Indian Summer in der Schweiz

Blätter verfärben sich im Herbst – warum eigentlich?

Joelle Maillart, 22. Oktober 2022, 11:30 Uhr
Die Tage werden kürzer und die Blätter fallen nach und nach von den Bäumen. Davor erstrahlen sie dabei nochmals in vielfältiger Farbpracht. Dafür sind nicht nur die kühleren Temperaturen zuständig.
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Die warmen Temperaturen schwinden, die Sonne zeigt sich immer weniger und die Bäume verlieren ihr Sommerkleid. Bevor das aber passiert, leuchten die Blätter nochmals, was das Zeug hält. Das Maximum der Herbstverfärbung ist im Oktober – in höheren Lagen etwas früher, in tiefen Lagen etwas später. Welche Vorgänge führen aber dazu, dass die Blätter sich so verfärben?

Farbstoffe werden abgetauscht

Das leuchtende Farbenspiel des Herbstes beruht in erster Linie auf einer Änderung des Mengenverhältnisses verschiedener Blattfarbstoffe. Im Frühling und Sommer überwiegt der grüne Farbstoff Chlorophyll. Der für die Photosynthese unabdingbar ist. 

Es überdeckt alle anderen Pigmente, die auch im Blatt vorhanden sind. Mit dem Verschwinden der Sonne, verzieht sich auch das Chlorophyll immer mehr und Pigmente wie Karotinoide (gelb, orange, rot), Xanthophylle (gelb) und Anthocyane (oft rot) kommen zum Vorschein.

In Nordamerika ist das farbliche Spektakel unter dem Namen «Indian Summer» bekannt. Die Verfärbung ist dort um einiges extremer, da die Blätter mehr Farbstoff produzieren – wegen mehr Sonnentage. Warum? Die Farbstoffe sind nämlich dazu da, das lichtempfindliche Chlorophyll zu schützen.

An sich selber denken

Die Bäume schütteln ihre Blätter aus Eigenschutz ab. Im Sommer verdunsten bei grossen Bäumen mehrere hundert Liter Wasser pro Tag. Wenn im Winter der Boden gefriert, bleibt der Wassernachschub aus. Dadurch können Bäume und Sträucher nicht mehr genug Wasser aufnehmen – es droht ihnen Vertrocknung.

Damit sie also nicht mehr Wasser an die Blätter abgeben müssen, entledigen sie sich ihrer. Für das Abwerfen der Blätter braucht es einen niedrigen Sonnenstand und kürzere Tage, nächtliche Temperaturen im einstelligen Bereich und mehrere sehr kühle Nächte hintereinander, wie Meteonews schreibt.

Die Hüllen können früher fallen

Der Blattabwurf ist dabei nicht nur ein wirksamer Verdunstungsschutz, sondern hat noch weitere Vorteile für die Pflanzen: Er entsorgt giftige Stoffwechsel-Endprodukte und gespeicherte Umweltgifte. Im Winter haben so Äste auch mehr Kraft, den Schnee zu stemmen und die Frühlingsknospen ausreichend Licht für ihr Erwachen.

Während die meisten Laubbäume ihre Blätter im Herbst abwerfen, machen sich Nadelbäume nicht den Aufwand – ausser die Lärche. Die Blätter der Nadelbäume verfügen nämlich über eine dicke Wachsschicht, eine sehr feste Haut und eine kleine Oberfläche, welche die Verdunstung hemmt.

Wie sehen die Bäume bei dir aus? Zeig es uns. 

Wenn es bereits im Sommer zu einem Blattabfall kommt, dann ist das wegen einer längeren Trockenphase. Wegen der Klimaerwärmung und den heisseren Temperaturen hierzulande, ist damit immer öfters zu rechnen.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 15. Oktober 2022 14:34
aktualisiert: 22. Oktober 2022 11:30