Der Bär tanzt in Misox, noch

Erika Pál, 5. September 2015, 19:26 Uhr
Die Wildhut im sündbündnerischen Misox bestätigt es: In Graubünden ist tatsächlich wieder ein Bär unterwegs. Im Gegensatz zu M13 (Foto), der 2013 aus Sicherheitsgründen erlegt wurde, ist er menschenscheu.
Die Wildhut im sündbündnerischen Misox bestätigt es: In Graubünden ist tatsächlich wieder ein Bär unterwegs. Im Gegensatz zu M13 (Foto), der 2013 aus Sicherheitsgründen erlegt wurde, ist er menschenscheu.
© KEYSTONE/AMT FUER JAGD UND FISCHEREI GR/LIVIO COSTA
Im südbündnerischen Misox ist tatsächlich ein Bär unterwegs. Ein Wildhüter hat am Freitag in weichem Boden Spuren des Grossraubtieres gefunden. Meister Petz selber liess sich hingegen nicht blicken.

Die Anwesenheit des Bären im Val di Roggiasca war am Donnerstag von einem Jäger gemeldet worden. Der Grünrock war dem Tier auf einem Wildwechsel begegnet. Um sich ein Bild zu machen, schickte die Wildhut des Bezirks Moesa am Freitag den Wildhüter in das abgelegene Seitental an der Grenze zu Italien.

Rückschlüsse auf Alter oder Geschlecht des aus dem Nachbarland eingewanderten Bären liessen sich aus den Tatzenabdrücken nicht ziehen, sagte Nicola De Tann, Chef der Wildhut Moesa, der Nachrichtenagentur sda. Die Spuren seien vom Regen verwaschen worden. Hingegen Bestünde kein Zweifel, dass sie von einem Bären stammten.

Ob der Bär bleibt ist ungewiss

Ob der Bär im Misox bleibt, ist laut De Tann völlig offen. Das Val di Roggiasca bietet dem Tier zwar gute Lebensbedingungen. Dennoch kann Meister Petz schnell wieder in Italien sein. Bären auf Wanderschaft legen in kurzer Zeit oft beachtliche Strecken zurück.

Die Wildhut will nun zusammen mit Hirten und Jägern ein Monitoring aufziehen. Da die Bündner Hochjagd gerade begonnen hat, sind zur Zeit viele Grünröcke unterwegs. So ist es kein Zufall, dass der Bär am Donnerstag von eine Jäger beobachtet worden war: Es war der erste Tag der dreiwöchigen Bündner Hochjagd.

Meister Petz kam auf einem Wildwechsel auf den Jäger zu. Als das Tier den Mann bemerkte, wechselte es die Talseite. Das ist laut dem Wildhutchef ein gutes Zeichen. Offenbar ist der Bär menschenscheu. Damit ist die Gefahr geringer, dass das Grossraubtier in Siedlungen auftaucht.

Erhöhte Aufmerksamkeit gefordert

Die Scheue erhöht die Überlebenschancen des Tieres. Bären, die keine Angst vor dem Menschen zeigen und wiederholt bis in Siedlungen vordringen, werden aus Sicherheitsgründen abgeschossen. Dieses Schicksal traf M13. Nach knapp einem Jahr im Gebirgskanton wurde das dreijährige Männchen im Februar 2013 im Puschlav von der Wildhut erlegt.

Grund für Aufregung besteht im Misox aufgrund der Scheue des Bären also nicht. Zudem liegt das Val di Roggiasca mehrere Marschstunden entfernt von der nächsten Ansiedlung auf dem Boden der Gemeinde Roveredo.

Dennoch erfordert laut De Tann die Anwesenheit des Grossraubtieres erhöhte Aufmerksamkeit, insbesondere von den Hirten auf den Alpen. Die Wildhut hat sie vorgewarnt. Zur Sicherheit sollen die Nutztiere über Nacht bei den Alpgebäuden zusammengetrieben werden. Einzelne Alpen verfügen über Herdenschutzhunde.

Erika Pál
Quelle: SDA
veröffentlicht: 5. September 2015 13:16
aktualisiert: 5. September 2015 19:26