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Epidemie besiegt?

Dänen heben alle Massnahmen auf – das machen sie anders als die Schweiz

3. September 2021, 20:03 Uhr
Als erstes europäisches Land scheint Dänemark die Coronakrise gemeistert zu haben. Dank Impfraten in Rekordhöhe kann der Pionier im Kampf gegen Corona alle Massnahmen aufheben. Was kann die Schweiz von den Skandinaviern lernen?
Dänemark möchte alle Corona-Beschränkungen aufheben – Impfquote sei Dank.
© Getty

Dänemark befreit sich am 10. September von allen Corona-Restriktionen und kehrt zur Normalität zurück – endgültig. Die Epidemie sei unter Kontrolle, Corona gelte nicht mehr als «für die Gesellschaft kritische Krankheit». Für Epidemiologin Lone Simonsen sei die Lage in Dänemark vergleichbar mit der Schweinegrippe oder einer saisonalen Grippe.

Den lockeren Umgang mit dem Coronavirus verdankt das skandinavische Land der hohen Impfrate. Fast 73 Prozent der dänischen Bevölkerung ist doppelt geimpft. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt die Quote der vollständig Geimpften bei etwas über 51 Prozent. Während der Bundesrat sich mit neuen Massnahmen beschäftigt – namentlich der Zertifikatspflicht – hocken die Dänen ohne Maske im Zug. Am kommenden Freitag sollen alle noch geltenden Massnahmen verschwinden. Einschränkungen sind ab dann keine mehr zu befürchten. Die Epidemie besiegt. Faktisch.

Strenge und entscheidungsbewusste Strategie

Obwohl fröhlich gelockert wurde, sind die Fallzahlen nicht höher als in anderen Ländern. Der dänische Sonderweg scheint aufzugehen. Schon zu Beginn der Pandemie hat die Regierung schnell reagiert und als europäischer Vorreiter einen Lockdown beschlossen. Schulen wurden geschlossen, Homeoffice war Tagesordnung. Dänemark gelang der Spagat von streng und diszipliniert zu mutig und locker.

Hat die Schweiz zu spät gehandelt? 

So entscheidungsfreudig zeigte sich die Schweiz nie. Der Bundesrat schob stets die Verantwortung an die Kantone, die wiederum selten selbst vorpreschten. Massnahmen waren im Vergleich zu anderen Ländern milde, mit dem Lockdown wurde anfangs gezögert. Die Schweiz war stets bestrebt, eine Balance zwischen Gesundheit und Wirtschaft zu finden. Die Impfung hätte der Ausweg aus der Krise sein sollen, doch zu wenige Menschen liessen sich bisher impfen. Doch wieso schneidet die Schweiz im Vergleich so schlecht ab? Vertrauen ist alles.

Vertrauen als Trumpfkarte

Die Regierung hat auf Massnahmen verzichtet, die den Dänen nicht gefallen würden, schreibt «Der Spiegel». Die nordischen Bürger vertrauen der Regierung, vertrauen sich gegenseitig. Die dänische Regierung gab Corona-Leugnern kaum Nährboden. Demonstranten und Kritiker wurden für ihre Straftaten doppelt so hart bestraft, dank einem im 2020 verabschiedeten Gesetz. Also zum Beispiel bei einem Verstoss gegen das Demonstrationsverbot.

In Dänemark gibt es zudem bei wichtigen Corona-Entscheiden keine zersplitterte Politik. Regierung und Opposition kooperieren, während in der Schweiz der Föderalismus ein zähes Tauziehen einleitet.

Tiefere Corona-Sterbequote 

War auch die Mentalität der Skandinavier entscheidend, warum die dänische Strategie aufging? Die Zahlen sprechen für sich: Die Corona-Sterbequote pro einer Million Menschen ist im Vergleich zu anderen Ländern mit 440 tief. Beim Nachbarland Schweden liegt die Quote bei 1436, in der Schweiz bei 1268. Ziel der Regierung sei es, eine Impfquote von 90 Prozent zu erreichen.

Die Corona-Situation in Dänemark.
© JHU CSSE COVID-19 Data / Screenshot Google

Die Corona-Situation in der Schweiz.
© JHU CSSE COVID-19 Data / Screenshot Google

Ein Risiko bleibt aber: Sollten impfstoffresistente Mutanten dominieren, brauche es wieder Massnahmen. Bis ein neuer Impfstoff aushilft. Auch wenn Corona nie ganz weg sein wird, die Bedrohung ist es – zumindest in Dänemark.

(kmu)

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 3. September 2021 05:29
aktualisiert: 3. September 2021 20:03