«Einfach menschenverachtend und pfui»

Laurien Gschwend, 4. Mai 2017, 17:02 Uhr
In diesem Moment «tätscht» es im Suva-Video.
In diesem Moment «tätscht» es im Suva-Video.
© In diesem Moment «tätscht» es im Suva-Video. © Facebook/Suva
Die Suva hat kürzlich ein Video auf ihrer Facebook-Seite veröffentlicht, das die tödlichen Folgen von Velofahren aufzeigt. Viele User sind überhaupt nicht einverstanden mit der abschreckenden Botschaft; auch Pro Velo Thurgau kritisiert die Unfallversicherung scharf.

«Wir finden dieses Video unterirdisch degoutant und makaber», kommentiert Pro Velo Thurgau das Video der Schweizer Unfallversicherung Suva. Lässige Sprüche über tote Verkehrsopfer seien unabhängig von den Umständen «einfach menschenverachtend und pfui».

«Das Video zementiert Vorurteile»

Eddie Kessler, Vorstandsmitglied von Pro Velo Thurgau, erklärt die Sichtweise seiner Vereinigung: «Das Video zementiert Vorurteile.» Es suggeriere, dass alle Velofahrer Rowdys seien. «Das stimmt überhaupt nicht. Untersuchungen zeigen, dass sich Velo- und Autofahrer genau gleich gut beziehungsweise schlecht an die Regeln halten.»

Das Suva-Video fördere das Miteinander im Verkehr überhaupt nicht. «Es torpediert all unsere Bemühungen.» Pro Velo Thurgau wolle erreichen, dass sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer respektieren, Blickkontakt aufnehmen und klare Zeichen geben.

«Wünschen uns positive Botschaften»

Solche Themen sollen anders angegangen werden, fordert Kessler. «Wir wünschen uns Kampagnen mit einer positiven Botschaft. Das Ganze muss konstruktiver vermittelt werden.» Beispielsweise könne man, statt abzuschrecken, Vorbilder zeigen, die sich im Verkehr korrekt verhalten.

Das von der Suva veröffentlichte Video, das in Zusammenarbeit mit verschiedenen Polizeien entstanden ist:

«Ekelhaft», «Deppenspot»

Neben Pro Velo Thurgau machen auch viele andere Nutzer ihrem Unmut auf Facebook Luft. «Das Ziel dieses Videos wäre ja eigentlich, die Fahrradfahrer zu vernünftigem Verhalten anzuregen», schreibt Peter. Er fragt sich allerdings, wie das geschehen soll, wenn die Velofahrer im Suva-Video pauschal als «dauerverkehrsregelnbrechende Dummköpfe» dargestellt werden.

«Ekelhaft», kommentiert Joachim. Dave stimmt ihm zu: «Selten so ein bescheuertes Video gesehen.» Armin betitelt das Video gar als «Deppenspot». «Tolle Anti-Velo-Werbung! Klimaveränderung und Umweltverschmutzung ist ja eh alles nur erfunden. Habt ihr super rübergebracht», findet Daniel.

«Es tut manchmal weh, die Wahrheit zu sehen»

Man beantworte alle Facebook-Kommentare und E-Mails persönlich, sagt Esther Hess, Kampagnenleiterin Velo bei der Suva. «Es wird rege über das Video gesprochen, es hat viele negative Reaktionen gegeben. Aber es gibt auch viele, die zufrieden damit sind.»

Das Ziel des Spots sei es, auf unverblümte Weise zu zeigen, was einem Velofahrer passieren könne, «der alles macht, was Gott verboten hat». Man könne leider nicht schönreden, dass der Velofahrer im Verkehr am verletzlichsten sei. «Es tut halt manchmal weh, die Wahrheit zu sehen.»

Jemandem die Lust aufs Velofahren wolle man mit dem Film nicht nehmen. «Velofahren ist per se eine super Sache, wir würden das Velo nie schlecht machen», sagt Hess. Trotz der vielen negativen Kommentare bereue die Suva die präventive Massnahme nicht. «Wir haben das Gefühl, wir haben alles richtig gemacht.»

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 4. Mai 2017 17:02
aktualisiert: 4. Mai 2017 17:02