Medienkonferenz

Booster für 12-Jährige und das Ende der Pandemie: Die Antworten der BAG-Experten

Nico Conzett, 19. Januar 2022, 20:50 Uhr
Bedeutet Omikron womöglich tatsächlich das Ende der Pandemie? Oder handelt es sich bei den endemischen Szenarien doch vielmehr um Wunschdenken? Das BAG nahm am Dienstag Stellung zum aktuellen Pandemie-Geschehen. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.
Omikron als möglicher Wegbereiter für das Ende der Pandemie? Virginie Masserey nahm an der Medienkonferenz zur aktuellen Lage Stellung.
© KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Auf eine Art waren die Omikronvariante und die ersten Erkenntnisse, die darüber gewonnen wurden, ja für alle ein Lichtblick oder zumindest ein Hoffnungsschimmer. Könnte die neue Mutation tatsächlich das Ende der Pandemie bedeuten, weil sie zwar ansteckender ist, aber dafür deutlich weniger drastische Verläufe auslöst?

Die aufkeimenden Hoffnungen bekamen vergangene Woche einen rabiaten Dämpfer verpasst. Grund: Die Horrorprognose von Taskforce-Chefin Tanja Stadler: Eine Omikron-Monsterwelle rolle an, unter Umständen infiziere sich innert der nächsten Wochen ein Drittel der Schweizer Bevölkerung, die Auswirkungen auf die Spitäler sind ungewiss und womöglich verschärfe sich die Situation auf den Intensivstationen von Neuem.

Eine Woche später lässt sich festhalten: Bisher ist diese Entwicklung glücklicherweise nicht eingetreten. Die Fallzahlen stagnieren, zwar auf hohem Level, aber immerhin tun sie es. Und die Spitaleinweisungen bewegen sich nicht auf einem kritischen Niveau, genauso wenig wie die Auslastung der Intensivstationen.

BAG-Expertin Virginie Masserey und Rudolf Hauri, der oberste Kantonsarzt der Schweiz, nahmen am Dienstag zur aktuellen Pandemieentwicklung Stellung. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten der Medienkonferenz.

Hat sich die Taskforce geirrt?

Wenig verwunderlich wurde diese Frage als eine der ersten von einem Journalisten gestellt. Direkt bestätigen wollten Masserey und Hauri diese Einschätzung nicht. Die Frage müsse direkt an die Taskforce gerichtet werden.

Masserey erklärte zudem, man könne noch nicht sagen, dass sich die Situation tatsächlich anders entwickelt, als die Taskforce letzte Woche erklärt hatte. Die Lage könne sich in den nächsten Wochen auch noch verschlechtern. Dass sich die exponentielle Entwicklung bezüglich Omikron-Fallzahlen nicht fortgesetzt hat, ist aufgrund der Stagnation aber unbestritten. Masserey führte die Fehlprognose darauf zurück, dass die Taskforce mit Modellen arbeitet, welche einen gewissen Spielraum für Ungenauigkeiten beinhalten würden.

Kantonsarzt Rudolf Hauri räumte ein, dass er damit gerechnet hatte, dass es aufgrund der vielen Fälle mehr Hospitalisationen geben werde – das sei aber bisher wider seines Erwartens nicht eingetreten.

Hat die Omikronwelle jetzt ihren Peak erreicht?

Masserey erklärte, dass das grundsätzlich möglich sei – wenn man den Verlauf der Omikronwelle mit jener in Grossbritannien vergleiche, wo die neue Variante das Infektionsgeschehen schon früher «übernommen» hat, sei dieser Schluss möglich. Mit Sicherheit sagen, dass der Höchststand erreicht ist, könne man aber nicht, so Masserey.

Ist der Booster weiterhin sinnvoll?

Hier gab es eine klare Antwort: Ja. In der Schweiz wird fleissig geboostert, bereits drei Millionen Menschen haben die Auffrischungsimpfung erhalten. Und das sei wichtig, denn auch wenn der Schutz vor einer Übertragung nach vier Monaten abnehmen würde, so schütze die Auffrischdosis zuverlässig weiterhin vor schweren Verläufen, erklärte Masserey.

Was ist mit dem Booster für 12- bis 15-Jährige?

Stand jetzt hat diese Altersklasse noch nicht die Möglichkeit, sich einen dritten Piks verpassen zu lassen. Das soll sich ändern. Aktuell wird die Impfempfehlung für 12- bis 15-Jährige ausgearbeitet. Bereits Ende dieser Woche soll diese vorliegen, sagte Masserey.

Und was ist mit der Impfung bei unter 11-Jährigen, die genesen sind?

Ein Journalist verwies darauf, dass die USA die Impfung für 5- bis 11-Jährige, die genesen sind, nicht empfiehlt. Teilt das BAG diese Einschätzung? Ja. In der Schweiz gelte die gleiche Empfehlung, erklärte Masserey.

Es spreche zwar nichts dagegen, genesene Kinder zu impfen, es sei allerdings nicht unbedingt nötig, weil der Verlauf einer Infektion in diesem Alter in der Regel nicht schwer ist – und das schon gar nicht bei Genesenen.

Schützt eine Booster-Impfung besser als eine Omikron-Infektion?

Nein. Eine Infektion schütze gleich gut wie eine dritte Impfung, so die Antwort der Experten. Die Infektion ist eine Art natürlicher Booster. Bisherige Studien zum Thema würden diesen Einruck bestätigen, allerdings sei die Datenlage noch relativ knapp und genaue Vergleiche seien nur bedingt möglich.

Sportler klagen über Herzmuskelentzündungen nach der Impfung. Ist das ein gröberes Problem?

Masserey bestätigte, dass solche Fälle vorkommen. Das Risiko sei aber sehr gering. Die Herzprobleme kämen bei Impfungen viel seltener vor als nach einer Erkrankung. Eine Erkrankung ist noch immer gefährlicher. Tatsächlich lasse sich aber die Tendenz erkennen, dass vorwiegend männliche Sportler unter 30 davon betroffen seien, auch wenn die Fälle selten sind. Bei Pfizer sei das Risiko noch geringer, deshalb werden unter 30-Jährige nicht mit Moderna geimpft. Klar ist gemäss Masserey, dass solche Entzündungen ernst genommen werden müssen und dass es in einem solchen Fall unbedingt Schonung bedarf.

Wo stehen wir in der Pandemie? Wie sind die Aussichten?

Und damit zurück zur eingangs behandelten Frage. Ist das Ende der Pandemie mit Omikron denn nun tatsächlich absehbar oder handelt es sich vielmehr um Wunschdenken? Allzu weit aus dem Fenster lehnen, wollten sich Masserey und Hauri freilich nicht. Doch die BAG-Expertin gab den zarten Hoffnungsschimmern tatsächlich ein wenig Auftrieb, indem sie erklärte «vorsichtig optimistisch» zu sein. Diesen Gemütszustand begründete Masserey mit dem Blick auf den Verlauf der Omikron-Wellen im Ausland, wo diese teilweise ihren Höhepunkt bereits erreicht haben. Ausserdem erklärte sie, dass man gut auf die kommenden Wochen vorbereitet sei und die Intensivstationen nicht überlastet sind.

Die Aussichten waren in den vergangenen zwei Jahren also tatsächlich schon düsterer – bekanntlich können sie sich aber auch von Woche zu Woche verändern.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. Januar 2022 16:55
aktualisiert: 19. Januar 2022 20:50
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