Schweiz

«Es geht jetzt um das Letzte»: Bund warnt vor noch mehr Schäden und Todesfällen

Samuel Thomi, 17. März 2020, 15:42 Uhr
Daniel Koch, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG, und Hans-Peter Lenz, Chef Krisenzentrum im EDA, vor den Medien. (Archivbild)
© Keystone
Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind bis Dienstag 2650 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet worden. 19 Personen sind in der Schweiz laut dem BAG bislang  an den Folgen von Covid-19 gestorben.

Die Zahl der positiv getesteten Infizierten entspreche jedoch dem Stand der Ansteckungen vor rund einer Woche, relativierte Daniel Koch vom BAG am Dienstag in Bern vor den Medien die jüngsten Zahlen. So lange dauere es nämlich, bis sich die Krankheitssymptome bei Infizierten bemerkbar machten und Tests ausgewertet seien. «Die am Montag vom Bundesrat verschärften Massnahmen werden sich also auch erst in einer Woche in Zahlen zeigen», folgerte der Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im BAG. «Es geht jetzt um das Letzte.»

Entsprechend betonte Daniel Koch gleich mehrmals: «Die Verlangsamung der Ausbreitung des Corona-Virus muss uns gelingen.» Ansonsten drohten noch mehr Schäden und Todesfälle. Und er wiederholte die seit längerem vom Bund bereits aufgestellten Empfehlungen des sogenannten Social Distancing. Dieses Distanzhalten sei äusserst effektiv und gelte es nun unbedingt zu befolgen. Daniel Koch: «Wir können das Virus zwar nicht stoppen, aber wir können diese Welle noch beeinflussen.»

Kinder sind nicht die Treiber der Epidemie

In Spitälern gebe es noch immer kaum erkrankte Kinder, erklärte Daniel Koch auf Nachfrage. «Die wirklichen Treiber dieser Epidemie sind die Erwachsenen.» Es mache daher keinen grossen Unterschied, wie mit den Kindern umgegangen werde. «Aber Kinder und deren Eltern sollten sich nicht mit Grosseltern mischen.» Die Eltern untereinander sollten ebenfalls auf Distanz bleiben: «Das Verhalten macht den Unterschied, nicht die Frage, was alles geschlossen wird», betonte Koch. Darum sehe man im Gegensatz etwa zu Deutschland nach wie vor auch von Verboten zur Nutzung von Spielplätzen ab.

Zur immer wieder geäusserten Kritik, die Schweiz teste zu wenig, erwiderte Daniel Koch: «Es wird nirgends weniger getestet als überhaupt möglich ist.» Entscheidend sei es, dass gezielt getestet werde. «Wenn Sie Symptome haben, gehören Sie schlicht nicht in den öffentlichen Raum oder an den Arbeitsplatz.» In der Inkubationsphase etwa bringe ein Test zudem gar keine zusätzliche Sicherheit, weil das Virus dann noch gar nicht nachweisbar sei. Darum machten auch beispielsweise systematische Tests an Grenzen keinen Sinn.

Rückgang des Grenzverkehrs – kleine Posten schliessen

Wie Christian Bock, der Direktor der Eidgenössischen Zollverwaltung informierte, werden an allen Grenzen rund 130 kleinere Posten ganz oder teilweise geschlossen. Weitere Schliessungen würden geprüft; die Liste der betroffenen Grenzposten werde im Internet laufend aktualisiert.

Zudem informierte der Chef der Zollverwaltung, dass am Dienstag bislang 2289 Personen an einer der Grenzen zurückgewiesen wurden. Überall sei zudem eine «deutliche Reduktion des Verkehrs» zu verzeichnen. Konkret im Tessin ein Rückgang von 73 Prozent, schweizweit generell ein Minus von einem Drittel im Vergleich zum Vorjahresmonat. Doch betonte Christian Bock: «Der Warenverkehr funktioniert normal.»

Wer die Schweiz verlässt, tut dies auf eigenes Risiko

Zudem appellierte Hans-Peter Lenz, der Leiter des Krisenmanagementzentrum im Aussendepartement, an im Ausland weilende Schweizer, so lange es noch möglich sei, rasch heimzukehren. Für die Organisation der Rückreise seien sie selbst verantwortlich und müssten diese auch selber bezahlen. Derzeit betreffe dies etwa mehrere hundert Schweizer Reisende in Marokko. Nach Unterstützung durch die Diplomatie sollen dort am Dienstag bereits erste Heimflüge stattfinden. Und wer jetzt noch die Schweiz verlasse, betonte Hans-Peter Lenz, tue dies explizit auf eigenes Risiko.

Samuel Thomi
Quelle: CH Media
veröffentlicht: 17. März 2020 15:42
aktualisiert: 17. März 2020 15:42