Unwetter

Eine Tote und mehrere Verletzte nach Hagel und Starkregen

29. Juni 2021, 11:55 Uhr
In weiten Teilen der Schweiz sind am Montagabend erneut heftige Gewitter mit Orkanböen, Hagel und Starkregen hinweg gefegt. Im Kanton Bern wurde eine Autofahrerin durch einen umgestürzten Baum tödlich verletzt.
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Quelle: FM1Today / Leserreporter

Die Gewitter waren am späten Montagnachmittag aus Westen aufgezogen. Am Jura Südfuss wehten laut Wetterdiensten Böen von 101 km/h, so in Cressier NE. Auf dem Chasseral erreichte eine Orkanböe 122 km/h, wie Meteonews am Montagabend twitterte. Am Abend zog die Gewitterfront auch über die Zentralschweiz und Zürich, bis sie schliesslich die Ostschweiz erreichte.

Über 100 Anrufe bei der Kantonspolizei Thurgau

In St. Gallen musste die Feuerwehr rund 20 Mal ausrücken. Betroffen war vor allem die Region rund um Wil, wie die Kantonspolizei St. Gallen auf Anfrage mitteilte. Die Rettungskräfte mussten Keller auspumpen, die wegen des starken Regens überschwemmt worden waren.

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Quelle: Tagblatt

Die Autobahn A1 zwischen Wil und Münchwilen musste zeitweise gesperrt werden, da sie unter Wasser stand. Die Kantonspolizei Thurgau verzeichnete rund 110 Schadensmeldungen, 40 davon alleine aus der Region Schlatt. Die Feuerwehren mussten hauptsächlich wegen überfluteter Keller oder Garagen und vereinzelten gestürzten Bäumen ausrücken.

Fast 100 Einsätze in Konstanz

Überflutete Strassen, umgestürzte Bäume und vollgelaufene Keller: In den Landkreisen Konstanz, Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar-Kreis sind am Montagabend bei der Polizei etwa 100 Meldungen eingegangen. Die Feuerwehr rückte alleine im Landkreis Tuttlingen fast 50 Mal aus. In zwei grossen Einkaufszentren in Singen stand das Wasser auf mehreren hundert Quadratmetern bis zu fünf Zentimeter hoch. In Schramberg und in Stockach kam es jeweils zu einem Verkehrsunfall wegen des Unwetters. Bei den Unfällen wurde niemand verletzt, der Sachschaden beträgt mehrere zehntausend Euro. Gemäss Polizeipräsidium Konstanz wurden wegen des Unwetters keine Personen verletzt. Über die Höhe des Gesamtschadens, kann derzeit auch keine Auskunft gegeben werden.

Eine Tote im Kanton Bern

Zum einem tödlichen Unfall wegen des Unwetters kam es in Meikirch, wie die Kantonspolizei Bern am Dienstag mitteilte. Der genaue Unfallhergang ist noch nicht bekannt. Nach ersten Erkenntnissen war das Auto um etwa 17 Uhr bei einem Waldstück von einem umstürzenden Baum getroffen worden. Die Autolenkerin wurde im Fahrzeug eingeklemmt und schwer verletzt. Die Rettungskräfte konnten vor Ort nur noch den Tod der Frau feststellen.

Laut Polizei bestehen konkrete Hinweise auf die Identität der Verstorbenen. Die formelle Identifikation steht aber noch aus.

Verheerende Hagelzüge

Mancherorts erreichten die Körner die Grösse von Golfbällen, so in La-Chaux-de-Fonds oder Epsach BE. In Nottwil LU hatten die Hagelkörner einen Durchmesser von sieben Zentimetern, wie SRF Meteo schrieb. Hagelzüge richteten namentlich im Berner Seeland sowie zwischen Bern und Thun erhebliche Schäden an Pflanzen und Bäumen an, wie Bildern auf diversen Nachrichtenportalen zeigen und Augenzeugen berichteten. Die Schadenbilanz wegen Unwettern dürfte damit weiter gestiegen sein. Starkregen begleitete auch andernorts die aussergewöhnlichen Gewitter, wie SRF Meteo schrieb. In Opfikon ZH wurden in einer Stunde 36,8 mm Niederschlag gemessen, in Lohn SH waren es 45,6 mm, wie der Wetterdienst twitterte. Davon fielen jeweils rund 20 mm in nur zehn Minuten.

