«Es braucht ein Rettungsgassengesetz»

Praktikant FM1Today, 8. Juli 2019, 16:42 Uhr
Sie ist wichtig, kann Menschenleben retten und reduziert Staustunden, trotzdem wird sie zu wenig gebildet: die Rettungsgasse. Nach zwei Jahren geht jetzt die erste grosse Kampagne dazu zu Ende. Der Kampagnenleiter Pascal Rey ist mit dem Verlauf zufrieden.

«Bei Stau Rettungsgasse bilden», heisst es auf dem Schild, welches an einer Böschung auf der St.Galler Stadtautobahn steht. Es verfolgt das gleiche Ziel wie die Kampagne «Rettungsgasse Schweiz». Lanciert wurde diese vor zwei Jahren vom Verein «Helfen helfen». Jetzt beenden die Verantwortlichen die Kampagne und ziehen eine positve Bilanz.

Kampagnenziel wurde erreicht

Pascal Rey, Präsident Helfen helfen (Bild: zVg)
Pascal Rey, Präsident Helfen helfen (Bild: zVg)
© Pascal Rey, Präsident Helfen helfen (Bild: zVg)

«Es war eine tolle und erfolgreiche Kampagne», sagt Pascal Rey. Er ist Leiter der Kampagne und Präsident des Vereins «Helfen helfen». Ziel der Kampagne war es, die Thematik Rettungsgasse zu einem bedeutsameren Thema zu machen. «Dieses Ziel haben wir erreicht», so Rey. In den Medien werde immer wieder darüber berichtet und auch Stauapps sowie Radiostationen würden darauf hinweisen. «Von einer perfekten Rettungsgasse in jeder Situation sind wir aber noch weit entfernt.»

Ist ein Gesetz nötig?

Was in Deutschland und Österreich bereits gesetzlich verankert ist, soll auch in der Schweiz der Fall sein. Dies fordert der Kampagnenleiter Pascal Rey. «Nur wenn bei Nichteinhalten eine Busse droht, bilden die Autofahrerinnen und Autofahrer eine Rettungsgasse.»

Zusammen mit weiteren Massnahmen ist ein solches Gesetz derzeit beim Bundesrat hängig. Anfang Jahr endete die Vernehmlassung. Jetzt überarbeitet der Bundesrat das Paket nochmals. Wann die Pflicht zur Rettungsgassenbildung kommt, ist aber noch unklar. «Der Bundesrat wird voraussichtlich im Verlauf dieses Jahres informieren», sagt Guido Bielmann, Mediensprecher beim Bundesamt für Strassen (Astra).

Wie läuft es im FM1-Land?

FM1Today hat bei verschiedenen Blaulichtorganisationen nachgefragt. Durchs Band heisst es, dass die Kampagne ihre Wirkung gezeigt hat. «Wir sehen einen positiven Trend, aber es gibt natürlich immer solche, die sich nicht daran halten», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen.

Bei der St.Galler Berufsfeuerwehr, welche auch oft auf die Stadtautobahn muss, tönt es ähnlich. «Aus meiner subjektiven Wahrnehmung wird die Rettungsgasse schneller gebildet und eher offen gelassen», sagt Franz Rüdlinger, Zugführer des Zug 1 bei der St.Galler Berufsfeuerwehr. Er ergänzt: «Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass die Feuerwehrfahrzeuge breiter sind.»

Auch bei der Sanität bestätigt man, dass die Rettungsgasse besser gebildet wird. Aber: «Wenn es nicht staut, ist es besser, wenn die Autos die Überholspur für die Rettungswagen freimachen und auf die Normalspur ausweichen», sagt Günter Bildstein, Leiter Rettung St.Gallen.

Deshalb sind Rettungsgassen wichtig

Passiert ein Unfall, zählt jede Minute. Je nach Schwere der Verletzungen muss das Unfallopfer so schnell wie möglich ins Spital transportiert werden. «Es ist wichtig, dass man sich der Konsequenz bewusst ist, wenn man den Rettungskräften von Feuerwehr, Sanität oder der Polizei den Weg versperrt», sagt Rey. Eine Rettungsgasse ist aber nicht nur bei Unfällen wichtig, sondern generell bei Stau. Rey nennt folgendes Beispiel: «Ein Rettungswagen muss von einem kleinen Ort in ein Kantonsspital, an Bord ein schwer verletzter Patient, und das Ganze geschieht im Feierabendverkehr.»

Es klappt nicht immer

Die aktuelle Situation ist aber noch weit von der Idealvorstellung entfernt. «Helfen helfen» steht mit verschiedenen Polizeien, Feuerwehren und Sanitätsdiensten in Kontakt und erhält so aktuelle Informationen. Es gibt aber auch etwas Positives: «Die Leute sind dank der Kampagne besser informiert.»

Praktikant FM1Today
Quelle: ham
veröffentlicht: 8. Juli 2019 05:35
aktualisiert: 8. Juli 2019 16:42