Trockenheit

Brunnen abgestellt – Behörden schränken Wasserverbrauch zunehmend ein

19. Juli 2022, 17:09 Uhr
Der Bund hat die Hitzewarnung für den Kanton Tessin angehoben. Gewisse Kantone verhängten ein Wasserentnahmeverbot von Gewässern, andere verschärften ein bestehendes Verbot. Jurassische Gemeinden haben ihre Brunnen abgestellt. Dabei nutzt man in der Schweiz erst zehn Prozent des Trinkwasservorkommens, wie ein Experte sagt.

Im Kanton Freiburg darf im Einzugsgebiet der Broye absolut kein Wasser mehr aus Bächen und Flüssen entnommen werden. Die Behörden erteilen angesichts der anhaltenden Trockenheit auch keine Ausnahmebewilligungen mehr, wie sie am Dienstag mitteilten.

Das grundsätzliche Verbot für Wasserentnahmen aus Fliessgewässern gilt seit dem 23. Juni. Betroffen sind sämtliche Oberflächengewässer mit Ausnahme der Saane, des Broyekanals, des Grand Canal sowie des Greyerzer-, Schiffenen-, Murten- und Neuenburgersees.

Kein Wasser mehr aus Thurgauer Gewässern entnehmen

Auch der Kanton Thurgau verhängte am Dienstag ein Wasserentnahmeverbot, wie das Departement für Bau und Umwelt mitteilte.

Das Verbot gilt ab Freitag und betrifft Bäche, Flüsse und natürliche Weiher, sowie künstliche und bewirtschaftete Weiher wie Mühleweiher, Fischaufzuchtteiche und der Wasserkraftnutzung dienende Kanäle.

Autos bleiben im Jura dreckig

In der jurassischen Gemeinde Courtételle ist es ab sofort verboten, den Rasen zu bewässern, das Auto zu waschen und den Pool zu füllen. Andere Gemeinden wie Courfaivre, Bassecourt und Glovelier schalteten die Brunnen ab, damit das kommunale Überwachungssystem Lecks in den Wasserleitungen aufspüren konnte.

Zudem rief die Gemeinde Glarus Süd dazu auf, mit dem Trinkwasser sparsam umzugehen. Neben der Trockenheit sind Bauarbeiten Grund dafür. Luchsingen und Linthal werden zur Zeit aus Nachbarortschaften mit Wasser versorgt. Damit diesen Dörfern - Hätzingen, Diesbach und Rüti - das Trinkwasser nicht ausgeht, legte die Gemeinde vorsorglich die Dorfbrunnen trocken.

Erst zehn Prozent des Trinkwassers wird genutzt

Obwohl das Wasser in verschiedenen Gewässern stetig abnimmt, heisst das aber nicht, dass auch das Trinkwasser knapp wird. Davon wird nämlich erst ein Bruchteil verwendet, wie Rolf Meier vom Fachverband der Wasser-, Gas- und Fernwärmeversorger gegenüber der Redaktion sagt: «Wir nutzen aktuell circa zehn Prozent des nachhaltig nutzbaren Vorkommens der Trinkwasserversorgung für Haushalte, Industrie und Landwirtschaft.»

Wegen den grossen lokalen Unterschieden zwischen den Gemeinden fordern Politikerinnen wie die Basler Nationalrätin Patricia von Falkenstein ein nationales Konzept gegen Wasserknappheit. Gemäss Rolf Meier brauche es das aber gar nicht. Die Kantone würden bereits jetzt schon gut zusammen arbeiten und im gegenseitigen Austausch Angebot und Nachfrage beachten.

Die grösste Herausforderung liege an einem anderen Ort, so Meier: «Wir haben sehr grosse bestehende Ressourcen, vor allem auch im Mittelland. Wichtig ist, dass man diese auch in Zukunft nutzen kann und dafür müssen diese vorsorglich geschützt werden.» Konkret müssten die 90 Prozent des nutzbaren Trinkwassers vor Verunreinigungen aus der Landwirtschaft oder Privathaushalten bewahrt werden.

Heisse Morgenstunden

Am Dienstagvormittag stufte der Naturgefahrendienst des Bundes die Tessiner Regionen um Bellinzona, Lugano und Mendrisio die Hitzewarnungen von der Stufe drei auf vier hoch, wie Keystone-SDA weiter berichtet. Unterhalb von 800 Höhenmeter gilt demnach eine grosse Hitzegefahr und es besteht ein Risiko für Kreislaufbeschwerden und körperliches Unwohlsein.

Schon in der Nacht auf Dienstag lagen die Temperaturen am Genfersee und im Tessin über 20 Grad, wie der Wetterdienst des Bundes Meteo Schweiz auf dem Kurznachrichtendienst Twitter vermeldete. An einigen Orten, wie Magadino TI, Liestal BL oder Epiquerez JU, war es vor 10:00 Uhr bereits über 25 Grad warm, wie SRF Meteo ebenfalls auf Twitter vermeldete.

Nach 11:00 Uhr war die 30-Grad-Marke in Chur geknackt. In Basel-Binnigen zeigte das Thermometer 29,7 Grad an, teilte der Wetterdienst Meteonews mit.

Im Verlaufe des Tages rechnete Meteo Schweiz in Sion mit 37 Grad, in Basel und Genf mit 36 Grad. In Lugano soll es mit 33 Grad vergleichsweise etwas kühler werden.

Grosse Waldbrandgefahr in Bergkantonen

Weiter gilt in fast der ganzen Schweiz eine erhebliche Waldbrand-Gefahr. In Teilen des Kantons Graubünden, Wallis und Tessin ist die Gefahr gross. Der Kanton Bern verhängte am Dienstag ein Feuer- und Feuerwerksverbot.

(sda/lol)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 19. Juli 2022 12:27
aktualisiert: 19. Juli 2022 17:09
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