Landwirtschaft

Darum begrüsst der Bauernverband die neuste SVP-Initiative

Bettina Zanni, 15. August 2022, 17:43 Uhr
Das Bundesratspaket für eine nachhaltigere Landwirtschaft geht dem Bauernverband zu weit. Er begrüsst deshalb eine neue Initiative aus den Reihen der SVP. Diese will, dass Schweizer Bauern mehr Lebensmittel fürs Inland produzieren.

Der Agrar-Kurs des Bundesrats ist für die SVP-Nationalräte Esther Friedli und Marcel Dettling ein Ärgernis. Mit einer neuen Bauern-Initiative will das Duo diesem begegnen. Die Initiative fordert laut «Blick», dass der Selbstversorgungsgrad netto (siehe Box) auf mindestens 60 Prozent und damit um über zehn Prozent steigt. Demnach müssten die Schweizer Bauern künftig ein Fünftel mehr produzieren als heute. «Der Ukraine-Krieg führt uns vor Augen, wie wichtig die Selbstversorgung ist», sagt Marcel Dettling.

Den Köpfen hinter der Initiative bereitet das Verordnungspaket für eine nachhaltigere Landwirtschaft des Bundesrats Sorgen. Dieses sieht vor, das Nährstoff- Reduktionsziel bei Stickstoff und Phosphor bis 2030 auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen. Zudem sollen ab 2024 mindestens 3,5 Prozent der Ackerflächen in Biodiversitätsförderflächen umgewandelt werden.

Schweiz stehe in der Pflicht

Durch das Paket droht der Selbstversorgungsgrad bei Nahrungsmitteln weiter zu sinken, wie die Zeitung schreibt. 2020 sank dieser im Vergleich zu 2014 von über 60 Prozent brutto auf 56 Prozent. Ein Teil der Inlandproduktion beruht auf importierten Futtermitteln. Der Netto-Selbstversorgungsgrad liegt deshalb mit sinkender Tendenz, auch wegen der Bevölkerungszunahme, sogar bei nur 49 Prozent.

Der Schweizer Bauernverband begrüsst die Initiative. Die angedachte Initiative spreche ein wichtiges Anliegen an, sagt Mediensprecherin Sandra Helfenstein auf Anfrage der Today-Zentralredaktion. «Krisen, wie jene infolge von Corona oder der immer noch andauernde Krieg im wichtigen Exportland Ukraine zeigen, dass die ausreichende Ernährung aller Menschen mit Essen zu den grossen Herausforderung der Zukunft gehören.» Hier stehe die Schweiz in der Pflicht, den ihr möglichen Beitrag zu leisten.

«Verringung von Foodwaste»

Laut Helfenstein ist klar, dass ein höherer Selbstversorgungsgrad möglich ist, ohne die heutigen Errungenschaften bei der Ökologie infrage zu stellen. Dies habe auch der damalige Bundesrat Schneider Ammann (FDP) während der Debatte zur Ernährungssicherheitsinitiative bestätigt. «Allein schon die Verringerung des Foodwaste hätte einen grossen Effekt.»

Helfenstein kritisiert, dass der Bundesrat mit den 3,5 Prozent zusätzlichen Ökoflächen auf dem besten Ackerland und überrissenen Stickstoffreduktionszielen eindeutig über das Ziel hinausgeschossen habe.

«Regierung hat Hauptaufgabe aus Augen verloren»

Wichtig sei eine Diskussion zum Selbstversorgungsgrad, respektive zur Bedeutung, die wir der Lebensmittelproduktion gäben, aus einem weiteren Grund: «Weil unsere Regierung zurzeit diese Hauptaufgabe der Landwirtschaft etwas aus den Augen verloren hat.»

Am 12. September startet die Herbstsession. Dann hat es laut Helfenstein das Parlament in der Hand, Korrekturen anzubringen. Entsprechende Vorstösse seien traktandiert. Zum Schluss hält sie fest: «Neben dem Selbstversorgungsgrad müssen wir aber darauf achten, dass wir eine marktkonforme Vielfalt der Schweizer Lebensmittelproduktion erhalten oder gar fördern können.»

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 15. August 2022 12:09
aktualisiert: 15. August 2022 17:43
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