St.Galler Polizei geht gegen Drängler vor

Von Laurien Gschwend
An den meisten Unfällen sei der Mensch und nicht die Technik schuld, sagt die Kantonspolizei St.Gallen.
An den meisten Unfällen sei der Mensch und nicht die Technik schuld, sagt die Kantonspolizei St.Gallen. © Kapo SG
Die Zahl der Verletzten bei Unfällen im Kanton St.Gallen ist im Jahr 2018 merklich angestiegen. Vor allem das Verhalten der Autofahrer in Baustellenbereichen bereitet der Verkehrspolizei Sorgen – sie will häufiger kontrollieren.

Abgelenkte und angetrunkene Autolenker, Velofahrer ohne Helm: Die Kantonspolizei St.Gallen verzeichnete im letzten Jahr 2804 Unfälle. Zwölf Personen verloren im St.Galler Strassenverkehr ihr Leben, das sind zwei mehr als im Vorjahr. 1205 Personen wurden verletzt (2017 waren es noch 1088). «Mit Verkehrstoten müssen wir leider jedes Jahr rechnen», sagt Kommandant Bruno Zanga. Grundsätzlich bewege sich diese Zahl aber auf einem tiefen Niveau. «Ich gehe nicht davon aus, dass wir sie weiter senken können.»

Entwicklung der Unfallzahlen im Kanton St.Gallen (Grafik: Kapo SG)

«Leute sind überfordert»

Bei der Verkehrsstatistik 2018 fällt auf, dass die Unfallzahlen bei Baustellen (68 Unfälle im Jahr 2017, 101 Unfälle im Jahr 2018) stark angestiegen sind. «Die Leute sind jeweils überfordert mit der Verkehrssituation», sagt Philipp Sennhauser, Leiter der St.Galler Verkehrspolizei. «Sie fahren zu schnell oder sind abgelenkt.» Komme es beispielsweise zu einem Auffahrunfall, sei es meist der Mensch, der versagt habe, und nicht das Auto oder ein äusserer Einfluss wie der Zustand der Strasse.

Auch im Jahr 2019 werden Autofahrer im Kanton St.Gallen so mancher Baustelle begegnen, sei es auf der St.Galler Stadtautobahn oder auf der Autobahn A13. «Statistisch gehen wir in solchen Bauphasen von einem Anstieg der Unfälle aus. Baustellen sind anforderungsreich, die Fahrspuren sind verengt und der Verkehr fliesst dichter als sonst», sagt Sennhauser.

Kameras sollen Drängler zeigen

Deshalb liege ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit in den kommenden Monaten darauf, den Verkehr in Baustellenbereichen sicherer zu gestalten. So werde das Tempolimit auf 80 Kilometer pro Stunde reduziert (FM1Today berichtete). «Wir werden strikt Geschwindigkeitskontrollen durchführen», kündigt Sennhauser an.

Weiter sei die Verkehrspolizei dabei, eine technische Lösung zu erarbeiten, um Drängler, die auf der Autobahn nicht den nötigen Abstand einhalten, anzeigen zu können. «Das ist sehr schwierig und aufwändig.» Sennhauser erwähnt den Einsatz von Kameras, hier sei die Verkehrspolizei auf externe Partner angewiesen. «Schon heute kann ich aber sagen, dass in den kommenden Monaten mehr Patrouillen unterwegs sind, die auf zu nahes Auffahren achten.»

Philipp Sennhauser, Leiter der St.Galler Verkehrspolizei (Bild: FM1Today/Laurien Gschwend)

Sorgen macht sich der Leiter der Verkehrspolizei aber nicht nur um die erwähnten Baustellenbereiche – schliesslich gibt es innerorts deutlich mehr Unfälle als auf der Autobahn. «Mich stimmt nachdenklich, dass es immer noch so viele Velofahrer gibt, die ohne Helm unterwegs sind und verunfallen», sagt Sennhauser. Während es auf der Piste selbstverständlich scheine, sich zu schützen, seien Velofahrer oftmals anderer Meinung. «Da könnte man sich ein Helmobligatorium überlegen.»

Unfälle nach Unfallfolgen und Höchstgeschwindigkeit (Grafik: Kapo SG)

Gutes Zeugnis für Frauen

Einen Teil der Verkehrsunfälle führt die Polizei auf den schönen Sommer zurück. Offenbar wurde in den warmen Monaten denn auch jede Menge getrunken: Die Anzahl Unfälle mit der Hauptursache Alkohol nahm 2018 entsprechend stark zu (207 Unfälle im Jahr 2017, 253 Unfälle im Jahr 2018). Bei den Verursachern handelte es sich meist um Männer zwischen 25 und 44 Jahren.

Die Verkehrsteilnehmerinnen halten sich gemäss Statistik nicht nur bei Blaufahrten, sondern auch beim Fahren unter Drogeneinfluss zurück: Die Verkehrspolizei verzeichnete 2018 keinen einzigen Unfall mit einer Frau auf Drogen. Philipp Sennhauser hat dafür eine Erklärung: «Männer sind meist etwas wagemutiger und risikofreudiger als Frauen. So mögen sie es auch, schnell zu fahren. Frauen sind diesbezüglich etwas vernünftiger – wir können ihnen ein gutes Zeugnis ausstellen.»


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