Nach Maurers Rücktritt

«Es kann auch kurz vor den Wahlen noch jemand anderes auftauchen»

6. Oktober 2022, 22:05 Uhr
SVP-Bundesrat Ueli Maurer tritt ab und die Schweiz fragt sich, wer ihn ersetzt. Die zuletzt hoch gehandelte Zürcher Regierungsrätin Natalie Rickli sagte am Mittwoch ab. Wir wollten von Politologe Andreas Ladner wissen, wer jetzt in der Pole-Position ist.
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Herr Ladner, wie schätzen Sie die Absage von Rickli ein?
Ich denke, das kann man zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Sie hat natürlich mit diesem Mandat im Regierungsrat eine wichtige Position im Kanton Zürich. Es geht für die SVP auch darum, dass dieser Sitz gesichert wird. Und dazu ist sie sicher gut geeignet. Von daher kann ich nachvollziehen, dass sie auf das Wagnis Bundesrat verzichtet.

Im Kanton Zürich gehen die Namen aus, die Maurer ersetzen. Nebst Rickli hat auch Gregor Rutz abgesagt. Was würde das bedeuten, ein Zürich ohne Bundesrat in Bern?
Man darf das nicht überschätzen, aber es ist trotzdem etwas Wichtiges. Es ist für einen Kanton schon wichtig, dass er im Bundesrat vertreten ist. Aber ein Bundesrat muss letztlich natürlich für die ganze Schweiz schauen und kann nicht einfach den Interessen des Herkunftkantons zudienen. Zürich ist sehr oft im Bundesrat vertreten und es droht nun diesen Sitz zu verlieren. Es scheint, als ob die SVP diese Vertretung nicht halten kann.

Die damalige Nationalrätin Natalie Rickli mit Noch-Bundesrat Ueli Maurer im Jahr 2009.

© Keystone

Der Name Albert Rösti fällt derzeit am häufigsten. Sehen Sie ihn in der Pole-Position?
Es ist vor den Wahlen immer sehr schwierig zu sagen, wer jetzt in der Pole-Position ist. Klar, es sieht danach aus. Er ist durch seine Arbeit als ehemaliger Parteipräsident bis zu einem gewissen Punkt dafür prädestiniert, um diesen Bundesratssitz zu kämpfen. Aber ...

Aber? Gibts dabei Nachteile?
Es kann auch kurz vor den Wahlen noch jemand anderes auftauchen ... oder es können sich zwei, drei Kandidaten oder Kandidatinnen melden, die im Parlament die besseren Chancen hätten. Von daher ist es nicht unbedingt immer ein Vorteil, wenn man von der Pole-Position startet.

Wie das?
Die anderen könnten dann im Windschatten des Favoriten vorbeiziehen. Ich würde sagen, das Rennen ist offen. Rösti ist aber sicher ein Kandidat mit guten Aussichten.

Was könnte vor den Wahlen noch passieren? Stichwort Sprengkandidatur? Kommt jemand anderes, komplett neues ins Spiel?
Die Frage ist bis zu einem gewissen Punkt, was die Grünen und die GLP machen werden, wie weit sie um diesen Sitz kämpfen wollen. Sie müssen sich in Hinblick auf die Zukunft (die Gesamterneuerungswahlen) auch ein bisschen positionieren und sich sagen, wir wollen in die Regierung.

Der Sitz wird also fix an die SVP gehen?
Wahrscheinlich. Ich glaube, dass der Sitz der SVP insgesamt unbestritten ist. Sie ist die wählerstärkste Partei. Am ehesten sollte es eine Kandidatin oder ein Kandidat der SVP sein, der oder die da gewählt wird. Wenn die SVP natürlich mit einer Frau kommen würde, wäre die Konkurrenz für Rösti wieder ein bisschen grösser. Man muss abwarten, was sich hier präsentiert, was die anderen Parteien sich überlegen, welche Strategien sie fahren.

(jaw)

Hier gibt Maurer seinen Rücktritt bekannt

Quelle: CH Media Video Unit / Silja Hänggi

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 6. Oktober 2022 16:39
aktualisiert: 6. Oktober 2022 22:05