plastikdeckelsammeln hat Zukunft

Vater und Sohn scheinen mit der Idee offene Türen einzurennen. Schulen und Sportclubs in der Region haben bereits Container aufgestellt. Auch die Stadtpolizei St.Gallen duldet einen Sammelcontainer, der auf die Initiative eines Mitarbeiters zurückgeht, wie die Stadtpolizei auf Anfrage bestätigt.

Der Plastikdeckel-Sammelaufruf der Aarts ist nicht der erste in der Schweiz. In Sursee gibt es eine sehr aktive Sammelgemeinde für Blindenführhunde und der Rotary-Club sammelt zur Finanzierung von Polio-Impfungen in afrikanischen Ländern. Die nötige Sammelmenge ist hier jedoch wesentlich bescheidener: Für eine Impfung braucht es rund 500 Deckel. Auch in verschiedenen anderen Ländern Europas ist der Rotary-Club mit dieser Initiative aktiv.

Ruby hat noch einen langen Weg vor sich

Inzwischen ist das Welpenweibchen Ruby müde geworden und kehrt ins Haus zurück. Manuela Kreiliger, Studentin an der HSG und Welpenpflegemutter, lässt den Hund keine Sekunde aus den Augen: «Ruby ist in der Sozialisierungsphase, sie braucht intensiven Kontakt zu ihrer Bezugsperson.»

Unversehens kuschelt sich der Welpe auf die Füsse des Gastgebers Martinus Aarts, der den Hund zärtlich streichelt. «In meiner ehemaligen Tätigkeit als Physiotherapeut und jetzt als Osteopath habe ich immer wieder mit Blinden und sehbehinderten Menschen zu tun. Deshalb weiss ich, wie wichtig Blindenführhunde sein können.»

Die kleine Ruby kann sich auf dem Schlafplatz nicht lange ausruhen, denn es ist Zeit für den Heimweg. «Die Reise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach St.Gallen ist noch sehr anstrengend für Ruby», sagt Welpenpflegemutter Manuela Kreilinger.

Bis Ruby fertig ausgebildet ist, ist es noch eine lange Reise. Da geht es dem Welpen ähnlich wie den Aarts, auch die Sammlung von über sechs Millionen Plastikdeckeln dürfte noch eine ganze Weile dauern.

Welche Plastikdeckel kann man sammeln?

Gesammelt werden harte Plastikdeckel, wie man sie bei Milch-, Rahm- oder PET-Flaschen findet. Aber auch Deckel von Pflegeprodukten und vielem mehr können abgegeben werden. Weitere Infos gibt es auf dem Flyer oder hier.


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