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Überlastete Spitäler

Corona-Leugner wollten in Notfallstation von Zürcher Unispital eindringen

6. Januar 2021, 09:29 Uhr
Corona-Leugner verabredeten sich in einem Gruppenchat und hatten vor, in die Notfallstation des Universitätsspital Zürich (USZ) einzudringen. Sie wollten sehen, wie viele Personen dort wegen Corona behandelt werden.
Corona-Leugner wollten ins Zürcher Universitätsspital eindringen. Doch es kam zu keinem gewaltsamen Versuch.
© Keystone

(dpo) Die Corona-Skeptiker kündigten ihre Aktion am Sonntag in einem Gruppenchat des Messengerdienstes Telegram an. Auf Nachfrage von CH Media sagte ein Sprecher des Universitätsspitals, dass man vom Aufruf Kenntnis habe: «Wir nehmen die Situation sehr ernst.»

Das USZ habe seinen Sicherheitsdienst instruiert, das vermehrt dort Kontrolle durchführe, wo die Gruppe anscheinend eindringen wolle. «Bis jetzt ist die Situation ruhig, es gab keinen Versuch einer Gruppe gewaltsam ins USZ einzudringen», sagte der Sprecher weiter.

Als erstes berichtete «20 Minuten» darüber mit Verweis auf das Onlineportal Medinside. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hat das Recherchekollektiv «element investigate» zudem ein Video eines mutmasslichen Initianten der Aktion aufgeschaltet. Der Mann befindet sich scheinbar in seinem Auto und sagt, er wolle beim Zurücher Universitätsspital «schauen, wie schlimm es wirklich so ist».

Im Chat verweisen die Corona-Leugner unter anderem auch auf einen Artikel der «NZZ am Sonntag». Darin kritisierten drei Chefärzte von Zürcher Spitälern – darunter auch ein Infektiologe des USZ – das zögerliche Vorgehen der Politik in der Pandemie und warnten vor einem Kollaps des Gesundheitssystems.

Corona-Leugner werden radikaler

Erst kürzlich hat das Bundesamts für Polizei (Fedpol) verlauten lassen, dass es eine deutliche Zunahme von Unmutsbekundungen und Drohungen in der Corona-Leugner-Szene beobachtet. «Die steigende Gewaltbereitschaft der Corona-Leugner-Szene beschäftigt uns stark», sagte Fedpol-Sprecher Florian Näf.

Die Skeptiker tauschen sich häufig über Telegram aus, eine kostenlose App zum Verschicken von Textnachrichten. Rechtsextremisten greifen ebenfalls auf die App zurück, aber auch Demokratie-Aktivisten in Hong Kong benutzen sie. Anders als etwa Whatsapp funktioniert Telegram über einseitige Kanäle und riesige Gruppen mit mehreren tausend Mitgliedern. Dazu gibt auch Funktionen wie «Geheime Chats». Telegram selbst zählt weltweit etwa 400 Millionen Benutzer.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 13. Dezember 2020 17:52
aktualisiert: 6. Januar 2021 09:29