SBB

Bald rollen Nachtzüge nach Amsterdam – Rom und Barcelona sollen folgen

Stefan Ehrbar, 15. September 2020, 15:40 Uhr
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Das Nachtzugnetz wird ausgebaut: Die SBB verbinden die Schweiz ab nächstem Jahr mit weiteren europäischen Destinationen. Neue Schlafwagen kommen aber erst später.

Nun ist es offiziell: Ab Dezember 2021 fährt wieder ein Nachtzug auf der Strecke von Zürich nach Amsterdam. Das teilten die SBB am Dienstag mit. Die Verbindung wird, wie bereits die bestehenden Nachtzüge, in Zusammenarbeit mit den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) angeboten.

Diese haben beim Hersteller Siemens moderne Nachtzüge bestellt. Weil diese aber noch nicht so schnell in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, werden auf der neuen Linie vorerst ältere Wagen eingesetzt, welche die SBB bei der deutschen Firma RDC mieten. Der neue Nachtzug nach Amsterdam fährt über Basel, Frankfurt und Köln.

Ab Dezember 2022 soll zudem die Kapazität auf den bereits bestehenden Linien ab Zürich nach Berlin und Hamburg ausgebaut werden. Die beiden Städte sollen dafür jeweils separate Nachtzüge erhalten. Eine Änderung geben soll es auch beim schon existierenden Nachtzug von Zürich nach Prag. Dieser soll ab Ende 2022 über Deutschland verkehren, womit neue Verbindungen aus der Schweiz nach Leipzig und Dresden entstehen.

Verbindungen nach Rom und Barcelona

Vincent Ducrot, CEO der SBB.
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Später wollen die SBB neue Nachtzüge von Zürich über Bern und Brig nach Rom und eine tägliche Verbindung von Zürich über Bern, Lausanne und Genf nach Barcelona einführen. Gesichert ist das allerdings noch nicht. Es seien noch Abklärungen mit Partnerbahnen nötig, teilt die Bahn mit.

Eine Sprecherin der spanischen Bahn Renfe bestätigt gegenüber CH Media, dass mit der derzeit laufenden Liberalisierung der Eisenbahn in Spanien neue Nachtzüge eingeführt werden. Zur Verbindung nach Zürich seien aber noch keine Entscheide gefällt worden.

Die SBB sind überzeugt, dass die Nachfrage nach Nachtzügen weiter zunimmt. «Diese Entwicklung ist nachhaltig und die Nachfrage nach umweltfreundlicher und ressourcenschonender Mobilität wird weiter steigen», lässt sich CEO Vincent Ducrot zitieren. Die Bahn hofft für den Ausbau des Nachtzugnetzes auch auf Geld vom Staat. Eine Förderung des grenzüberschreitenden Zugverkehr ist im Rahmen der Totalrevision des CO2-Gesetzes vorgesehen. Diese soll noch diesen Herbst vom Parlament verabschiedet werden.

Eine finanzielle Förderung sehen die SBB als nötig, denn das Geschäft mit Nachtzügen ist teuer und defizitär. Das hat verschiedene Gründe. In Nachtzügen können auf dem gleichen Raum weniger Menschen untergebracht werden als in normalen Fernverkehrszügen.

Zudem können die Kompositionen in der Regel nur für eine Verbindung täglich genutzt werden und haben lange Standzeiten. Hinzu kommen hohe operationelle Kosten wegen verschiedenen Sicherheitssystemen in Europa oder, Trassennutzungsgebühren. Hinzu kommt ein erhöhter Aufwand für die Reinigung, die Gastronomie und ein höherer Personalbedarf.

Zürich wird zum Knotenpunkt

Mit dem Ausbau wird Zürich neben Wien zum wichtigsten Knotenpunkt für Nachtzugverbindungen in Europa. Bereits heute verkehren ab der grössten Schweizer Stadt Nachtzüge nach Wien, Graz, Hamburg, Berlin, Budapest, Zagreb und Prag. Diese Verbindungen werden von den ÖBB betrieben, fast alle unter dem Markennamen Nightjet.

Die ÖBB haben nach dem Rückzug der Deutschen Bahn aus dem Geschäft mit Nachtzügen vor vier Jahren einige Linien übernommen und sind mittlerweile der grösste europäische Anbieter für die nächtlichen Verbindungen. Auch die ÖBB erhalten vom österreichischen Staat Subventionen für die Abschnitte innerhalb Österreichs.

Die SBB haben sich bereits 2009 aus dem Geschäft verabschiedet. Allerdings haben sie sich seither zum wichtigen Partner der ÖBB gemausert. Ohne die SBB wäre das heutige Nightjet-Angebot nicht denkbar, sagte etwa Kurt Bauer, der verantwortliche Manager der ÖBB letzte Woche an einer Nachtzugkonferenz in Dänemark.

So sieht das Schweizer Nachtzugnetz ab 2024 aus.
© ÖBB/SBB

Auch andere Staatsbahnen arbeiten nun mit den Österreichern zusammen. Davon kann auch die Schweiz profitieren. Wie CH Media weiss, gibt es etwa für den Zeitraum ab 2025 Pläne für einen Nachtzug in Richtung Skandinavien. Ein Verantwortlicher der dänischen Staatsbahn DSB stellte letzte Woche entsprechende Pläne vor.

Diese sehen etwa eine Verbindung von Kopenhagen nach Basel und Zürich vor. Allerdings müssten dafür einige Voraussetzungen erfüllt sein – etwa die Verfügbarkeit von Rollmaterial, neue Unterhaltsanlagen für Nachtzüge und den politischen Willen Dänemarks, Subventionen zu sprechen.

Stefan Ehrbar
Quelle: CH Media
veröffentlicht: 15. September 2020 10:27
aktualisiert: 15. September 2020 15:40