Nach BAG-Info

Dritte Welle, Impfpass und Selbsttests: Das musst du jetzt wissen

16. März 2021, 16:37 Uhr
Können sich alle Impfwilligen bald impfen lassen?
© Keystone
Wie jede Woche informierten auch heute Dienstag die Experten des Bundes über die aktuelle Corona-Situation in der Schweiz. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Medienkonferenz findest du hier.

Wie sieht die epidemiologische Lage in der Schweiz aus?

«Die Situation ist äusserst unsicher und fragil», sagt Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung beim BAG. Die wichtigsten Indikatoren (Positivitätsrate, 14-Tages-Inzidenz und Reproduktionszahl) würden allesamt ansteigen. «Die Fallzahlen könnten sich in vier Wochen verdoppeln», meint er.

Deutliche Zunahme an Fallzahlen: Geht es uns bald wie Italien oder Frankreich?

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Quelle: CH Media Video Unit

Steht die Schweiz am Beginn einer dritten Welle?

«Eindeutig kann man das nicht sagen», meint Mathys. Es spreche jedoch sehr viel dafür. «Es ist durchaus denkbar, dass sich die Situation in der Schweiz in dieselbe Richtung wie in Italien oder Deutschland entwickelt», führt er aus.

Ausschlaggebend, ob eine dritte Welle möglicherweise noch verhindert werden kann, sei auch die Bevölkerung. Mathys sagt: «Es ist entscheidend, wie stark die Bevölkerung mitmacht und die Kontakte weiterhin einschränkt.»

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Sind Öffnungsschritte momentan überhaupt angebracht?

Mathys erklärt: «Es liegt nicht an mir, dies zu entscheiden.» Zur Entscheidung über mögliche Öffnungsschritte gehöre nicht nur die epidemiologische Lage, sondern auch die Situation in Gesellschaft und Wirtschaft. «Die Situation ist fragil, ungünstig und sicherlich nicht die beste, grössere Öffnungsschritte umzusetzen», führt er aus.

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Ist das Impf-Ziel, bis Ende Juni alle Impfwilligen zu impfen, realistisch?

Mathys bleibt weiterhin optimistisch, die Rahmenbedingungen seien gegeben. Weniger positiv zeigt sich der Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, der Zuger Kantonsarzt Rudolf Hauri. «Das ist eine Herkules-Aufgabe», sagt er. Neben der Lieferung des Impfstoffes müsse auch alles organisiert werden. «Das ist nicht ganz einfach.»

Müssen Geimpfte Massnahmen nun jahrelang einhalten?

«Es kommt darauf an, wie viele Leute am Schluss geimpft oder immun sind», sagt Mathys. Ziel sei, dass man das Gesundheitswesen nicht erneut solch grossen Belastungen aussetze. Folglich müssten auch Geimpfte die Massnahmen weiter einhalten, zum Schutz der Impfunwilligen.

Mathys bestätigt somit die Möglichkeit einer vierten Welle im Sommer.

Mathys antwortet auf die Frage: Müssen wir jetzt jahrelang Masken tragen?

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Nützen Impfungen gegen künftige Virus-Varianten?

Mathys meint, dass es normal sei, dass Viren mutieren. Folglich könne nie ausgeschlossen werden, dass Impfungen gegen künftige Virus-Varianten nicht mehr nützen würden. «Dieses Risiko besteht permanent», sagt er.

Wie gross muss die Herdenimmunität sein?

Einen fixen Wert will Mathys auf diese Frage nicht angeben. Man gehe davon aus, dass mit der ursprünglichen Variante eine Person rund drei weitere anstecken würde. Folglich müssten etwa zwei Drittel der Bevölkerung immun sein – durch Krankheit oder Impfung.

Die neuen Varianten, allen voran die britische, sei jedoch viel ansteckender. Daher sei es möglich, dass die Herdenimmunität erst bei zirka 80 Prozent erreicht werde.

Gibt es bald einen internationalen Impfpass?

Gemäss Mathys sei es das Ziel, dass es einen universellen Impfpass gebe. «Man will ja künftig wieder reisen, und es wird Länder mit Einreiseeinschränkungen geben.» Das Thema werde im BAG behandelt.

Sind durch die neue Teststrategie weitere Öffnungsschritte möglich?

Fosca Gattoni, Stellvertretende Leiterin Sektion Heilmittelrecht des BAG, sagt: «Wenn wir sehr viel testen, können wir die Infektionen schneller eindämmen.» Vor allem asymptomatische Personen könnten damit ermittelt werden. «So können zukünftig weitere Lockerungsschritte umgesetzt werden.»

Wann kommen die Selbsttests?

Gattoni sagt: «Wir rechnen damit, dass gegen Anfang April die Selbsttests in den Apotheken verfügbar sein werden.»

Dient das Bündner-Modell als Vorbild?

Die Massentests in Schulen und Unternehmen im Kanton Graubünden hätten sich positiv auf die Fallzahlen ausgewirkt, sagt Martin Bühler, Chef kantonaler Führungsstab im Kanton Graubünden. Es seien mittlerweile 64'500 solcher Tests ausgewertet. «131 fielen positiv aus. Diese Personen, welche unwissentlich das Virus in sich trugen, konnten folglich isoliert werden», sagt er.

Im Monat Februar hätten die Fallzahlen im Kanton aufgrund vieler Besucher eigentlich ansteigen müssen. «Dies ist jedoch nicht eingetroffen», erklärt er. Durch das aktive Testen konnten viele Fälle erkennt werden.

(bsv)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 16. März 2021 16:26
aktualisiert: 16. März 2021 16:37