Private zahlen das Weggeld

Gesellen auf der Walz.
Gesellen auf der Walz. © Symbolbild: Nana di Carmo / Thurgauer Zeitung
Die Stadt Romanshorn muss sparen. Deshalb zahlt sie seit letztem Jahr den vorbeiziehenden Wandergesellen kein Weggeld mehr. Jetzt kommen Private mit einem Fonds selber dafür auf. Die Lösung sorgt für Kritik.

Es ist Tradition, dass vorbeiziehende Wandergesellen, vornehmlich Zimmermänner auf der «Walz», in Gemeinden ein Weggeld und einen Stempel bekommen. In der Hafenstadt Romanshorn ist das allerdings nicht mehr so. Seit letztem Jahr kommt die Gemeinde nicht mehr für die Wandergesellen auf. Nun wurde für die Wanderburschen ein privater Fonds eingerichtet. Zwei Privatpersonen riefen ein Konto mit insgesamt 6’000 Franken ins Leben.

Die Lösung gefällt nicht allen. Pensionär Richard Bilgeri kann mit der aktuellen Regelung nicht viel anfangen: «Ich finde es schön, dass die Wandersleute weiterhin etwas bekommen. Es ist allerdings beschämend, dass Private dafür aufkommen müssen.»

«Stadtrat hat so entschieden»

Der Romanshorner Stadtpräsident David Bon findet die Lösung allerdings richtig: «Ich verstehe, dass Menschen sich fragen, warum ausgerechnet hier die Wandergesellen kein Geld mehr bekommen.» In Romanshorn würden für die Wandergesellen pro Jahr zwischen 800 und 1200 Franken ausgegeben. «Der Stadtrat hat so entschieden. Wir steuern unseren Beitrag in der Administration bei und Private kommen für das Weggeld auf», sagt der Stadtpräsident. Er könne sich aber vorstellen, dass die Stadt in Zukunft auch in den privaten Fonds einzahlen könnte.

Bodensee-Gemeinden stärker frequentiert

Städte und Gemeinden sind keineswegs verpflichtet, ein Weggeld zu entrichten. Aus Traditionsgründen halten aber viele daran fest. So empfing die Gemeinde Sirnach in den letzten Jahren vier Gesellen und bezahlte jedem einzelnen einen Betrag von 20 Franken aus. Macht insgesamt 80 Franken. Bodenseegemeinden scheinen hingegen öfter von Wandergesellen frequentiert zu werden. In Arbon gab es 14 Gesellen, die insgesamt 240 Franken mit auf die Walz bekamen. In Romanshorn waren es deren 40-60. Kostenpunkt: Bis zu 1200 Franken.

Für Pensionär Bilgeri kein Grund, mit der Tradition zu brechen: «Früher war es Gang und Gäbe, dass die Wandersleute vom Gemeindeammann persönlich empfangen wurde. Er drückte ihnen dann selbst das Weggeld in die Hand. Für Bilgeri wäre die Lösung, das man das Geld für Wanderleute wieder offiziell ins Budget aufnimmt.

Der Beitrag von TVO

(saz/doz)


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