Wirtschaft

Baugewerbe leidet unter Coronakrise: Umsatz und Aufträge brechen weg

27. Mai 2020, 10:27 Uhr
Wegen der Coronakrise verzeichnet das Baugewerbe Umsatzeinbussen.
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Nach einem guten Start ins Jahr gerät das Baugewerbe durch die Coronakrise in Schieflage. Im ersten Quartal sanken Umsatz und Auftragseingänge. Der Baumeisterverband will mit einem 5-Punkte-Plan Gegensteuer geben.

(sih) Konkret meldet der Baumeisterverband am Mittwoch in einer Mitteilung für das erste Quartal einen Umsatzrückgang von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 4 Milliarden Franken. Im selben Zeitraum hätten die Auftragseingänge sogar um 6 Prozent abgenommen. Als Grund nennt der Baumeisterverband die vom Bundesrat verordneten Massnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus ab Mitte März. Der Wirtschaftsbau ging um 13 Prozent zurück und der Wohnungsbau setzte mit -8 Prozent seinen Rückgang fort. Abgefedert werde der Rückgang durch einen guten Jahresstart, begünstigt durch gute Witterung in den Monaten Januar und Februar, was zu erhöhter Bautätigkeit geführt habe.

Noch stärker dürfte das zweite Quartal betroffen sein, prognostiziert der Baumeisterverband. Alleine im März und April sei der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent zurückgegangen. In der Romandie betrug der Rückgang sogar 40 Prozent, im Tessin kam die Bautätigkeit aufgrund kantonaler Einschränkungen gleich ganz zum Erliegen. Die schrittweisen Lockerungen der Massnahmen sorgte derweil nur geringfügig für Entspannung. Gemäss dem gemeinsamen Bauindex der Credit Suisse und des Schweizerischen Baumeisterverbands sinke der Umsatz um 7 Prozent.

500'000 Beschäftigte im Bauhaupt- und Nebengewerbe

Massive Auswirkungen hat die Coronakrise auch auf die Beschäftigung im Baugewerbe. Zwischenzeitlich befanden sich 10 Prozent der Angestellten in Kurzarbeit, inzwischen sind es noch 5 Prozent. Um die wirtschaftlichen Folgen abzufedern, fordert der Schweizerische Baumeisterverband mit einem Fünf-Punkte-Plan die Gemeinden, Kantone und den Bund auf, Bewilligungsverfahren zu forcieren und laufende sowie neue Bauprojekte zu beschleunigen. Gleichwohl rechnet der Baumeisterverband mit einem Umsatzrückgang von 7 Prozent auf 5,1 Milliarden gegenüber dem Vorjahr.

Der Baumeisterverband fordert, Infrastrukturprojekte wie zum Beispiel hier am Bahnhof Arth-Goldau voranzutreiben, um Verschuldung zu verhindern.
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Die stärkste Korrektur wird beim Wirtschaftsbau erwartet (-17%). Die Produktivität auf den Baustellen soll wegen Effizienzverlusten bei der Einhaltung von Schutzmassnahmen leiden. Diesem negativen Sog würden sich auch der Wohnungsbau (-5%) und der Tiefbau (-7%) nicht entziehen können. Auf Anfrage von «CH Media» sagt Bernhard Salzmann, Leiter Politik und Kommunikation beim Baumeisterverband, das Baugewerbe trage knapp 10 Prozent zum Schweizer Bruttoinlandprodukt bei, im Bauhauptgewerbe seien rund 80'000 Menschen beschäftigt, rechne man das Baunebengewerbe dazu, seien es eine halbe Million Menschen.

Zudem präzisierte Salzmann den 5-Punkte-Plan, der Verschuldung und Rezession vorbeugen soll. Dieser umfasst folgende Punkte:

  1. Start von Bauprojekten, die von der öffentlichen Hand geplant sind.
  2. Auftragserteilung von Infrastrukturprojekten der öffentlichen Hand.
  3. Laufende Planung von Infrastrukturprojekten stärker forcieren.
  4. Beschleunigung von Bewilligungsverfahren im Baugewerbe.
  5. Aufhebung von Massnahmen, die den Betrieb von Baustellen stören.
Quelle: CH Media
veröffentlicht: 27. Mai 2020 10:17
aktualisiert: 27. Mai 2020 10:27