Ostschweizer Reaktionen

«Ein No-Go» – dem Fleischfachverband passt die vegane Metzgerei nicht

Sven Lenzi, 19. Januar 2023, 10:53 Uhr
Die «Vegane Fleischerei» in Dresden ist seit dem 7. Januar geöffnet. Die veganen Alternativen zu Würsten oder Burgern gehen dabei weg wie warme Semmeln. Doch insbesondere in der Ostschweiz kommt das Konzept einer veganen Metzgerei nicht nur gut an.
Die Vegane Fleischerei in Dresden funktioniert wie eine herkömmliche Metzgerei – nur ohne Fleisch.
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Kaum wurde die erste vegane Metzgerei in der ostdeutschen Stadt Dresden eröffnet, konnten sich die Ladenbesitzer kaum retten vor der kaufwilligen Kundschaft. Die Schlange vor dem Geschäft soll zwischenzeitlich bis zu 50 Meter lang gewesen sein. Die «Vegane Fleischerei» stösst im Gegensatz zu den Besucherinnen und Besuchern in Deutschland aber einigen Ostschweizern Fleischliebhabern sauer auf.

«Ein schwarzer Schimmel»

«Wie ein schwarzer Schimmel, das passt einfach nicht», meint Werner Küttel, Präsident des Fleischfachverbandes St.Gallen-Liechtenstein, gegenüber FM1Today. Und weiter: «Der Begriff des Metzgers ist aus dem Schlachten von Tieren entstanden. Ich glaube nicht, dass die veganen Produkte aus der Metzgerei dadurch entstanden, dass Gemüse geschlachtet wurde.»

Gemäss Küttel gehören deshalb der Begriff einer Fleischerei und vegane Produkte einfach nicht zusammen. Wenndoch er betont: «Wir verschliessen uns dem Trend gegenüber nicht. Wir wissen, dass sich die Ernährungsform in den letzten Jahren verändert hat. Auch die Mitglieder unseres Verbandes bieten vereinzelte vegane und vegetarische Produkte an.» Die Problematik liegt laut Werner Küttel woanders.

Problematische Produktbezeichnungen

«Die Bestrebungen, vegane Produkte nicht ‹Schnitzel› oder ‹Burger› nennen zu dürfen, bestehen. Doch sie scheinen nicht zu fruchten. Sie kommen nicht an», ist sich Küttel sicher. So bleiben die Quorn-Schnitzel oder die Tofu-Burger in der Ladentheke. Zumindest bis sie gekauft werden.

Die veganen Produkte sehen den Fleischprodukten nicht nur verblüffend ähnlich, sie tragen meist auch den gleichen Namen.

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Metzgereien müssen immer häufiger schliessen, der Vegan-Boom dauert an. Der Präsident des Fleischfachverbandes St.Gallen-Liechtenstein schätzt ein:  «Es ist eher ein Mitbewerber statt ein Konkurrent. Das belebt den Markt.»

«Blumenladen heisst das»

Die vegane Metzgerei sorgt online für mächtig Gesprächsstoff, die User der FM1Today-Facebook-Community sind sich nicht einig, was sie vom neuen Geschäft halten sollen.

Vegane Gesellschaft will ähnliche Metzgerei in der Schweiz

Raphael Neuburger, Präsident der Veganen Gesellschaft Schweiz, ist begeistert von der neuen Metzgerei. Er meint dazu gegenüber FM1Today: «Das ist eine lässige Sache. Schön, dass es so viel Anklang findet.»

Auch die «Nachahmung» einer klassischen Fleisch-Metzgerei macht für ihn Sinn. Man müsse die Leute bei der Gewohnheit abholen. Sprich bei bekannten Gerichten oder wie in diesem Fall beim traditionellen Gang zum Metzger. Es gehe dabei ganz klar ums Erlebnis.

Veganes Essen befindet sich laut der Veganen Gesellschaft Schweiz auf dem Vormarsch.

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Zusätzlich sagt er den traditionellen Metzgereien, zumindest indirekt, gleich auch den Kampf an: «Es soll auf jeden Fall eine Konkurrenz sein. Die veganen Produkte befinden sich immer mehr auf dem Vormarsch. Die vegane Fleischerei in Dresden macht Mut, dass es etwas ähnliches auch bald bei uns in der Schweiz gibt.»

Bleibt abzuwarten, ob die innovative Idee einer veganen Metzgerei bald auch in der Schweiz Anklang findet. Beurteilt man die Wahrscheinlichkeit dessen anhand des veganen Trends in unserem Land, scheint es aber wohl nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Januar 2023 06:01
aktualisiert: 19. Januar 2023 10:53