WAB-Kurs

Eintägig: So ist das neue Fahrsicherheitstraining

Christoph Thurnherr, 7. Januar 2020, 05:52 Uhr
Ein Neulenker beim Fahrsicherheitstraining auf nasser Fahrbahn.
© keystone
Die oft kritisierte Zweiphasenausbildung zur Fahrsicherheit gibt es ab diesem Jahr nicht mehr: Neulenker müssen nur noch einen einzelnen Kurstag absolvieren. Wir waren bei einem der ersten neuen Kurse dabei.

Zu teuer, nutzlos und langweilig: Die obligatorischen Fahrsicherheitstrainings (WAB-Kurse) – vor allem das ökologische Fahren – standen seit längerer Zeit in der Kritik. Zukünftige Absolventen dürfen sich deshalb freuen: Neu muss anstatt zwei nur noch ein einzelner Tag absolviert werden. Der Kurs wird von verschiedenen Verkehrsschulen angeboten. Ich habe kürzlich jenen der Verkehrsschule A-Z in Gossau besucht. 

Und so viel vorne weg: Der Kurs ist gut. 

Versuchskaninchen in Blechbüchsen

Die Teilnehmer werden von den Fahrlehrern mit Handschlag begrüsst, die Vornamen ausgetauscht. Nachdem ich in meiner Vorstellung eine hölzern distanzierte Art der Ausbilder im Stil der Fahrprüfungs-Experten erwartet hatte, ist das am frühen Morgen eine angenehme Überraschung.

Einen offerierten Kaffee später sitze ich mit meinen Mitauszubildenden im Halbkreis und erfahre, wie der neue Kurs aufgebaut ist. Unter dem Strich ist es eine Kombination der beiden alten Kurse: Am Morgen geht es vor allem um sicheres, am Nachmittag um cleveres fahren mit verschiedenen Fahrzeugen. 

Die Ankündigung, dass wir am Nachmittag mit einem Tesla X fahren dürfen, lässt die Augen einiger Kursteilnehmer funkeln. Unser Kursleiter bewegt sich pointiert durch seine Powerpoint, ist nie um einen Spass verlegen und interessiert sich für die einzelnen Teilnehmer.

Hätte er uns nicht als Versuchskaninchen bezeichnet, hätte ich nicht gemerkt, dass der Kurs in dieser Form zum ersten Mal stattfindet. Es geht nicht allzu lang, und die Versuchskaninchen sitzen in ihren mitgebrachten Blechbüchsen.

Es wird nicht mit dem Finger gezeigt

Der eine oder andere dürfte mit einigen Bedenken in den Kurs gekommen sein. Was, wenn ich etwas falsch mache? Wird mir der Führerschein wieder weggenommen, wenn ich ein Fehlverhalten im Strassenverkehr zugebe? Diese Ängste sind unbegründet. 

Trotz des neu sehr knappen Zeitplans nehmen sich die Kursleiter Zeit, ein Fehlverhalten – etwa zu nahes Auffahren – zu analysieren und danach mit den eigenen Autos zu simulieren. Andere Versuche zeigen den Bremsweg des Autos bei einer Vollbremsung auf nassem oder mit frischen Schnee bedecktem Untergrund, geradeaus oder in einer Kurve.

Zudem lernen wir, dass beim Bremsen die meiste Zeit für die Reaktion draufgeht, nicht beim eigentlichen Bremsweg. Die Tests sind kurzweilig, machen sogar Spass. Der Kursleiter verrät mir nebenbei, dass er trotzdem die ganze Zeit auf die Uhr schauen muss, denn das Programm sei schon sehr gedrängt. 

«Der beste Tag meines Lebens»

Alles in einem Tag abzuhandeln, sei eine Herausforderung. Und es dauere bestimmt noch ein halbes Jahr, bis die Abläufe stimmen. Aber auch er muss sich eingestehen, dass ein einzelner Kurstag, zumindest teilweise, Sinn ergibt: «Den Jungen muss man nichts über Alkohol und Drogen erzählen, das haben sie schon oft genug gehört. Das ist nicht mehr Teil des Kurses, und das ist gut so.»

Nach den Sicherheitstrainings geht es zum gemeinsamen Mittagessen in ein Restaurant. Das Essen ist im Kursgeld inbegriffen. 

Am Nachmittag werden dann die kühnsten Träume eines Kursteilnehmers erfüllt: Jeder darf mit dem Tesla X der Verkehrsschule fahren. Dass wir auch mit einem Toyota Prius und einem VW Touran fahren dürfen, um die verschiedenen Antriebsmodelle kennen zu lernen, tritt dabei eher in den Hintergrund. 

Mein Mitschüler hinter dem Steuer kann es kaum fassen. «Das ist der beste Tag meines Lebens», ruft er sogar. Und das obwohl wir den 500-PS-Boliden nur im Eco-Modus fahren dürfen, um eine möglichst sparsame Fahrweise kennen zu lernen.

Vom besten Tag meines Lebens würde ich persönlich nicht sprechen. Für mich haben Autos aber auch keinen besonderen Stellenwert. Aber dennoch: Es war keine verschwendete Zeit. Man merkt dem Kurs an, dass er aufs Nötigste abgespeckt wurde. Das sorgt für ein relativ hohes Tempo und es kommt keine Langeweile auf.

Die Tipps für «cleveres Fahren» sind unaufdringlich, wollen lediglich das Bewusstsein der Kursteilnehmer wecken. Wobei das bestimmt auch von der gewählten Verkehrsschule abhängt. Denn in der Detailgestaltung sind die verschiedenen Anbieter frei. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. Januar 2020 05:51
aktualisiert: 7. Januar 2020 05:52