Schweiz

Diese Assistenzsysteme für Autos sind ab 7. Juli in der Schweiz Pflicht

Autofahren

Technik übernimmt bald das Steuer – und tritt Rasern auf die Bremse

· Online seit 07.07.2024, 10:49 Uhr
Schon seit einigen Jahren existieren Assistenzsysteme, die das Fahren erleichtern und im Notfall Unfälle vermeiden sollen. Ab 7. Juli werden viele von ihnen für Neuwagen zur Pflicht.
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Manche Autofahrerinnen und Autofahrer behandeln Geschwindigkeitsvorschriften eher wie gut gemeinte Vorschläge. Dabei können schon kleine Geschwindigkeitsübertretungen fatale Konsequenzen haben, da der Bremsweg sich dadurch um ein Vielfaches erhöht.

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Technische Massnahmen werden den Hobby-Rennfahrern aber bald schon einen Riegel vorschieben. Schon seit einigen Jahren existieren Systeme, die bei gefährlichen Situationen oder unachtsamem Fahren eingreifen. Ab heute sind aber nur noch Neuwagen zugelassen, die über gewisse dieser Assistenzfunktionen verfügen. Ein Überblick darüber, welche Systeme neu Pflicht sind und ob sie wirklich zu mehr Sicherheit im Strassenverkehr beitragen:

Notbremsassistent

Ziemlich selbsterklärend tritt dieses System dann auf die Bremse, wenn es eine Gefahrensituation erkennt.

Müdigkeitswarner

Driftet die Aufmerksamkeit des Fahrers ab oder droht Sekundenschlaf, warnt das System und fordert den Lenker zu einer Pause auf.

Notwarnsystem für Toten Winkel

Informiert über Vorhandensein von Personen und Radfahrenden im nicht einsehbaren Bereich unmittelbar vor der Front, warnt vor einer Kollision.

Blackbox

Der Unfallspeicher kommt zum Zug, wenn es kracht. Er zeichnet Daten auf, die bei der Rekonstruktion des Unfalls helfen können.

Rückfahrassistent

Auch dieses Hilfsmittel ist künftig Pflicht. Es informiert den Fahrer über Personen oder Hindernisse, die sich hinter dem Auto befinden. Lieblingstool aller Personen, die Mühe haben, rückwärts zu parkieren.

Was ist mit Geschwindigkeitsassistenten?

Systeme, die per Kamerasensor oder über GPS-Navigation Tempolimits erkennen und bei zu hoher Geschwindigkeit eingreifen, bleiben in der Schweiz fakultativ. In der EU hingegen ist es Pflicht. Da der Automarkt hierzulande im Vergleich zur EU unbedeutend ist, kann man davon ausgehen, dass Geschwindigkeitsassistenten auch hierzulande flächendeckend eingeführt werden. Nicht wegen gesetzlichen Bestimmungen, sondern wegen der Logik des Marktes.

Wird es künftig also unmöglich, zu schnell zu fahren?

Nicht ganz. Es gibt verschiedene Ausführungen des Systems: Während bei manchen Modellen bei Geschwindigkeitsübertretungen die Motorleistung und damit die Geschwindigkeit direkt reduziert werden, warnen andere nur mittels eines blinkenden Warnlichts oder einem erhöhten Widerstand des Gaspedals vor zu schnellem Fahren.

Zudem lässt sich der Geschwindigkeitsassistent ausschalten. Dabei gibt es jedoch einen Haken. Sobald der Wagen neu gestartet wird, wird das System wieder aktiviert.

Bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) rät man jedoch ohnehin davon ab, die technischen Hilfsmittel auszuschalten: «Fahrerassistenzsysteme sollten immer eingeschaltet bleiben.» Auch wenn es gelegentlich zu Falschauslösungen kommen könne, überwiege in vielen Fällen der Schutz vor potenziell schwerwiegenden Unfällen, die durch das System verhindert werden könnten.

Bergen die technischen Fortschritte Risiken?

Lucien Combaz, Medienverantwortlicher des BFU sagt dazu: «Fahrerassistenzsysteme sind, wie es der Name schon sagt, Assistenten.» Die Person am Steuer bleibe stets in der Verantwortung für eine sichere Fahrt. «Die Aufmerksamkeit gilt der Strasse, Nebentätigkeiten sind nicht erlaubt.» Wer sich dessen bewusst sei, sei mit Fahrerassistenzsystemen sicherer unterwegs.

Klar sei aber auch, dass ein gewisses Risiko existiere, sich zu sehr auf die technischen Hilfsmittel zu verlassen. «Wer zu viel Vertrauen hat, ignoriert die Leistungsgrenzen von Assistenzsystemen – und denen sollte man sich immer bewusst sein.»

So sind Fehlfunktionen beispielsweise nicht komplett ausgeschlossen. Lorenzo Quolantoni, Mediensprecher des Bundesamts für Verkehr (Astra), gibt aber zu bedenken, dass Assistenzsysteme die Fahrerinnen und Fahrer in keiner Weise von ihren Pflichten und Verantwortung entbinden. Und: «Diese Systeme sind so konzipiert, dass sie jederzeit übersteuerbar sind.» Deshalb sei es insbesondere wichtig, zu jeder Zeit beide Hände am Lenkrad zu lassen.

Was sind die Vorteile von Assistenzsystemen?

Die Vorteile liegen auf der Hand: Während Menschen beim Fahren abgelenkt oder müde werden, Fehler begehen und beispielsweise ihre Sicht und Reaktionszeit limitiert ist, sind Sensoren immer «wachsam» und können bei Gefahr ohne Verzögerung reagieren.

Lucien Combaz vom BFU spricht davon, dass mit den Assistenzsystemen bis zu 50 Prozent der schweren Verkehrsunfälle vermieden werden können.

Wo liegen mögliche Probleme?

Viele Personen machen von der Möglichkeit Gebrauch, gewisse Funktionen auszuschalten. Nur die Hälfte aller Personen nutzt beispielsweise den Spurassistenten, etwas mehr den Notbremsassistenten.

Systeme können noch so hilfreich sein, wenn sie von den Fahrerinnen und Fahrern nicht akzeptiert werden, nützen sie gar nichts. Doch wenn Neulenkerinnen und Neulenker von Beginn an nichts anderes kennen als technisch unterstützte Fahrzeuge, wird wohl auch die Akzeptanz wachsen.

Müssen ältere Autos aufgerüstet werden?

Nein, die Anforderungen gelten nur für Neuwagen. Ältere Autos können weiterhin ohne Assistenzsysteme unterwegs sein.

veröffentlicht: 7. Juli 2024 10:49
aktualisiert: 7. Juli 2024 10:49
Quelle: FM1Today

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