«Es war der Lauf meines Lebens»

Vanessa Kobelt, 10. September 2018, 17:23 Uhr
380 Kilometer und 25'900 Höhenmeter: In nur fünf Tagen und fünf Nächten ist die Berner Ultra Trail-Läuferin Brigitte Daxelhoffer von Montreux nach Vaduz gerannt. Dabei hat sie Spendengelder für Kinder in Indien gesammelt.

Es war der härteste und emotionalste Lauf ihres Lebens. Ultra Trail-Läuferin Brigitte Daxelhoffer ist in fünf Tagen und fünf Nächten entlang der Via Alpina quer durch die Schweiz gerannt. Sie startete in Montreux und ist am Montagabend in Liechtenstein angekommen. Die Strecke, die über 14 Alpenpässe führte, wurde so noch nie gelaufen.

«Ich hatte Halluzinationen»

«Es war extrem anstrengend», sagt Brigitte Daxelhoffer, die am Tag nach ihrer Ankunft in Vaduz immer noch sehr erschöpft ist. Die 39-Jährige ist seit mehreren Jahren begeisterte Läuferin, seit neun Jahren absolviert sie auch Berg- und Ultramarathons. Trotzdem war der Lauf eine grosse Herausforderung, denn sie konnte sich zwischen den Etappen immer nur kurz ausruhen. «Mit der Zeit hat man durch den Schlafmangel sogar Halluzinationen. Da wird schnell mal ein Baumstumpf zu einem Bären oder zu einem Wolf», sagt sie lachend.

Noch nie so weit gekommen

Irgendwann habe sich ihr Körper aber daran gewöhnt und die Strecke von Montreux nach Vaduz wird ihr für immer in Erinnerung bleiben. Insgesamt absolvierte Brigitte Daxelhoffer 380 Kilometer und 25'900 Höhenmeter. «Es war der Lauf meines Lebens. Noch nie bin ich so eine grosse Distanz mit so vielen Höhenmetern gelaufen.» Ausserdem sei es ein wunderschöner «Heimatlauf» gewesen. «Ich fühle mich unglaublich wohl in den Schweizer Bergen und dies machte das Erlebnis noch spezieller.»

Diese Strecke absolvierte Brigitte Daxelhoffer innert fünf Tagen und fünf Nächten. (Bild: SchweizMobil)
Diese Strecke absolvierte Brigitte Daxelhoffer innert fünf Tagen und fünf Nächten. (Bild: SchweizMobil)

Fasziniert von der Ostschweiz

Besonders schön fand Brigitte Daxelhoffer auch die Strecke durch die Ostschweiz. «Ich war noch nie in den Ostschweizer Bergen unterwegs und ich bin wirklich sehr begeistert», schwärmt die Burgisteinerin. «Von den grauen Kühen, über die schöne Landschaft bis hin zu den netten Bauern: Es war einfach wunderschön.»

Das Schicksal der Kinder als Motivation

Entlang der Strecke wurde Brigitte von weiteren Läufern begleitet. Sie alle liefen, um Spenden für die Organisation New Light zu sammeln, welche diskriminierte Kinder in Indien unterstützt. Die Laufspenden waren für Brigitte Daxelhoffer die grösste Motivation. «Wenn man für einen guten Zweck läuft, hat man dies ständig im Hinterkopf. Es ist ein riesengrosser Antrieb.» Gemeinsam haben sie 27'100 Franken Spendengelder erlaufen.

Die Ultra Trail-Läuferin hat die Organisation New Light selbst schon besucht und war vom Schicksal dieser Menschen zutiefst berührt. «Ich spürte einfach, dass diese Kinder keinen Ausweg haben und ihr ganzes Leben lang leiden. Ich hingegen, musste nur fünf Tage und fünf Nächte auf die Zähne beissen. Dieser Gedanke gab mir ganz viel Kraft.»

Vanessa Kobelt
Quelle: kov
veröffentlicht: 10. September 2018 17:14
aktualisiert: 10. September 2018 17:23