Aviatik-Experte zur Skyguide-Panne

«Das ist ganz klar ein Reputationsschaden»

Maarit Hapuoja, 15. Juni 2022, 14:21 Uhr
Patrick Huber, Aviatik-Experte und ehemaliger Chefredaktor des Luftfahrt-Magazins «Cockpit», spricht über die Skyguide-Panne vom Mittwochmorgen: Wie ein Pilot sich verhalten soll, wenn der Luftraum geschlossen wird und was der Vorfall für das Image der Schweiz bedeutet.
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Quelle: CH Media Video Unit / Katja Jeggli

Patrick Huber, war die Entscheidung richtig, den Luftraum zu schliessen?
In diesem speziellen Fall – in dem man nicht genau gewusst hat, was der Grund dieser Panne ist – musste man vom Schlimmsten ausgehen. Im Nachhinein kann man sagen, dass es übertrieben war. Aber wahrscheinlich war es in diesem Fall die richtige Entscheidung.

Kann man von einem Sicherheitsrisiko sprechen, das in solchen Fällen eintreffen könnte?
Ja natürlich. Die Flugzeuge können nicht mehr geleitet werden, sie sind nicht mehr unter der Herrschaft von Skyguide. Also kann der Fluglotse, der den Flug begutachtet, nicht mehr kontrollieren, dass der Flieger auf dem richtigen Weg ist. Wenn dies nicht mehr gewährleistet ist, dann könnte es im schlimmsten Fall zu einem Unfall, zu einer Katastrophe kommen.

Angenommen ich sei Pilotin und fliege auf Zürich zu und mir fehlen noch ein paar Kilometer. Und dann kommt die Meldung «Luftraum zu». Was muss ich machen? Landen? Umdrehen?
Dann wird man sich einem Ausweichflughafen zuwenden. Bevor man einen Flug angeht, werden nämlich solche Flughäfen bestimmt. Im Falle eines Fluges nach Zürich wäre beispielsweise Stuttgart ein Ausweichflughafen. Dann würde man dorthin fliegen. Wenn der Luftraum geschlossen und der Flughafen zu ist, dann ist er wirklich zu. Das ist wie bei einem geschlossenen Tunnel. Wenn die Ampel vor dem Tunneleingang rot leuchtet, kann man da nicht trotzdem durchfahren.

Wohin sind die Flugzeuge am Mittwoch ausgewichen?
Teils sind die Flieger nach Mailand geflogen, andere haben sich nach Wien begeben. Gewisse Flugzeuge sind nach München geflogen, und Lyon dürfte auch eine Ausweichmöglichkeit gewesen sein. Das sind die nächsten Flughäfen, die man ansteuern kann. Man muss wissen, dass man am Ende eines Fluges wenig Kerosin hat, deshalb kann man nicht lange Ausweichrouten fliegen.

Was passiert, wenn ein Flugzeug trotzdem in die Schweiz einfliegt?
Das müsste dann die Luftwaffe abklären. Da gab es mal einen Fall in Genf, als ein arabisches Flugzeug landen wollte. Dieses wurde von einer Person entführt, die nachher politisches Asyl beantragte. Damals musste die Luftwaffe untersuchen, was mit diesem Flugzeug überhaupt los ist, weil es nicht mehr reagiert hatte. Aber in diesem speziellen Fall am Mittwoch haben alle gewusst, dass es ein Systemfehler bei Skyguide ist. Es funktionierte zwar nichts mehr, aber von einem terroristischen Risiko kann nicht die Rede sein.

Wie werten Sie diesen Fall? Ist das ein Imageschaden für die Schweiz?
Ganz klar ist es ein Reputationsschaden. Wenn sogar in Frankreich am gleichen Morgen über diesen Fall in der Schweiz berichtet wurde, dann schlägt das grössere Wellen. Ich hoffe auf jeden Fall, dass dies ein einmaliger Fall ist, dass sich das nicht wiederholt.

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 15. Juni 2022 14:25
aktualisiert: 15. Juni 2022 14:25
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