«Aktenzeichen XY ungelöst»

Die schlimmsten und bekanntesten Mordfälle der Schweiz

Joelle Maillart, 20. Oktober 2022, 14:28 Uhr
Heute Donnerstag feiert die Sendung «Aktenzeichen XY» ihr 55. Bestehen. Sie beschäftigt sich mit ungelösten Mordfälle in der Schweiz. Einige werden Dank der Sendung nach 15 Jahren aufgelöst – andere bleiben nach wie vor rätselhaft und gehören zu den grausamsten Morden der Schweiz.
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Auf Wikipedia findet man 53 Einträge in der Kategorie «Kriminalfall in der Schweiz». Einige Verbrechen konnten bis heute nicht gelöst werden. Andere wiederum dank der Sendung «Aktenzeichen XY ungelöst» Jahre später – die Sendung feiert heute Donnerstag ihr 55. Bestehen.

Der Todespfleger von Luzern

Mit 22 getöteten Menschen gehört er zu den schlimmsten Serienmörder der Schweiz – Roger Andermatt. Bekannt wurde er als «Todespfleger von Luzern». Zwischen 1995 und 2001 ist er der Serienmörder mit den meisten Opfern in der schweizerischen Kriminalgeschichte. In zweiter Instanz wurde er jedoch nur noch in sieben Fällen wegen Mordes belangt. Die restlichen Fälle wurden nur noch als «vorsätzliche Tötung» eingestuft. Andermatt war geständig und wurde aufgrund der grossen Anzahl von Opfern trotz Straflinderung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Der Kindermörder

Werner Ferrari ist einer der bekanntesten Schweizer Serienmörder. Zwischen 1980 und 1989 lockte er mindestens fünf Kinder unter anderem von Volksfesten weg, missbrauchte einige der Opfer und erdrosselte sie. Fast zehn Jahr lang lief die Fahndung nach Werner Ferrari ins Leere und war damit die wohl längste und intensivste Polizeifahndung in der Schweizer Kriminalgeschichte.

Insgesamt wurden in der Zeit zwischen 1980 und 1989 schweizweit elf Kinder entführt. Acht Kinder wurden brutal ermordet aufgefunden, drei gelten bis heute offiziell als vermisst. Ob Werner Ferrari auch die weiteren bis heute ungeklärten Mordfälle verübt hat, ist bis heute nicht geklärt. Werner Ferrari legte für vier Fälle ein Geständnis ab und wurde 1995 zu einer lebenslanger Zuchthausstrafe verurteilt.

Der Mord am Barchetsee

Am 13. Dezember 2007 wurde ein 27-jähriger Ägypter tot aus dem Barchetsee bei Oberneunforn geborgen. Die Leiche wies Schusswunden auf und war beschwert mit einem 30 Kilogramm schweren Betonelement.

Die Kantonspolizei Thurgau ersuchte die Bevölkerung im März 2022 in der Fernsehsendung «Aktenzeichen XY ungelöst» um weitere Hinweise in diesem Fall – das erfolgreich. Es kamen über 80 neue Hinweise rein, die zu einem zweiten Tatverdächtigen führten und die Kapo Thurgau damit in dem Fall einen Schritt weiter brachten.

Vierfachmord von Rupperswil

Der Vierfachmord von Rupperswil 2015 gilt als eines der grausamsten Verbrechen der Schweizer Kriminalgeschichte. Die Mordausführungen von Thomas N. sind an Kaltblütigkeit kaum zu übertreffen. Seine vier Opfer, die Mutter Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie dessen Freundin Simona F. (†21) suchte er zufällig aus. Zugang zur Wohnung verschaffte er sich mit einem Trick. Mit einer gefälschten Visitenkarte gab er sich als Schulpsychologe aus. Die Motive des Mörders waren finanzieller und sexueller Art.

Quelle: ArgoviaToday / Severin Mayer

Für Hinweise zur Aufklärung des Verbrechens war im Februar 2016 eine Belohnung von 100'000 Schweizer Franken ausgesetzt worden, der höchste Betrag in der Schweizer Kriminalgeschichte. Dank DNA-Spuren wurde der Täter im Mai 2016 schliesslich verhaftet und zwei Jahre später zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe verurteilt.

Fünffachmord von Seewen

Als grösstes ungelöstes Verbrechen der Schweiz gilt der Mordfall von Seewen. Im Jahr 1976 wurden in der 1000-Seelengemeinde Seewen im Kanton Solothurn fünf Menschen ermordet. Die Ermordung glich einer regelrechten Hinrichtung. Ermordet wurde das Hausbesitzerehepaar, die 80-jährige Schwester des Hausbesitzers sowie deren beide Söhne.

Alle Opfer wurden aus einer Distanz von höchstens drei Meter erschossen und wiesen Schüsse in Stirn und Brust auf. Keines der Opfer versuchte zu fliehen. Der Fall ist nach wie vor ungeklärt.

«Höhlenmord» Bruggerberg

Aktuell sorgt der Fall im Kanton Aargau erneut für Aufsehen. Im Frühjahr 2019 wurde Dejan D.* als vermisst gemeldet, nachdem er seine Wohnung in unbekannte Richtung verlassen hatte und nicht wiederkehrte. Zunächst blieb er aber fast ein Jahr lang spurlos verschwunden. Erst im April 2020 schaufelten Wanderer den Eingang zu einer Höhle auf dem Bruggerberg frei und stiessen überraschend auf die Leiche des vermissten Dejan D. Obwohl an der Leiche keine Spuren äusserer Gewalteinwirkung festgestellt werden konnten, ging die Polizei aufgrund der verschlossenen Höhle von einem Tötungsdelikt aus. Trotz intensiver Ermittlungen kam die Polizei aber in diesem Fall zunächst kaum weiter.

Quelle: TeleZüri / Archiv-Video vom 29.4.2021

Im März 2021 wurde dann eine Sonderkommission für die Aufklärung des Falls gegründet. Nach umfangreichen Ermittlungen und Hinweisen aus der Bevölkerung konnte die Kantonspolizei Aargau knapp einen Monat später bereits den Beschuldigten Pascal K.* festnehmen. Dieser gestand die Tat schliesslich. Seit Montag muss der Täter sich vor dem Gericht verantworten – heute Donnerstag wird das Urteil gefällt.

(joe)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 20. Oktober 2022 09:18
aktualisiert: 20. Oktober 2022 14:28