Coronavirus

Alt Bundesrätin Widmer-Schlumpf: «Ein Leben kann man nicht aufrechnen»

17. Dezember 2020, 06:54 Uhr
Eveline Widmer-Schlumpf fordert nebst härteren Massnahmen weitere finanzielle Hilfen.
© Keystone
Die einstige Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf erwartet vom Bundesrat, dass er weitere Massnahmen gegen die Pandemie ergreift.

(dpo) Hiesige Politiker haben im Zusammenhang mit der Coronapandemie oft von einer «Güterabwägung» zwischen der Wirtschaft und Gesundheit gesprochen. Diesen Begriff findet die Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf «unmöglich»: «Es ist mir nicht bekannt, was es für eine Einheit gibt, mit der man Menschenleben und wirtschaftliches Wohlergehen vergleichen könnte», wie sie in einem Interview mit dem «Blick» am Freitag sagt. «Ein Leben kann man nicht einfach aufrechnen.»

Die ehemalige Finanzministerin sieht keinen Gegensatz zwischen der Wirtschaft und weiteren Massnahmen. Denn die Frage laute: «Wie haben wir möglichst viele gesunde Leute, die dafür sorgen können, dass es mit der Wirtschaft vorwärtsgeht?», so Widmer-Schlumpf.

Die Alt Bundesrätin und Stiftungspräsidentin von Pro Senectute erwartet von der jetzigen Landesregierung, dass er «eindeutige Ansagen» macht und «Klarheit» schafft: «Es braucht jetzt Einschränkungen von allen, ansonsten wird die Situation noch schlimmer.»

Weitere finanzielle Hilfen

Widmer-Schlumpf fragt sich, warum die Schweiz nicht schon im Oktober oder November härtere Massnahmen getroffen hat. Länder wie Norwegen hätten einen kurzen, harten Lockdown gemacht und konnten danach rasch wieder hochfahren. «Besser, man trifft eine harte, zeitlich begrenzte Massnahme, als über lange Zeit eine grosse Ungewissheit aufrechtzuerhalten», so Widmer-Schlumpf.

Gleichzeitig fordert die einstige Magistratin, dass die Politik «schnell und unbürokratisch» finanzielle Hilfe denjenigen Menschen spricht, die unter den Massnahmen wirtschaftlich leiden. Denn, so die Alt Bundesrätin weiter: «Die Schweiz hat die Mittel, es zu schaffen.»

Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) war von 2008 bis 2015 Bundesrätin. Sie war Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD) und anschliessend Vorsteherin des Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD). Ihre Wahl in die Landesregierung sorgte für Furore, da sie mit der Abwahl Christoph Blochers (SVP) aus dem Bundesrat einherging.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 17. Dezember 2020 06:50
aktualisiert: 17. Dezember 2020 06:54