«Pure Lebensfreude» trotz 8500 leerer Plätze

Von Laurien Gschwend
Das Gabalier-Konzert zog viele «fesche Madln» an.
Das Gabalier-Konzert zog viele «fesche Madln» an. © FM1Today/Laurien Gschwend
Mit einem neuen Album und einer Kopfverletzung trat Andreas Gabalier am Samstagabend in St.Gallen auf. Die Pause nach dem letzten Konzert war offenbar zu kurz – rund 8500 Tickets konnten die Veranstalter nicht verkaufen. Sie ziehen trotzdem eine positive Bilanz.

Rot-Weiss steht dem Kybunpark, wenn der FC St.Gallen gerade Sommerferien macht. Erst letzte Woche kamen 14’000 in ihren Nationalfarben gekleidete Peruaner aus ganz Europa in die Gallusstadt, um ihr Fussball-Nationalteam im WM-Test gegen Saudi-Arabien anzufeuern.

Ein «grössenwahnsinniger Gedanke»

Am Samstag feierten Frauen in Dirndln und Männer in Lederhosen im Stadion den selbst ernannten Volks-Rock’n’Roller Andreas Gabalier. Dessen Markenzeichen sind rot-weiss karierte Tücher und Brillen. Nach nur einem Jahr beschloss der Österreicher, in St.Gallen ein Zusatzkonzert zu geben. Dieses Mal blieb so mancher Platz, sowohl im Steh- als auch im Sitzbereich, leer. Erneut in die Ostschweiz zu kommen, sei ein «grössenwahnsinniger Gedanke» gewesen, gab der Musiker zu.

Dass Gabalier es dieses Mal nicht schaffte, den Kybunpark zu füllen, störte seine Fans nicht. Sie hatten genügend Platz, sich zu bewegen und grölten bei «I sing a Liad für di» und «Hulapalu» laut mit. «Pure Lebensfreude», wie Gabalier meinte. Bei unbekannteren Songs – der Volks-Rock’n’Roller hat erst am Freitag sein sechstes Album herausgebracht und damit bereits die Spitze der deutschen Charts erobert – war die Stimmung verhaltener.

Rund vier Stunden mussten die Konzertbesucher von der Türöffnung bis zum Moment warten, als Gabalier in einer riesigen Rauchwolke zum Vorschein kam und sein erstes Lied anstimmte. Eingefleischte Anhänger warteten vor der Bühne, der Rest betrat das Stadion erst während der Vorbands. Es musste schliesslich niemand Angst haben, keinen Platz zu ergattern.

Harziger Vorverkauf

Laut Catherine Bloch, Mediensprecherin des Veranstalters Stargarage, waren am Samstagabend 18’500 Zuschauer im Stadion. Dies bei einer Kapazität von 27’000 Personen. «Die Verkäufe sind lange nicht so gelaufen wie gewünscht. Am Schluss können wir trotzdem auf eine erfolgreiche Veranstaltung zurückschauen.» Bis auf ein paar Betrunkene und Besucher, denen in der Menschenmenge schlecht wurde, sei der Konzertabend ohne Zwischenfälle verlaufen. An den WCs und Essensständen hätten sich kaum Schlangen gebildet.

Ein Fehler sei es nicht gewesen, Gabalier nach einem Jahr bereits wieder in St.Gallen spielen zu lassen. «Er ist der erfolgreichste Künstler im deutschsprachigen Markt. Hätten wir es nicht gewagt, wäre das sehr schade gewesen», erklärte Bloch. Die Organisatoren würden sich nun auf Gabaliers Hallenshows dieses Herbstes in Zürich, Basel und Bern konzentrieren.

«Musik fürs Herz»

Wie einige Besucher gegenüber FM1Today sagten, kamen sie nur ans Konzert, weil sie Tickets gewonnen oder geschenkt bekommen hätten. Natürlich waren aber auch echte Fans da. Claudia und Andrea reisten vom Allgäu bis nach St.Gallen, denn «Gabaliers Musik trifft direkt ins Herz». Der Kybunpark sei eine «super Location».

Melanie aus Mels und Ladina aus Sargans waren vor dem Konzert ganz aufgeregt. «Schlager macht glücklich. Zudem versteht man den Liedtext und Gabalier ist mega sympathisch», freute sich Melanie. Heidi aus Wildhaus brachte eine Arbeitskollegin mit zu Gabalier. «Ich höre ihn gerne, kenne aber nur die üblichen Lieder.»

Regen erst auf dem Heimweg

Zweimal verliessen dutzende Gäste auf einen Schlag das Spielfeld. Wegen kurzer Regenschauer flüchteten die aufgetakelten «Madln» und auch die Lederhosen-Träger zum überdachten Teil des Stadions. Zur Erleichterung vieler blieb es bei den wenigen Tropfen. Erst, als die meisten schon auf dem Heimweg oder an der After-Party vor dem Kybunpark waren, wurden sie vom Regen durchnässt.

Auftreten um jeden Preis

Gabalier war froh, nicht in der brütenden Hitze auftreten zu müssen. Nach einer Kopfverletzung liess sich der 33-Jährige im Spital untersuchen. Obwohl ihm Ärzte rieten, sich zu schonen (und ihm unter anderem auch ein Sex-Verbot erteilten), wollte Gabalier sein Konzert auf keinen Fall absagen. «So lange mich nicht der Teufel holt, gebe ich keine Ruhe», versprach er. Und drehte nach ein paar Balladen wieder voll auf.

Scherz mit Scherrer

Der Thurgauer SRF-Moderator Reto Scherrer erlaubte sich kurz nach 22 Uhr einen Scherz: Er crashte das Konzert und kam mit zehn Frauen in Dirndln auf die Bühne. Gabalier sollte sich, weil er in einem Monat beim Donnschtig-Jass zu Gast ist, alle Frauennamen merken und diese aufzählen. Der Musiker sagte, er verstehe das Spiel nicht, bestand aber trotzdem und gab zu, die Einlage sei nur bedingt eine Überraschung gewesen. Schon am Nachmittag habe er den SRF-Bus erspäht und an eine solche Aktion gedacht. Den Donnschtig-Jass-Song hat Gabalier übrigens bereits einstudiert – in fast perfektem Schweizerdeutsch.

«Emotional und bombastisch»

Scherrers Unterbruch sei zur richtigen Zeit gekommen, sagte Petra aus Wil nach dem Konzert. «In der ersten Halbzeit kam Gabalier nicht in die Gänge. Ich glaube, er hat ein Päusli zum Sammeln gebraucht.» Nach zwei Gabalier-Auftritten werde sie nun erstmal pausieren.

Nicht genug bekommt hingegen Ramona aus Leukerbad im Wallis. «Das Konzert war emotional und bombastisch wie immer.» Sie werde «selbstverständlich» weitere Konzerte besuchen. Auch Stefan aus Zürich, der Gabalier zuvor nur vom Oktoberfest kannte, ging berührt nach Hause. «Das Schlusslied, ‹Amoi seg’ ma uns wieder›, war extrem emotional.»

Bilder der Konzertbesucher in Tracht findest du in der XXL-Galerie.


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