Kantonale Wahlen AG

Einzig Männer in der Aargauer Regierung: SP verteidigt Sitz

18. Oktober 2020, 15:40 Uhr
Der freie SP-Sitz im Aargauer Regierungsrat wird wohl erst im zweiten Wahlgang vergeben.
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Der Aargauer Kantonsregierung besteht in den kommenden vier Jahren aus fünf Männern. SP-Fraktionspräsident Dieter Egli hat den den freien SP-Sitz auf Anhieb verteidigt. Die Kandidatin der Grünen übersprang das absolute Mehr. Sie scheidet jedoch als Überzählige aus.

Die Wählenden setzten auf Kontinuität. Dem Regierungsrat gehören weiterhin zwei SVP-Vertreter an sowie je ein Vertreter von CVP, FDP und SP. Die vier bisherigen Regierungsräte wurden im Amt bestätigt.

Das beste Resultat erzielte Finanzdirektor Markus Dieth mit 95'611 Stimmen, dicht gefolgt von Baudirektor Stephan Attiger mit 95'404 Stimmen. Das absolute Mehr von 57'198 Stimmen übersprangen ebenfalls Bildungsdirektor Alex Hürzeler mit 87'413 Stimmen und Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati mit 74'492 Stimmen. Er ist erst seit Dezember im Amt.

Neu in den Regierungsrat gewählt wurde SP-Fraktionspräsident Dieter Egli. Der 50-jährige Kommunikationsleiter der Gewerkschaft Syna erhielt 69'747 Stimmen. Er übernimmt den freiwerdenden Sitz von SP-Regierungsrat Urs Hofmann, der nicht mehr antrat. Egli dürfte das Volkswirtschaftsdepartement übernehmen.

Guyer: «Das ist nicht mehr zeitgemäss»

Der Kantonsregierung gehört weiterhin keine Frau an. Die Kandidatin der Grünen, Christiane Guyer, übersprang zwar das absolute Mehr von 60'103 Stimmen. Die Stadträtin von Zofingen scheidet aber als Überzählige aus.

Sie zeigte sich über den Ausgang der Wahl sehr enttäuscht. Es ärgere sie, dass der Aargau weiterhin eine Männerregierung habe, sagte Guyer im Radio SRF: «Das ist einfach ein Rückschritt - und es ist einfach nicht mehr zeitgemäss.»

Es sei schade, dass die Grünen gemeinsam mit der SP nicht zwei Sitze in der Regierung erobert hätten, sagte Grünen-Präsident Daniel Hölzle: «Es ist halt der Aargau.»

Der Aargau als bevölkerungsmässig viertgrösster Kanton ist kein Sonderfall. Auch den Regierungen in den Kantonen Luzern und Uri gehören einzig Männer an.

Frauen haben schweren Stand

Das gleiche Schicksal wie Guyer hatte vor 20 Jahren bereits die damalige FDP-Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer ereilt. Nach acht Jahren schaffte sie die Wiederwahl nicht. Sie überschritt das absolute Mehr - und belegte ebenfalls den sechsten Platz.

Dem Regierungsrat gehörten neben Mörikofer bislang nur zwei Frauen an. Das waren Susanne Hochuli (Grüne), die während acht Jahren im Amt war. Die glücklose Franziska Roth (Ex-SVP) trat nach kurzer Amtszeit im Juni 1999 zurück. Die SP versuchte mehrfach mit einer Frau, einen zweiten Sitz in der Regierung zu erobern.

Quelle: sda
veröffentlicht: 18. Oktober 2020 15:40
aktualisiert: 18. Oktober 2020 15:40