Nach Corona-Pause

Basler Fasnacht startet mit einem emotionalen Morgenstreich

7. März 2022, 07:19 Uhr
Nach zwei Jahren pandemiebedingter Zwangspause haben die Baslerinnen und Basler am Montagmorgen um 04.00 Uhr die Renaissance ihrer Fasnacht gefeiert. Der traditionelle Morgenstreich fand bei kalter, aber trockener Witterung statt.
Die grossen Umzüge am Montag- und Mittwochnachmittag bleiben dieses Jahr trotzdem wieder aus.
© KEYSTONE/Georgios Kefalas

«Morgestraich - vorwärts marsch!» schallte es mit dem Vieruhrschlag aus den Larven der Tambourmajore. Tausende Menschen standen bei Temperaturen von etwa minus 2 Grad in der verdunkelten Innenstadt und verfolgten das Spektakel mit Fasnachtslaternen und Trommel- und Piccolomärschen.

Magischer Moment

Es ist normalen Jahren schon ein magischer Moment, wenn am Montagmorgen Schlag vier Uhr in der Innenstadt alle Strassenlichter erlöschen und Tausende von Trommlerinnen und Trommler sowie Pfeiferinnen und Pfeifer den kurzen fanfarenartigen Morgestraich-Marsch anstimmen. In diesem Jahr spielte zudem das Element mit, dass die «drey scheenschte Dääg» nach zwei Ausfällen endlich wieder begangen werden können.

Das mit dem «Begehen» kann in diesem Jahr wörtlich genommen werden. Denn die Fasnacht 2022 steht unter dem Motto «Drey Dääg gässle». Mit «Gässle» ist das unorganisierte umherschweifen der Cliquen und Guggenmusiken durch die Gassen und Strassen der Altstadt gemeint.

Kein Cortège

Die grossen Umzüge am Montag- und Mittwochnachmittag bleiben dieses Jahr aus. Das war indirekt auch am Morgenstreich spürbar. Nicht wenige Cliquen hatten bei der relativ kurzfristigen Bewilligung der Fasnacht nicht genügend Zeit, ein eigentliches Fasnachtsujet vorzubereiten, das auch in einer grossen Zugs-Laterne seinen Ausdruck gefunden hätte. So wurde in diesem Jahr der Nachthimmel weniger als sonst von grossen Laternen erleuchtet. Teilweise wurde auch einfach die Laterne aus dem Jahr 2020 gezeigt, als die Fasnacht wegen der Corona-Pandemie das erste Mal abgesagt worden war.

Die Laternen, die aber durch die Gassen gerollt oder getragen wurden, sorgten denn mehr als in anderen Jahren für überraschende Einsichten in die Sujets. So machte der Stamm des «Central Club Basel» den Applaus für das Gesundheitspersonal zum Thema, und auf der Laterne der Alten Garde der «Opti-Mischte» stand: «I waiss nid, was soll i bedytte. Männgi Lyt sinn nuur zem Schyyn feminyyn und maskulyyn». Das Fasnachts-Comité hatte auf die Veröffentlichung eines Themenführers für die Fasnacht verzichtet.

Schnitzelbänkler ab Montagabend wieder unterwegs

Ungewiss ist, wie viele Fasnachtseinheiten an den drei Tagen zum «gässlen» aufbrechen werden. Beim Comité haben sich 70 Cliquen, Guggenmusiken und Wagencliquen weniger angemeldet als noch vor der Corona-Zeit, als über 460 Anmeldungen eingegangen waren. Aber auch in normalen Jahren ist die Zahl der nicht angemeldeten «wilden» Cliquen gross.

Ab Montagabend sind in den Lokalen der Stadt auch die Schnitzelbänkler wieder unterwegs.

Die Basler Fasnachts-Plakette 2022 zeigt einen altgedienten Tambour-Major, der wegen eingeschränkten Bewegungsfreiheit während der Corona-Pandemie dick geworden ist. Das diesjährige Fasnachtsmotto lautet «Bassts no?».

Quelle: sda
veröffentlicht: 7. März 2022 07:19
aktualisiert: 7. März 2022 07:19
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