Bessere Ernte

Ein gutes Jahr für die Schweizer Landwirtschaft

8. Oktober 2019, 12:03 Uhr
Trotz gestiegener Ausgaben wird die Schweizer Landwirtschaft dieses Jahr über 2 Prozent mehr Wertschöpfung generieren als im Vorjahr, nämlich insgesamt 4,2 Milliarden Franken. Einer der Gründe ist die gute Getreideernte. (Archiv)
Trotz gestiegener Ausgaben wird die Schweizer Landwirtschaft dieses Jahr über 2 Prozent mehr Wertschöpfung generieren als im Vorjahr, nämlich insgesamt 4,2 Milliarden Franken. Einer der Gründe ist die gute Getreideernte. (Archiv)
© Keystone/ALEXANDRA WEY
2019 war für die Schweizer Landwirtschaft erfolgreich: Die Bruttowertschöpfung liegt bei 4,2 Milliarden Franken, 2,1 Prozent höher als im Vorjahr. Unter anderem steigt die Getreideernte. Und die Schweinezucht rentierte dank weniger Schlachtungen besser.

Die Gesamtproduktion wird sich dieses Jahr in der Schweizer Landwirtschaft auf 11 Milliarden Franken belaufen, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) in einer ersten Einschätzung am Dienstag mitteilte. Das sind fast drei Prozent mehr als 2018.

Die Vorleistungen, beispielsweise für Futtermittel, Energie, Dünger, Unterhalt und Reparaturen, stiegen um 3,4 Prozent und betrugen damit 6,8 Milliarden Franken. Das wird aber den Gewinn nicht auffressen. Die 4,2 Milliarden Franken Wertschöpfung - Unterschied zwischen Produktionswert und Vorleistungen - bedeuten eine Zunahme um 2,1 Prozent.

9 Prozent mehr im Bauern-Portemonnaie

Das sind gute Nachrichten für die Bauern: Im Sektor Landwirtschaft werden 2019 Einnahmen von 13,9 Milliarden Franken erzielt; die Summe setzt sich zusammen aus Produktionswert, Staatsbeiträgen und Habzinsen. Das sind 2,4 Prozent oder 325 Millionen Franken mehr als 2018.

Die Ausgaben für Vorleistungen, Abschreibungen, Löhne, Pachten, Schuldzinsen und Produktionsabgaben stiegen um 2,2 Prozent auf 10,8 Milliarden Franken. Bleiben geschätzte 3,1 Milliarden an Nettounternehmenseinkommen, 2,9 Prozent oder 90 Millionen Franken mehr als im Vorjahr.

Das sektorale Einkommen, das hauptsächlich die Arbeit und das produktive Vermögen (Kapital und Boden) sämtlicher Bauernfamilien in der Schweiz entschädigt, liegt mit 2,9 Milliarden Franken nahezu 9 Prozent über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Das Arbeitsvolumen hat wiederum etwas abgenommen bei gleichzeitiger Steigerung der Arbeitsproduktivität. Seit 2000 wird in der Schweizer Landwirtschaft um ein Viertel weniger gearbeitet, dafür effizienter: Die Arbeitsproduktivität stieg in dieser Zeit um 31 Prozent.

Mehr Getreide, weniger Obst

Im Pflanzenbau wird 2019 ein Produktionswert von geschätzten 4,6 Milliarden erwirtschaftet. Die Getreideernte beträgt knapp 8 Prozent mehr als im Trockenheitsjahr 2018. Der Produktionswert beim Getreide steigt damit um fast 12 Prozent.

Das Weinjahr wird gut werden, wenn auch nicht ganz so einträglich wie im Erfolgsjahr 2018. Die grossen Vorräte und die Weinimporte drücken aber die Preise. Obst bringt dieses Jahr nicht so viel ein wie im hervorragenden Vorjahr. Der Produktionswert sinkt um 11,2 Prozent.

Schweine reissen's raus

Die tierische Produktion nimmt um 2,2 Prozent zu und dürfte 5,2 Milliarden Franken einspielen. Milch bleibt relativ stabil bei 2,2 Milliarden. Ebenso die Rindviehproduktion, die 1,4 Milliarden einbringt.

Für eine gute Bilanz sorgt das Borstenvieh: Da erneut weniger Schweine geschlachtet wurden, stieg der Durchschnittspreis um 17,6 Prozent, was einem Wertzuwachs von 13 Prozent auf eine Milliarde Franken entspricht. Die Geflügelproduktion steigt um gut 1 Prozent, die Eierproduktion um fast 3 Prozent. Mastgeflügel wird leicht weniger produziert.

Bauern: Viel Nachholbedarf bei Einkommen

Der Bauernverband zeigte sich in einer ersten Stellungnahme erfreut über die vom BFS prognostizierte leichte Erhöhung des landwirtschaftlichen Einkommens. Das sei aber auch «bitter nötig». Der Nachholbedarf bleibe nach wie vor gross.

«Vergleicht man die in der Landwirtschaft erwirtschafteten mittleren Einkommen, so sind diese nur etwa zwei Drittel so hoch wie diejenigen von berufstätigen Lohnempfängern im 2. und 3. Sektor. Besonders ausgeprägt ist dieser Rückstand in den Hügel- und Bergregionen», schreibt der Verband in einer Mitteilung.

Quelle: sda
veröffentlicht: 8. Oktober 2019 11:55
aktualisiert: 8. Oktober 2019 12:03