Raiffeisen nominiert BKB-Chef Guy Lachappelle als neuen Präsidenten

Der Chef der Basler Kantonalbank, Guy Lachapelle, soll neuer Raiffeisen-Präsident werden. Auf ihn warten einige Baustellen. (Archiv)
Der Chef der Basler Kantonalbank, Guy Lachapelle, soll neuer Raiffeisen-Präsident werden. Auf ihn warten einige Baustellen. (Archiv) © KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
Die Raiffeisen Schweiz hat nach monatelangen Turbulenzen die Nachfolge für das Verwaltungsratspräsidium geregelt. Neuer Präsident der drittgrössten Schweizer Bankengruppe soll Guy Lachappelle werden, der derzeit die Basler Kantonalbank führt.

Lachappelle übernimmt das Amt von Pascal Gantenbein, der den Verwaltungsrat seit März als Vizepräsident ad interim führt. Lachappelle werde das CEO-Amt bei der BKB per 22. Oktober niederlegen, um sich den anstehenden Aufgaben bei Raiffeisen annehmen zu können, teilte die Genossenschaftsbank am Freitag mit. Die BKB hat derweil laut separater Mitteilung der Kantonalbank Finanzchefin Simone Westerfeld interimistisch an die Konzernspitze berufen.

Raiffeisen gab ausserdem weitere Nominationen in den Verwaltungsrat bekannt: Neu sollen Karin Valenzano Rossi, Andrej Golob, Thomas Müller und Beat Schwab in das Gremium einziehen. Die Nominierten verfügen laut Raiffeisen über Kompetenzen in Bereichen wie Compliance, Informatik oder Risikomanagement. Die Wahl von Lachappelle und der weiteren nominierten Verwaltungsräte soll am 10. November an einer ausserordentlichen Raiffeisen-Delegiertenversammlung in Brugg stattfinden.

Guy Lachappelle ist seit 2013 Konzernleitungsvorsitzender der Basler Kantonalbank (BKB). Er hatte die Leitung der Bank nach dem Rücktritt des damaligen CEO Hans Rudolf Matter wegen der Affäre um die betrügerische Vermögensverwalterin ASE übernommen. Seither hat er das Staatsinstitut wieder in ruhigere Fahrwasser geführt, er hat aber die Bank auch grundlegend umgebaut. Lachappelle sei ein «idealer Kandidat», sagte Gantenbein im Gespräch mit AWP: Er bringe nicht nur Banken-Knowhow, sondern auch Erfahrung darin mit, wie man eine Finanzgruppe neu positioniere.

Gantenbein zeigte sich überzeugt, dass die Raiffeisen-Delegiertenversammlung den Nominationen folgen wird. Dies nicht zuletzt, weil bei der Auswahl der Kandidaten auch Delegierte der Regionalverbände hatten mitreden können. Auch die Forderungen der Finma nach mehr Expertise im Gremium dürften damit erfüllt werden: Die nominierten Verwaltungsräte seien mit der Finma abgestimmt worden, sagte der Interims-Präsident.

Die Raiffeisen-Gruppe steht seit Monaten wegen der Affäre um den früheren Chef Pierin Vincenz in den Schlagzeilen. Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Vincenz wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Der Banker, der 17 Jahre an der Spitze von Raiffeisen stand, soll bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich abkassiert haben. Insgesamt sass er deswegen während rund 15 Wochen in Untersuchungshaft.

In Folge der Affäre hatte die Finanzmarktaufsicht Finma dem Raiffeisen-Verwaltungsrat in einem Untersuchungsbericht grobe Versäumnisse vorgeworfen. Der Verwaltungsrat habe die Aufsicht über Vincenz vernachlässigt, stellten die Bankenaufseher fest.

Die Finma verfügte zudem weitere Massnahmen «zur Wiederherstellung des ordnungsgemässen Zustands». So muss sich der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz erneuern und fachlich verstärken, mindestens zwei Mitglieder müssen dabei «angemessene Erfahrung im Bankwesen» haben.

Zu den wichtigsten Aufgaben des neu formierten Verwaltungsrats wird zudem die Neubesetzung des Chefpostens von Raiffeisen Schweiz gehören. Der heutige Konzernchef Patrik Gisel hatte im Juli angekündigt, sein Amt per Ende 2018 abzugeben. Mit dem Prozess der Neubesetzung habe man aber bereits begonnen, sagte Gantenbein. «Es ist klar, dass diesbezüglich keine Entscheide vor der Delegiertenversammlung getroffen werden», so der Interims-Präsident.

Der Zeitplan für die Neubesetzung des Chefpostens sei aber tatsächlich «sportlich», räumte Gantenbein ein. Er schliesse daher nicht aus, «dass es in einer Form zu einer Interims-Lösung kommen wird».

(SDA)


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