Bis letzten Freitag schätzten Versicherungsgesellschaften die Schadensumme auf mindestens 260 Millionen Franken. Es gab zehntausenden Schadenfälle, allen voran wegen Hagelbeulen an Fahrzeugen und Gebäudeschäden wegen überfluteter Keller.

Sechs Kinder im Spital

In der Westschweiz wurde der Kanton Freiburg stark in Mitleidenschaft gezogen. Rund 300 Meldungen gingen bei der Einsatzzentrale ein. Arg in Bedrängnis kam laut Kantonspolizei Freiburg eine 16-köpfige Schulklasse mit ihren zwei erwachsenen Begleitpersonen, die in Bulle von einem Hagelzug überrascht wurde.

Sechs Kinder und eine erwachsene Begleitperson wurden vom Rettungsdienst betreut und zur Untersuchung in ein Spital gebracht. Laut einem Leservideo auf Blick.ch durchschlug in Bulle der Hagel das Dach einer Coop-Filiale. Die Polizei warnte vor beschädigten Dachziegeln, die von Gebäuden fallen könnten.

Hagelkörner verletzen Velofahrerin

In Cham ZG wurde eine Velofahrerin durch Hagelkörner am Kopf verletzt. Die 29-jährige Frau musste mit dem Rettungsdienst Zug ins Spital eingeliefert werden. In Baar ZG wurde eine Autofahrerin durch Glassplitter leicht verletzt, als der Hagelschauer ihre Frontscheibe beschädigte. Insgesamt gingen bei der Kantonspolizei Zug rund 100 Meldungen ein.

In Wolhusen LU wurde eine Person durch herumfliegende Gebäudeteile und zwei weitere durch Hagelkörner verletzt, wie die Luzerner Polizei am Montagabend mitteilte. Insgesamt gingen 450 Meldungen bei der Einsatzzentrale ein.

Die Berner Kantonspolizei erhielt über 300 Schadenmeldungen. In Meikirch sei es zu einem schweren Unfall mit einem Auto gekommen. Details dazu will die Polizei am Dienstagmorgen bekanntgeben. Wie Alertswiss zu entnehmen war, waren die Gemeinden Mühlethurnen und Lohnstorf im Kanton Bern am Abend wegen eines Wasserleitungsbruches von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Bei Schutz&Rettung Zürich gingen fast 400 Notrufe ein. Sie betrafen vor allem umgestürzte Baugerüste, entwurzelte Bäume, herabgefallene Äste und Wasser in Gebäuden. In Solothurn stürzte wegen des Unwetters das Gerüst beim Rathaus in der Altstadt ein.

Probleme auf Strassen und Schiene

Wie der Bahninformation der SBB zu entnehmen war, kam es am Nachmittag auf den Linien Bern-Belp-Thun, Burgdorf-Solothurn, Bern-Schwarzenburg und Bern-Kerzers FR zu Störungen. Letztere konnte am späten Montagabend behoben werden.

Die Autobahn A6 zwischen Münchenbuchsee und Schüpfen im Kanton Bern war laut der Verkehrsinformation während mehrerer Stunden beeinträchtigt, wegen der überfluteten Fahrbahn kam es auch dort zu Staus. Wegen Hochwassers bleibt der Schiffsbetrieb zwischen Solothurn und Biel bis 2. Juli eingeschränkt, wie die SBB mitteilt.

Neue Gewitter nach Verschnaufpause

Bis am frühen Dienstagmorgen beruhigte sich die Lage etwas. Nach einer kurzen Verschnaufpause dürften tagsüber aber bereits neue heftige Gewitter aufziehen und erneut Sturmböen, Starkregen und Hagel bringen, wie SRF Meteo auf Twitter schreibt.

Während sich die Lage im Norden beruhigte, zogen in der Nacht auch in Teilen des Kantons Tessin Gewitter auf. In Bosco/Gurin und Airolo fielen seit dem späten Abend rund 50 mm Regen, teilweise sogar mehr, wie MeteoNews am frühen Dienstagmorgen auf Twitter mitteilte.

Quelle: sda
veröffentlicht: 29. Juni 2021 05:15
aktualisiert: 29. Juni 2021 11:55
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