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Materialforschung

Empa-Forschende erzielen hohe Melanin-Ausbeute aus Halllimasch-Pilz

9. März 2021, 10:20 Uhr
Melanin ist teurer als Gold. Forschenden der Empa ist es nun gelungen, das Pigment in grossen Mengen aus dem Hallimasch-Pilz zu gewinnen. Mit dem Wunderstoff sollen beispielsweise historische Blasinstrumente neu erklingen.
Das Blasinstrument Serpentino erzeugt einen berührenden Klang. Forschende möchten das historische Instrument nachbauen und mit einer Melanin-Schutzschicht vor Pilzen und Schädlingen schützen.
© Stephan Berger / Empa

Das Pigment Melanin ist ein wahrer Wunderstoff: Es schützt die Haut nicht nur vor schädigenden UV-Strahlen. Es eignet sich auch als Holzschutzmittel, verleiht einheimischem Fichtenholz die Farbe von tiefdunklem Ebenholz und filtert Blei aus verschmutztem Wasser. Das berichtet die Empa in ihrem Magazin «Empa Quarterly» berichtet.

Bisher gelang es allerdings nicht, diesen Wunderstoff im industriellen Massstab herzustellen. Nun stiessen die Empa-Forschenden auf einen Helfer aus der Natur: Den Hallimasch-Pilz, der im US-Bundesstaat Oregon zum grössten Lebewesen der Welt angewachsen ist. Sein Netz erstreckt sich über neun Quadratkilometer. Der grösste Pilz Europas befindet sind in der Schweiz am Ofenpass, der ein Gebiet von 50 Fussballfeldern bedeckt. Der Hallimasch ist allerdings nicht nur ein Mega-Pilz, sondern bindet Schwermetalle, lässt Holz im Dunkeln leuchten - und produziert Melanin.

Grosse Melanin-Ausbeute

«Wir haben eine vielversprechende Linie des Hallimasch-Pilzes selektiert, die mit unserer Technologie nun rund 1000-mal so viel Melanin produziert wie andere Mikroorganismen, mit denen die Pigmentherstellung bereits versucht wurde», liess sich Francis Schwarze im Empa-Magazin zitieren. Nach drei Monaten habe ein Liter Hallimasch-Kultur bereits rund 20 Gramm Melanin erzeugt, sagte der am Verfahren beteiligte Forscher Javier Ribera.

Schlangen-Instrument wiederbeleben

Die Melanin-Ausbeute, die das Verfahren verspricht, ermöglicht es nun, verschiedene Projekte voranzutreiben. Beispielsweise möchten sie ein historisches Blasinstrument, den Serpentino, nachbauen. Denn die schlangenförmigen Originalinstrumente sind rar geworden. «Der Serpentino erzeugt Klänge, die reich an Obertönen und sehr berührend sind», sagte der Instrumentenbauer Stephan Berger, der neben der Fachhochschule Nordwestschweiz und dem Historischen Museum Basel ebenfalls am Projekt beteiligt ist.

In den Originalinstrumenten schafft Feuchtigkeit aus der Atemluft hervorragende Lebensbedingungen für Pilze und Schädlinge, die die Exemplare mit der Zeit zerstören. «Wenn wir eine Melanin-basierten Holzschutzimprägnierung einsetzen können, lassen sich nicht nur die neugebauten Serpentinos vor dem Verfall retten», sagte Berger. Auch andere Holzblasinstrumente, die heute mit einheimischen, weniger resistenten Hölzern gebaut werden, könnten gemäss der Empa von einer derartigen Schutzschicht profitieren.

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. März 2021 10:05
aktualisiert: 9. März 2021 10:20