«Produkte sind nicht harmlos»

Von Lara Abderhalden
Bei den «ApoBoxen» fehlt laut Drogistenverband die persönliche Beratung. (Symbolbild)
Bei den «ApoBoxen» fehlt laut Drogistenverband die persönliche Beratung. (Symbolbild) © Keystone/Gaëtan Bally
In Herisau gibt es den ersten Apotheken-Automaten der Ostschweiz. Über einen Selecta-Automaten ist es bald möglich, Nahrungsergänzungsmittel, Kondome oder Vitamintabletten zu kaufen. Der Schweizerische Drogistenverband ist kein Befürworter der Boxen. Eine falsche Einnahme könne auch bei Gesundheitsprodukten zu Nebenwirkungen führen.

Die Thurgauer Apotheke «Zur Rose» lanciert gemeinsam mit Selecta in einem Pilotversuch in der ganzen Schweiz sogenannte «ApoBoxen». Diese Selecta-Automaten sind mit Gesundheitsprodukten gefüllt, die es üblicherweise in Drogerien, Apotheken oder teilweise auch im Grosshandel gibt. Im Laufe der Woche wird die Apotheken-Box in Herisau gefüllt. Kritisch steht den Automaten der Schweizerische Drogistenverband gegenüber. FM1Today hat mit der Leiterin Politik und Branche, Elisabeth von Grünigen-Huber, gesprochen.

Frau von Grünigen-Huber, in den «ApoBoxen» werden bald Produkte verkauft, für die es in den Drogerien eine Beratung gibt. Wie finden Sie das?
Drogerien verkaufen einerseits seit diesem Jahr schweizweit sämtliche Arzneimittel, für die es kein Rezept braucht. Diese Produkte dürfen nicht in diesen «ApoBoxen» sein. Andererseits auch Gesundheitsprodukte, die in den Automaten enthalten sind. Bei einigen Produkten wie Nahrungsergänzungsmitteln braucht es unserer Ansicht nach eine Beratung, weil sie nicht immer harmlos sind. Wenn beispielsweise Nahrungsergänzungsmittel unsachgemäss eingenommen werden, kann dies eine unerwünschte Wirkung hervorrufen. Fachpersonen in Drogerien oder Apotheken können die Kunden umfassend beraten und ihnen auch das richtige Produkt abgeben. Bei den «ApoBoxen» nimmt man einfach, was herauskommt.

In Herisau steht der erste Apotheken-Automat der Ostschweiz.

In Herisau steht der erste Apotheken-Automat der Ostschweiz. (Bild: FM1Today/Gerry Reinhardt)

Ist die fehlende Beratung vor allem bei Nahrungsergänzungsmitteln ein Problem?
Bei Schwangerschaftstests beispielsweise sehen wir weniger ein Problem. Diese gibt es schon länger in Selecta-Automaten zu kaufen. Bei den Vitaminprodukten, wie Vitamintabletten, braucht es unserer Meinung nach auch eine Beratung, da es sehr viele verschiedene Produkte gibt. Es spielt eine Rolle, ob man nun Vitamin C oder Vitamin B zu sich nimmt. Diese wirken auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Ausserdem erhält man in Drogerien oder Apotheken unter anderem eine Einnahme-Empfehlung, sodass die Produkte auch das Richtige bewirken.

Also kann man sagen, Sie sind eher kritisch gegenüber diesen «ApoBoxen» eingestellt?
Ja, wir sind keine Befürworter.

Elisabeth von Grünigen-Huber vom Drogistenverband ist nicht sehr erfreut über die «ApoBox» (Bild: zVg).

Elisabeth von Grünigen-Huber vom Drogistenverband ist nicht sehr erfreut über die «ApoBox». (Bild: zVg)

Es war vermehrt zu hören, dass die Produkte in den «ApoBoxen» günstiger sind als in Apotheken oder Drogerien.
Das ist sehr schwierig abzuschätzen, da jede Drogerie oder Apotheke die Preise selbst macht. Schlussendlich ist die Preisgestaltung eine Frage von Angebot und Nachfrage. Je nachdem kann es Preisschwankungen geben.

Sie sehen die «ApoBox» nicht unbedingt als Konkurrenz, sondern kritisieren vor allem die fehlende Beratung, ist das richtig?
Ja genau. Wir sind sehr stark der Meinung, dass es bei Gesundheitsprodukten eine Beratung braucht. Nicht nur weil sie nicht immer harmlos sind, sondern auch weil die richtige Einnahme zu einer bestimmten Zeit wichtig ist. Das macht die Beratung in der Drogerie aus.

Glauben Sie, dass viele Menschen diese Beratung schätzen?
Grundsätzlich denke ich, dass Menschen, sobald es um ihre Gesundheit geht, das richtig machen wollen. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Leute weiterhin die Beratung suchen und sich nicht einfach an den Boxen bedienen. Es kommt aber immer darauf an, was in den Boxen angeboten wird. In den Drogerien wird man grundsätzlich immer das viel breitere Sortiment vorfinden und dank der hohen Fachkompetenz der Drogistinnen und Drogisten eine umfassende Beratung erhalten.

Sollte die Pilotphase zeigen, dass solche Produkte gefragt sind und die Automaten in der ganzen Schweiz eingeführt werden, wird der Drogistenverband etwas dagegen unternehmen?
Aktuell ist es kein Thema. Wir wollen erst einmal den Ausgang des Pilotversuchs abwarten und sehen dann weiter.


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