Protestaktion in Zürich

Aktivisten pflastern Fifa-Eingang mit 6500 Fussbällen zu

Simone Brändlin, 1. April 2022, 12:08 Uhr
Am Freitagabend werden in Doha die Gruppen für die Fussball-WM in Katar ausgelost. Mit einer Protestaktion vor der Fifa-Zentrale in Zürich wollen zwei Verbände der Arbeiterwohlfahrt und ein deutscher Künstler auf die menschenverachtenden Bedingungen der Arbeitenden in Katar aufmerksam machen.
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Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

Die kommende Fussball-Weltmeisterschaft in Katar spaltet die Gemüter. Die einen freuen sich auf das fussballerische Grossereignis, die anderen hingegen sehen die Veranstaltung sehr kritisch. Neben der temperaturbedingten Verschiebung in den Winter – Start der Gruppenphase ist im November – sind vor allem die menschenverachtenden und grausamen Bedingungen der Arbeitsmigrantinnen und -migranten in Katar immer wieder ein viel diskutiertes Thema.

«Weltgewissen, du bist ein Fleck der Schande»

Am Freitagabend findet in Doha die Gruppenauslosung zur Fifa-WM in Katar statt. Dies haben sich der deutsche Künstler Volker-Johannes Trieb und die Arbeiterwohlfahrt (AWO) zum Anlass genommen, vor der Fifa-Zentrale in Zürich eine Protestaktion zu starten. 6500 mit Sand gefüllte Fussbälle wurden direkt am Eingang abgeladen. Damit wollen sie symbolisch die Menschenrechtsverletzungen unter anderem beim Stadionbau in der Wüste an den Pranger stellen und «die Ignoranz und Gleichgültigkeit der Fifa aufzeigen», teilt der Medienverantwortliche der AWO Westliches Westfalen Jörg Richard gegenüber ZüriToday mit.

Auf den Bällen prangt das Zitat der niederländischen Widerstandskämpferin Truus Menger-Overstegen «Weltgewissen, du bist ein Fleck der Schande»: Es soll symbolisch für 6500 Opfer der schlimmen Arbeitsbedingungen stehen. «Wir erhoffen uns dadurch, dass die Menschen aufmerksam werden. Wir rufen nicht zum Boykott auf, sondern wollen einfach sensibilisieren.» Je mehr Menschen sich kritisch äussern, umso schwieriger könnte es für die Fifa werden, die WM an Länder zu vergeben, welche die Menschenrechte mit Füssen trete, merkt Richard an.

Laut Amnesty International sind bereits über 15'000 Menschen den unwürdigen Bedingungen zum Opfer gefallen. «Darunter meisten Migrantinnen und Migranten aus Nepal, Bangladesch und Indien», erzählt der Medienverantwortliche.

Wie reagiert die Fifa auf die Aktion?

Da die 6500 Bälle sowohl den Eingang als auch die Einfahrt blockiert haben, «hatten wir heute morgen schon Kontakt mit dem Sicherheitsdienst», so Richard. «Das haben wir natürlich sofort verlagert.» Die Polizei war auch schon vor Ort, «die war allerdings völlig entspannt. Wir haben direkt eine Genehmigung erhalten und somit ist die Aktion auch nachträglich legalisiert.» Von Seiten der Fifa habe aber weder der Künstler noch die AWO eine offizielle Reaktion erhalten, sagt Jörg Richard abschliessend.

Die Fifa war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 1. April 2022 10:46
aktualisiert: 1. April 2022 12:08
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