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Caritas

600 Freiwillige für Bergbauernfamilien gesucht

Stefanie Rohner, 19. Juni 2021, 14:21 Uhr
Die Caritas Schweiz suchte 1400 Freiwillige, die Bergbauernfamilien in Not auf dem Hof unterstützen. Einige haben sich schon gemeldet, aktuell werden aber noch immer 600 Freiwillige gesucht.

«Aufgrund der Coronakrise ist unklar, wie viele Freiwillige aus dem europäischen Ausland einreisen können, wir und die Bergbauern hoffen auf Solidarität aus der Schweiz», sagt Bernhard Ackermann, Marketingverantwortlicher der Caritas. Das Angebot gibt es seit über 40 Jahren, die Suche wird aber auch dieses Jahr erneut schwierig, da die Pandemie andauert. Es sei derzeit noch unsicher, aus welchen Ländern Freiwillige einreisen können, obwohl es viele Länder gibt, die nicht mehr auf der Risikoliste stehen.

«Dieses Jahr haben wir deutlich mehr Anfragen von Bergbauerfamilien als im vergangenen Jahr – da waren es 107, in diesem Jahr 120. Dementsprechend werden mehr Freiwillige gesucht, gesamthaft 1400, derzeit noch 600», sagt Ackermann. Aktuell werden vorwiegend in der Deutschschweiz Freiwillige benötigt – gesamthaft sind noch 94 Betriebe auf der Suche nach Freiwilligen, so auch Betriebe aus den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, St.Gallen und Graubünden.

«Es geht um die Erhaltung der Existenz»

«Wir hoffen, es lassen sich noch viele zu einem Einsatz motivieren. Der Sommer ist eine sehr intensive Saison für Bergbäuerinnen und Bergbauern», sagt Ackermann. Es steht sehr viel Arbeit an, vor allem dann, wenn ein Familienmitglied wegen Krankheit oder Unfall ausfällt – dann ist es alleine nicht zu schaffen.

«Die Bergbauernfamilien, die bei uns angemeldet sind, haben Höfe in der Bergzone eins bis vier. Diese Zonen sind in sehr steilem Gelände, es steht viel mehr Handarbeit an, da man dort keine Maschinen einsetzen kann.» Die Familien, die bei der Hilfsorganisation angemeldet sind, können sich finanziell keinen professionellen Betriebshelfer leisten. «Für viele geht es um die Erhaltung der Existenz und darum, keine extreme Überbelastung zu erleben. Die Burnout-Rate bei Bergbauernfamilien ist sehr hoch.»

Freiwillige schwärmen von Einsätzen

Im vergangenen Jahr haben sich 1200 Freiwillige gemeldet, das waren laut Caritas 45 Prozent mehr als 2019. 53 Prozent der Freiwilligen waren Frauen. «Man braucht keine Vorkenntnisse, sollte aber physisch und psychisch stabil sein, denn die Arbeit ist streng. Es gibt aber auch Arbeiten im Haus und die Betreuung von Kindern sowie die Versorgung der Tiere. Da findet sich für alle die passende Tätigkeit», sagt Ackermann.

Gemäss der Hilfsorganisation schwärmen fast alle Freiwilligen von ihrem Einsatz und viele gehen regelmässig zur selben Familie, teils auch für bis zu zwei Monate. "In diesem Jahr macht eine Frau, Lou Curchod, gar eine Tour de Suisse zu Höfen quer durch die Schweiz. Jede Woche ist sie auf einem neuen Hof."

«Digital Detox scheint ein Bedürfnis zu sein»

Trotz schwerer Arbeit biete ein solcher Einsatz eine mentale Entspannung – viele der Freiwilligen fänden zurück zu einem einfachen Leben, ohne Verkehr, Lärm und ohne ständig online zu sein. «Teils gibt es kein Netz und man erlebt einen Digital Detox. Kein Computer, kein Handy, dafür Dreck unter den Nägeln und abends ein müder Rücken. Das scheint ein aktuelles Bedürfnis zu sein», sagt Ackermann. 

Ein solcher Einsatz dauert mindestens eine Woche. Alle zwischen 18 und 70 Jahren können sich melden, wenn sie gesund und motiviert sind, keine Corona-Symptome aufweisen und in den vergangenen zehn Tagen in keinem Risikogebiet waren. Die Anreise bezahlt man selbst, Kost und Logie sind aber gegeben. Wer sich also einen Tapetenwechsel wünscht und gleichzeitig Bergbauern unter die Arme greifen will, kann sich gerne anmelden.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. Juni 2021 05:45
aktualisiert: 19. Juni 2021 14:21