Schulstreit: Jetzt wehren sich die Lehrer

Im Kündigungsstreit in Wigoltingen melden sich nun die Lehrpersonen zu Wort.
Im Kündigungsstreit in Wigoltingen melden sich nun die Lehrpersonen zu Wort. © Tagblatt/Reto Schneider
Nach der Kündigungswelle an der Oberstufe in Wigoltingen melden sich nun erstmals die Lehrer zu Wort. Sie wehren sich gegen «Falschinformationen» welche die Schulpräsidentin verbreitet haben soll. Die Schulleitung gerät damit weiter unter Druck.

Alle kamen schon zu Wort ausser diejenigen, durch die der ganze Tumult ausgelöst wurde: In Wigoltingen haben Ende April sieben von zwölf Oberstufenlehrer zur selben Zeit die Kündigung eingereicht. Wegen Differenzen mit der Schulleitung, wie es hiess. Es folgten ein offener Brief der Schüler, in dem sie die Schulleitung zum Rücktritt aufforderten. Aufgebrachte Eltern taten es ihnen anschliessend gleich. Die Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen verteidigte ihren Schulleiter Mirko Spada und warf den Lehrern vor, sich nicht anpassen zu wollen. Nur die Lehrpersonen schwiegen – bis jetzt.

In einem offenen Brief an Nathalie Wasserfallen wehren sich nun zehn Lehrpersonen gegen «Falschinformationen» seitens Wasserfallen. Insgesamt zitieren die Lehrpersonen elf Aussagen aus den Medienmitteilungen von Wasserfallen. Sie wollen damit das Bild korrigieren, welches durch die Mitteilungen von Wasserfalen entstanden ist. Im Brief fordern die zehn Lehrer Wasserfallen auf, die «Falschaussagen» gegenüber der Öffentlichkeit und den Eltern richtigzustellen.

Das Tempo der Schulleiter war zu schnell

Diese sagte zuvor, dass die Lehrpersonen gekündigt hätten, weil sie mit dem neuen System nicht einverstanden waren und keine G-Schüler unterrichten wollten. Dazu schreiben die Lehrer, dass sie bereits G-Klassen und gemischte Lerngruppen unterrichten. «Wir fordern aber sinnvolle und wohlüberlegte Schritte. Die Schulleitung hat anschliessend ein Tempo vorgelegt, das aus unserer Sicht diesen Grundsätzen widerspricht.»

Weiter schreiben sie dazu, dass sie sehr wohl versucht hätten, aktiv an Veränderungen mitzuarbeiten. Es sei aber nichts verändert worden. Dies war einer der Kündigungsgründe für die sieben Lehrpersonen.

Als Hauptgrund nennen sie aber den Führungs- und Kommunikationsstil der Schulpräsidentin. Darauf basiere auch der verlangte Rücktritt an die beiden Schulleiter. Im letzten halben Jahr hätten die mangelnden fachlichen und menschlichen Kompetenzen zu einem massiven Vertrauensverlust geführt. Da dies ein Grundpfeiler des Lehrerberufs sei, gebe es keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit.

Rücktrittsforderung sei nicht überraschend gekommen

Es stimme auch nicht, dass die Rücktrittsforderung der Lehrer überraschend gekommen sei. «Im Februar und März fanden Einzelgespräche mit einer Fachperson statt, bei denen ebenfalls die vielen Probleme deponiert worden sind. Der versprochene Bericht wurde bis heute nicht zugestellt», schreiben die Lehrpersonen. Man haben das Gespräch gesucht, sei aber nicht gehört worden.

Nathalie Wasserfallen hatte dementiert, den Lehrpersonen einen Maulkorb erteilt zu haben. Auch dafür haben diese kein Verständnis. «In diversen Mails haben Sie einzelnen Lehrpersonen mit Abmahnungen und Freistellung gedroht, falls Ihre Anweisungen nicht befolgt werden. Für uns ist das ganz klar ein Maulkorb.»

Wasserfallen möchte keine Stellung dazu nehmen

Nachdem Eltern schon eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht haben, nimmt der Druck auf die Schulleitung in Wigoltingen mit dem offenen Brief der Lehrer weiter zu.

Trotzdem möchte Nathalie Wasserfallen auf Anfrage von FM1Today keine Stellung zu dem offenen Brief nehmen. Sie sei der festen Überzeugung, dass die Situation der Sekundarschule Wigoltingen in den nächsten Tagen nicht weiter in den medialen Fokus geraten darf.

«An meiner gemachten Aussage halte ich weiterhin fest und danke Ihnen für Ihr Verständnis, dass ich zurzeit keine Stellungnahmen zu neu bekannt werdenden Themen rund um die Situation der Sekundarschule Wigoltingen abgebe», schreibt Wasserfallen.

(nm)


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