5000 Fake-Onlineshops gelöscht

Leila Akbarzada, 28. August 2017, 12:47 Uhr
Internet-Einkäufer aufgepasst! Schon 5000 Fake-Onlineshops wurden im 2017 in der Schweiz gelöscht - letztes Jahr waren es erst 700. Wer online günstige Marken-Turnschuhe kaufen will, sollte besonders vorsichtig sein. Trotz steigender Betrüge: «.ch» ist die sicherste Domain-Endung Europas.

«Bei uns intern nennen wir die betrügerischen Webseiten nur noch Turnschuh-Shops», sagt Roland Eugster, Medienbeauftragter von der Stiftung Switch, der Registrierungsstelle für «.ch» und «.li»-Domain-Namen. «Es sind häufig Marken-Turnschuhe, die für einen Spottpreis angeboten werden. Aber auch Markenkleider oder Accessoires sind darunter.» Käufer fallen auf die Angebote rein, geben ihre Kreditkarteninformationen preis, zahlen den Betrag, erhalten aber nie das Produkt, und wenn, dann ein minderwertiges.

Wellenartiges Phänomen

Switch hat im Jahr 2016 700 Domain-Namen mit der Endung «.ch» gelöscht. Im 2017 waren es bis Ende August bereits über 5000 Webseiten. «Wir können es nicht genau festmachen, warum es im Moment so viele Betrugsfälle gibt. Es läuft wellenartig, wie auch mit Viren. Diese kommen und verbreiten sich, und es dauert einen Moment, bis man das Problem erkannt und behoben hat», sagt Eugster.

Weil es sehr einfach ist, sich eine Domain zu sichern, gibt es viel Arbeit für Switch. «Es gibt keine Sicherheitsprüfungen. Jeder kann sich eine Domain sichern und daraus einen Fake-Webshop machen.»

«Secondhand-Domain»

Es ist ein einfaches Geschäft für die Betrüger. «Oftmals suchen Leute nach einem Produkt online, indem sie es googeln. Sie klicken Bilder beispielsweise eines Schuhs an, der 49 statt 149 Franken kostet. Sie werden geblendet vom Angebot und achten nicht auf Details der Webseite», erklärt Eugster. Denn ein genauer Blick auf die URL würde meistens schon Aufschluss geben. «Es sind oftmals sehr zusammenhangslose Webnamen. Wenn zum Beispiel eine Webseite namens www.diezaunprofis.ch Schuhe anbietet, muss man skeptisch sein.»

Eine zusammenhangslose Webseite sei ein klares Indiz. Der Grund: Viele Betrüger sichern sich laut Eugster Adressen, die schon einmal existierten, auf denen schon einmal Traffic stattfand. «Mit solchen Adressen sind die Anbieter höher gestellt bei Google, weil Google sie kennt», erklärt Eugster. «Wir nennen diese Secondhand Domain.»

Sichere Verbindung

Ein weiteres Signal für gefälschte Internetseiten ist die Sicherheit der Verbindung. «Wird die Internetseite nicht als sichere Verbindung deklariert, kann man davon ausgehen, dass es sich um eine betrügerische Seite handelt», so Eugster. Weitere Tipps findest du in unserer Bildergalerie.

Die Behörden, insbesondere die Bundespolizei (fedpol), entdecken die betrügerischen Webseiten und geben Switch den Auftrag, diese zu löschen. «Wir kontaktieren die Betreiber der gemeldeten Webseiten, erhalten aber so gut wie nie Antwort. Meistens sind die Betreiber aus dem Ausland und haben keine gültige Schweizer Adresse. Diese braucht es laut Gesetz aber», sagt Eugster. Meldet sich niemand während 30 Tagen, darf Switch eine Domain löschen.

«.ch» sicherste Domain-Endung Europas

Die hartnäckige Verfolgung von «Cyber-Crime» macht sich bezahlt: «.ch» war auf einem Ranking von 2015 die sicherste Domain-Endung Europas. «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass wir auch 2017 wieder auf Platz eins sind», sagt Eugster.

Leila Akbarzada
Quelle: lak
veröffentlicht: 28. August 2017 12:47
aktualisiert: 28. August 2017 12:47