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«Das ist ein Schock»

Lena Rhyner, 17. Dezember 2018, 18:02 Uhr
Naturafarm-Kalbfleisch soll bald Geschichte sein – Coop stellt ab 2020 das tierfreundliche Label für Fleisch vom Kalb ein. Für einige Kälbermäster ein Schlag ins Gesicht.
Coop pfeift auf Naturafarm-Kalbfleisch – aus finanziellen Gründen.
© (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Kauft man im Coop Kalbfleisch mit dem Label Naturafarm, kann man davon ausgehen, dass die Kälber genügend Auslauf und frische Luft geniessen konnten. Der Platz im Regal mit Naturafarm-Kalbfleisch wird ab 2020 jedoch leer sein. Coop stellt das tierfreundliche Label ein. Aus finanziellen Gründen, wie Roland Frevel, Leiter des Bereiches Frischprodukte des Coops sagt. Coop habe zu viel eingekauftes Naturafarm-Fleisch teilweise abwerten müssen. Und musste es beispielsweise als Prix-Garantie-Fleisch verkaufen. «Diese Kosten können wir einfach nicht mehr tragen», sagt Frevel zu SRF. Zudem sei die Nachfrage nach Kalbfleisch rückläufig. Deshalb wolle man in Zukunft nur noch ein tierfreundliches Kalbfleisch-Label führen.

Unerklärlicher Beschluss

Jörg Oberle versteht die Welt nicht mehr. Als Inhaber der Firma Gefu Oberle AG und tierfreundlichem Kalbfleisch-Verteiler ist er direkt betroffen. «Ich war geschockt. Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht, dass Coop das Naturafarm-Kalbfleisch einstellt.», sagt Oberle. Gerade noch habe er zusammen mit Coop viel Geld in Tierwohl und Tiergesundheit investiert. Dieser plötzliche Sinneswandel sei für ihn unerklärlich.

Keine Entschädigungen mehr

Als Lieferant von nachhaltigen, ökologischen und CO2-reduzierten Futtermitteln könne er einige Kunden aufzählen, die ihre Betriebe nun einstellen werden müssen. «In den letzten Jahren haben viele Bauern in die Vorschriften von Naturafarm investiert. Ohne die Entschädigungen von Naturafarm wird es fast unmöglich sein, zu überleben», sagt Oberle. Besonders Bauern, die keiner Organisation angehören, werden vermutlich aufhören müssen, so die Einschätzung von Oberle. Denn dank diesen Entschädigungen hätten Bauern die Mittel, in die Vorschriften von Naturafarm zu investieren: mehr Auslauf für die Kühe, tierfreundliche Ernährung, frische Luft und genügend Nährstoffe dank frischem Wiesengras.

Roland Frevel beschwichtigt gegenüber SRF: «Wir werden zum Schluss sicher jeden einzelnen Fall individuell prüfen und verträgliche Lösungen suchen.»

Auch Schweinefleisch betroffen

Weniger hart, aber trotzdem signifikant trifft es auch das Schweinefleisch unter dem Naturafarm-Label. Coop kauft in Zukunft ein Drittel weniger Naturafarm-Schweinefleisch ein, was rund 90'000 Schweinen entspricht. Das macht auch den Präsidenten der Schweine-Produzenten, Meinrad Pfister, wütend. «Die Produzenten haben ihre Hausaufgaben gemacht und die Erwartungen erfüllt, die an sie gestellt werden. Das Schizophrene ist aber, dass dafür nichts bezahlt werden will. Das ist das, was die Produzenten zutiefst frustriert», sagt Pfister.

Lena Rhyner
Quelle: rhy
veröffentlicht: 17. Dezember 2018 18:02
aktualisiert: 17. Dezember 2018 18:02