Uni Zürich

Dank mehr Gleichstellung sind Eltern heute zufriedener

8. Oktober 2019, 10:48 Uhr
Eltern haben mehr Freiräume als früher, wie sie Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit aufteilen wollen. Das steigert die Lebenszufriedenheit. (Archivbild)
Eltern haben mehr Freiräume als früher, wie sie Kinderbetreuung und Erwerbstätigkeit aufteilen wollen. Das steigert die Lebenszufriedenheit. (Archivbild)
© KEYSTONE/GAETAN BALLY
Mütter und Väter haben heute bessere Möglichkeiten, Beruf und Kinderbetreuung aufzuteilen und unter einen Hut zu bringen. Das hat die Lebenszufriedenheit von Eltern im Vergleich zu den 1980er Jahren erhöht, wie Sozialwissenschaftler der Uni Zürich zeigen.

Die gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und Männer haben sich geändert. Mutterschaft gilt nicht mehr als zwingend für ein erfülltes Leben als Frau. Bekommt eine Frau Kinder, wird nicht erwartet, dass sie ihren Beruf aufgibt. Und auch Väter, die sich an der Kinderbetreuung beteiligen, sind schon lange keine Exoten mehr.

Im Vergleich zu den 1980er Jahren sind insbesondere Mütter heute zufriedener, berichten Forschende der Universität Zürich zusammen mit deutschen Kollegen im Fachblatt «Gender & Society».

Für ihre Studie werteten sie Daten aus einer Langzeitstudie des Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) aus, für die in Deutschland 18'000 Frauen und knapp 12'000 Männer zwischen 1984 und 2015 befragt wurden. In diesen Zeitraum fallen familienpolitische Massnahmen wie eine Elternzeit für Mütter und Väter und die Schaffung und der Ausbau von Kinderbetreuungs-Möglichkeiten ausserhalb der Familie.

«Maternal Happiness Gap» verschwunden

In den 1980er Jahren gaben Mütter bei der Befragung mehrheitlich an, weniger zufrieden mit ihrem Leben zu sein als kinderlose Frauen, wie die Uni Zürich am Dienstag in einer Mitteilung schrieb. Gründe dafür seien, dass das «Glücksversprechen Kind» - auch eine Folge des damaligen Tabus, kritisch über die Mutterschaft zu sprechen - damals nicht eingelöst wurde.

«Mit zunehmenden Freiheiten, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden und die Elternschaft zu gestalten, ist der sogenannte ‹maternal happiness gap› verschwunden», erklärte Klaus Preisner von der Uni Zürich gemäss der Mitteilung. «Heute finden wir keine Unterschiede mehr in der Lebenszufriedenheit von Müttern und kinderlosen Frauen.»

Anerkennung für engagierte Väter

Auf der anderen Seite seien die Erwartungen an Väter, sich an der Kinderbetreuung zu beteiligen, Elternzeit zu nehmen und im Beruf kürzer zu treten, eher gewachsen. Trotzdem unterscheidet sich die Lebenszufriedenheit von Vätern und kinderlosen Männern nicht, berichten die Forschenden. Zudem erhielten Väter, die den neuen Erwartungen gerecht werden, heute immer häufiger öffentliche Anerkennung für ihr Engagement, sagte Preisner.

Eine moderne Familienpolitik sei demnach nicht nur für die Gleichstellung von Frauen und Männern von grosser Bedeutung, hiess es weiter. Sie steigere auch die Lebenszufriedenheit der Eltern und damit letztlich auch der Kinder, betonte Preisner.

Quelle: sda
veröffentlicht: 8. Oktober 2019 10:40
aktualisiert: 8. Oktober 2019 10:48