Schweiz

Epidemiologe Tanner ist gegen starre Personen-Obergrenze für Privatanlässe

11. Oktober 2020, 10:03 Uhr
Die Taskforce des Bundes verzichtet derzeit auf konkrete Forderungen nach Obergrenzen für Privatanlässe. (Symbolbild)
© Keystone
Ob Privatanlässe ein hohes Ansteckungsrisiko bergen, hängt nicht nur von der Anzahl Personen, sondern auch von der Räumlichkeit ab. Epidemiologe Marcel Tanner appelliert deshalb an die Eigenverantwortung.

(gb.) Seit in der Schweiz wieder täglich über 1000 Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet werden, steht die Frage nach schärferen Massnahmen im Raum. Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes hatte zuletzt flächendeckende Massnahmen angeregt, etwa Obergrenzen für private und öffentliche Anlässe. In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» sagt nun Marcel Tanner, Epidemiologe und ebenfalls Taskforce-Mitglied, strikte Vorschriften seien dabei grundsätzlich keine gute Idee.

Laut Tanner kommt es nämlich nicht nur auf die Anzahl Personen an, sondern auch auf die Räumlichkeiten. «Das Geburtstagsfest der Grossmutter in einem grossen durchlüfteten Raum mit 40 Personen ist unter Umständen weniger problematisch als ein Fest mit nur halb so vielen Teilnehmern in einem kleinen, stickigen Raum.» Die Taskforce sei deshalb zurückhaltend mit Empfehlungen bezüglich privater Anlässe.

«Bundesrat hätte in Kommunikation investieren müssen»

Tanner befürchtet, dass fixe Beschränkungen von den Menschen als «sture Behördenmassnahmen» empfunden und nicht befolgt würden. «Zielführender als starre Vorschriften ist deshalb, dass wir die Menschen dazu bringen, solche Feste in geeigneten Räumen durchzuführen, immer gut zu lüften und auf innige Umarmungen zu verzichten.»

Um an die Vernunft der Bevölkerung zu appellieren, ist laut Tanner nun die Kommunikation entscheidend. Er stellt fest, dass der Bundesrat seit Ende des teilweisen Shutdowns im Frühling eher stumm sei. «Bundesrat und Behörden hätten noch viel mehr in gezielte – Ausblicke schaffende – Kommunikation investieren müssen», so Tanner gegenüber der «SonntagsZeitung.»

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 11. Oktober 2020 10:03
aktualisiert: 11. Oktober 2020 10:03