Umstrittener Stromspartipp

2 Grad mehr im Kühlschrank – Experten streiten, Coop interveniert beim Bund

Oliver Schneider, 14. Oktober 2022, 12:38 Uhr
Der Bundesrat hat der Bevölkerung empfohlen, die Temperatur im Kühlschrank von fünf auf sieben Grad zu erhöhen. So soll Strom im Haushalt gespart werden. Nun ist eine Debatte darüber entbrannt, ob bei diesen Temperaturen Lebensmittel schneller verderben – und dann entsorgt werden müssen.
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Expertinnen und Experten spalten sich beim Thema in zwei Gruppen, wie das SRF-Konsummagazin «Espresso» schreibt. Die eine Seite sieht trotz des auf vielen Esswaren abgedruckten Hinweises «Bei höchstens 5°C aufbewahren» kein Grund für Bedenken. Corinne Gantenbein, Lebensmittelbiologin an der ZHAW, sei etwa der Meinung, die zwei Grad mehr im Kühlschrank merke der Konsument nicht. Lebensmittelhersteller hätten bei ihren Haltbarkeitsangaben bereits einkalkuliert, dass viele Kühlschränke höher als 5 Grad eingestellt seien.

Bei leicht verderblichen Esswaren spiele die richtige Temperatur durchaus eine entscheidende Rolle für die Haltbarkeit, sagt dagegen die andere Seite. Je niedriger die Kühlschranktemperatur, desto weniger Mikroorganismen könnten sich entwickeln. «Wenn ich den Kühlschrank wärmer einstelle, muss ich mir dessen bewusst sein und das Management der Lebensmittel gut im Griff haben», wird Nadine Gerber, stellvertretende Kantonschemikerin des Kantonalen Labors Zürich, zitiert. Das heisse: Mehrmals in der Woche einkaufen, damit die Esswaren nicht so lange im Kühlschrank sind, und gekochte Resten schneller essen.

Auch der Grossverteiler Coop sei über die Empfehlung aus Bern nicht glücklich. Das Unternehmen habe sich deswegen diese Woche mit dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen getroffen. Man habe Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Lebensmittelsicherheit der vom Bund ausgesprochenen Empfehlung platziert und um eine Präzisierung gebeten. Die Hinweise auf den Esswaren wolle Coop nicht ändern.

Beim Bund sei man sich bewusst, dass die höhere Temperatur im Kühlschrank einen Einfluss auf die Haltbarkeit der Lebensmittel habe. Folgende Empfehlungen sollten deshalb beachtet werden:

  • Der Bund empfiehlt eine Temperatur in Kühl- und Gefrierschrank von sieben respektive -18 Grad.
  • Der Lebensmitteleinkauf soll gut geplant werden, damit sensible Produkte entsprechend schneller konsumiert werden.
  • Kühlschränke verfügen über unterschiedliche Temperaturzonen: Im obersten Regal ist die wärmste Zone, im unteren Bereich, auf der Glasplatte über dem Gemüsefach, ist die Temperatur am niedrigsten. Durch die richtige Nutzung der Temperaturzonen bleiben die Produkte während der deklarierten Haltbarkeit sicher.
  • Kühlempfehlungen einzelner Lebensmittel berücksichtigen (eine höhere Aufbewahrungstemperatur kann die Haltbarkeit verkürzen, dies gilt insbesondere für Produkte wie Hackfleisch, Frischfisch, geräucherte Fische, Muscheln, Rohmilchweichkäse etc.).
  • Heisse und warme Lebensmittel immer zuerst abkühlen lassen, bevor sie in den Kühlschrank gestellt werden.
  • Gefrorene Produkte zum Auftauen in den Kühlschrank legen.
  • Die Kühlschranktüre nur kurz öffnen und sofort wieder schliessen.
  • Alle Kühlgeräte regelmässig abtauen.

(osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 14. Oktober 2022 11:41
aktualisiert: 14. Oktober 2022 12:38