Nach 17 Jahren

Die Gemeinde-Tageskarte wird abgeschafft

Stefanie Rohner, 7. Oktober 2020, 16:07 Uhr
Seit 2003 gibt es sie: die Gemeinde-Tageskarte. Damit ist bald Schluss. Noch bis Ende 2023 können Gemeinden und Städte Tageskarten für den öffentlichen Verkehr anbieten. Wegen der Digitalisierung wird das Angebot in der heutigen Form abgeschafft.
Aus der Zeit gefallen: Die «Tageskarte Gemeinde» steht wegen der Digitalisierung vor dem Aus.
© Keystone
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«Die Nachfrage geht zurück und mit den Spartageskarten und Sparbilletten hat man ein Angebot geschaffen, auf welches spontaner zugegriffen werden kann. Auch einen Tag vorher können diese noch bezogen werden», sagt Reto Hügli, Mediensprecher der Alliance SwissPass.

Sparbilllette und Spartageskarten hätten in den letzten Jahren zu einem rückläufigen Umsatz bei den Gemeinde-Tageskarten geführt. Leute mit Halbtax können gar eine Tageskarte beziehen, die günstiger ist als die Gemeinde-Tageskarte.

«Gemeinden tragen das Risiko»

Hinzu komme, dass der Bezug viel bequemer ist. «Spartageskarten können via App gekauft werden, für die Gemeinde-Tageskarten muss man bei der Stadt oder der Gemeinde vorbei, um diese abzuholen», sagt Hügli. Der Vertriebsaufwand sei zudem gestiegen und der Verkauf sei vielerorts nicht mehr kostendeckend.

«Für die Gemeinden und Städte besteht zudem das Risiko, dass sie nicht alle bestellten Tageskarten verkaufen können. Die Kosten tragen sie dennoch», sagt Hügli.

«Für einige ein Nachteil»

Eine Digitalisierung der Tageskarte sei geprüft, jedoch verworfen worden: Diese wäre «aufgrund der unterschiedlichen Schnittstellen und IT-Lösungen nur mit einem unverhältnismässig hohen finanziellen und personellen Aufwand realisierbar», so die Alliance SwissPass.

Fahrausweise werden nach und nach digitalisiert, bei der Tageskarte sei der Aufwand zu gross. «Es gibt natürlich aber noch Kundinnen und Kunden, die nicht ganz so affin sind im digitalen Bereich und diese nutzen die Tageskarten. Daher dürfte es für sie ein Nachteil sein, wenn das Angebot wegfällt», sagt Hügli.

Zusammenarbeit mit Coop und der Post

Das Angebot werde deshalb nur noch bis Ende 2023 aufrecht erhalten. Die Partnerschaft mit dem Schweizerischen Gemeindeverband und dem Schweizerischen Städteverband soll aber aufrecht erhalten werden.

Per 2024 werde den Städten und Gemeinden ein «neues attraktives Angebot» zur Verfügung stehen. «Vorstellbar sind beispielsweise Tageskarten-Aktionen, wie sie bereits mit Coop und Post bestehen: in einem gewissen Zeitraum sind günstigere Tageskarten erhältlich», sagt Hügli.

Verschiedene Varianten denkbar

Auch Gemeinden und Städte sollen die Möglichkeit haben, Billette des öffentlichen Verkehrs zu Sondertarifen zu verkaufen. Noch gibt es keine definitive Entscheidung, welches Angebot ab 2024 zur Verfügung steht, laut Hügli sind verschiedene Varianten denkbar.

«Welche Varianten das sind, werden wir aber erst kommunizieren, wenn die Entscheidung gefallen ist», sagt Hügli.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. Oktober 2020 11:25
aktualisiert: 7. Oktober 2020 16:07