Schweiz

Daniel Koch kontert Kritik nach deutscher Studie zu Ansteckung bei Kindern

30. April 2020, 17:28 Uhr
Bundesrat Alain Berset, rechts, und Daniel Koch, Delegierter des BAG für COVID-19, kommen zu einer Medienkonferenz des Bundesrates über die Situation des Coronavirus.
© Peter Klaunzer (Bern, 29. April 2020
Gesundheitsminister Alain Berset war am Donnerstag auf Besuch in Zürich. Neben freundlichen Worten gab es auch leise Kritik von der Zürcher Regierung. Zur Sprache kam auch eine vieldiskutierte Studie aus Deutschland.

Konkret geht es um eine Studie des deutschen Virologen Christian Drosten. Diese war zum Schluss gekommen, infizierte Kinder hätten eine gleich hohe Virenlast wie Erwachsene. Vor den Medien in Zürich stellte Daniel Koch vom Bundesamt für Gesundheit am Donnerstag klar, die Studie habe keinen Einfluss auf die angekündigte Öffnung der Schulen. Kinder seien selten infiziert und daher nicht Treiber des Virus. Laut Koch zeigt das auch ein Blick auf andere Länder, wo die Schulen nicht geschlossen wurden.

Auch Christian Drosten selbst relativiert inzwischen seine Aussage. Auf Twitter schreibt er: «Eine neue Studie zeigt: Das Risiko sich bei einem Erwachsenen am Coronavirus anzustecken etwa drei Mal höher, als sich bei einem Kind anzustecken.»

Gesundheitsminister Alain Berset sekundierte, der Bundesrat sei überzeugt, dass dieser Schritt kein grösseres Problem darstelle. Schulen benötigten für die Wiedereröffnung zudem ein gutes Schutzkonzept. «Wir wollen keinen Blindflug machen», betonte Berset im Hinblick auf die generellen Öffnungsschritte am 11. Mai. Umso wichtiger werde das Monitoring sein. Berset machte aber auch klar, dass die Bevölkerung die Abstands- und Hygieneregeln sehr ernst nehmen müssten. «Sonst wird es ziemlich kompliziert.»

Bei der Contact-Tracing-App warnte Berset vor allzu hohen Erwartungen. Diese könne die Arbeit der Kantone zur Rückverfolgung von Ansteckungsketten nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen. Der Kanton Zürich wird 30 Personen dafür einsetzen.

Umstrittene Kostenteilung bei Tests

Die Medienkonferenz bildete den Abschluss von Bersets Besuch in Zürich. Davor hatte er die Zürcher Regierung getroffen und sich über die Arbeit der Gesundheitsdirektion informieren lassen. Ein besonderes Anliegen sei ihm gewesen, ein Altersheim zu besuchen, sagte Berset. Dabei fand er auch Zeit für ein persönliches Gespräch mit einer 92-jährigen Bewohnerin.

Die Zürcher Regierung war an der Medienkonferenz mit Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli und Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh vertreten. Beide lobten die gute Zusammenarbeit mit dem Bund und Bundesrat Berset.

Regierungsrätin Rickli fand auch kritische Worte. Nicht erfreut sei sie gewesen, dass die Krankenkassen Coronatests nur bei Menschen mit schweren Symptomen bezahlen würden. In den anderen Fälle müsse der Kanton einspringen. Bundesrat Berset räumte ein, dass Bund und Kantone über diese Kostenteilung noch einmal sprechen sollten.

Erleichtert zeigte sich Volkswirtschaftsdirektorin Walker Späh über die gestern angekündigten Lockerungen des Bundesrates. Als wirtschaftliches Herz der Schweiz sei das für Zürich sehr wichtig. «Jeder einzelne Tag zählt.» Die Kontrollen seit Montag hätten im Kanton gezeigt, dass die Unternehmen ihre Verantwortung wahrnähmen.

(rwa)

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 30. April 2020 16:18
aktualisiert: 30. April 2020 17:28